Dienstag, 17. September 2019

Vertrauensranking Neuanfang mit alten Seilschaften?

3. Teil: "Desaster für beide Seiten"

"Desaster für beide Seiten"

Bei den Mitarbeitern war er bis zuletzt beliebt, und die Medien bewerteten seinen Charakter positiv. Im Gegensatz zu Aufsichtsratschef Kley gilt Ziebart als umgänglich und bescheiden. Besonders seit dem 17. Mai, als Rücktrittsgerüchte in den Medien gestreut wurden, betonten die Meinungsführermedien ihr Vertrauen in Ziebart als Person.

Geht im Streit:
Noch-Chef Ziebart
Zum entscheidenden Konflikt geriet dabei die Frage nach einer möglichen Fusion mit NXP, der ehemaligen Halbleiterdivision von Philips Börsen-Chart zeigen, oder mit Freescale aus den USA. Ziebart galt als Gegner der Fusion, während Kley ohne Absprache mit dem Vorstand Gespräche forcierte. Analysten verschiedener Banken stehen einer möglichen Fusion kritisch gegenüber. Die Zweifel am Problemlösungspotenzial einer Fusion erscheinen allerdings berechtigt: das Kerngeschäft von NXP passt kaum zu Infineon, die Handychipsparte verkauft NXP im Herbst und das Restgeschäft gilt als "margenschwach" ("FTD" 20. Mai).

Auch wenn schon länger sicher schien, dass Ziebart um die Jahresmitte geht, äußerte sich der Konzern bislang überhaupt nicht offiziell zur Personalie, stattdessen wurden gezielte Indiskretionen gestreut. Entsprechend gering ist das öffentliche Vertrauen in das Kommunikationsverhalten von Infineon. "Die Kommunikation des CEO und die Unternehmenskommunikation über den CEO ist heute wichtiger denn je für Unternehmensreputation und öffentliches Vertrauen. Zu wenig Kommunikation oder keine klaren Ansagen werden bestraft, wenn dies von der Öffentlichkeit erwartet wird", kommentiert Vertrauensexperte Günter Bentele von der Universität Leipzig.

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