Mittwoch, 18. September 2019

Vertrauensranking Neuanfang mit alten Seilschaften?

2. Teil: "Provinzposse" im "Intrigantenstadl"

"Provinzposse" im "Intrigantenstadl"

Zudem hat Infineon zahlreiche Probleme zu lösen, die über die Zukunft des Konzerns entscheiden werden. Die Medien sind deshalb jedoch skeptisch. Bei kaum einem Dax-Unternehmen fällt ein so geringes Vertrauen in Fach- und Problemlösungskompetenz auf wie bei Infineon, wobei der Aufsichtratsvorsitzende Kley aus genau diesem Grund bereits 2004 den Vorstand austauschte.

Komplexe Sache: Ein Chip-Whafer von Infineon
Nachfolger von Ulrich Schumacher wurde damals Wolfgang Ziebart. Der als bescheiden bekannte und im Konzern stets beliebte Manager versuchte, die Probleme zu lösen und gliederte 2006 die Speichersparte unter dem Namen Qimonda Börsen-Chart zeigen aus. Das neue Unternehmen sollte an der New Yorker Börse platziert werden und so den Besitzer wechseln. Ziebart hatte sich allerdings gründlich verrechnet. Noch heute sitzt Infineon auf dem Großteil der Aktien und hält 79 Prozent an Qimonda, das fleißig Verluste schreibt. Auch jüngste Spekulationen um einen etwaigen Verkauf von Qimonda an den japanischen Konkurrenten Elpida wurden von dessen Führung umgehend gedämpft.

Die Aufmerksamkeit der Medien erregte der Konzern, bei dem schlechte Zahlen kaum noch überraschen, durch die aktuelle Personaldebatte in der Führungsriege. Dabei spielte Aufsichtsratschef Kley ein bizarres Spiel: Einerseits demontierte er in den vergangenen Wochen den Vorstandsvorsitzenden Ziebart ("Infineon müsse sich stärker anstrengen", "FTD" 19. Mai), andererseits konnte er keinen Nachfolger präsentieren.

Kenner des Unternehmens sprechen im Hinblick auf den Vorstandswechsel 2004 von einem "Déjà-vu-Erlebnis" ("Handelsblatt" vom 19. Mai). Die Auseinandersetzung wurde nicht nur intern geführt, sondern als "Provinzposse" ("FAZ" vom 21. Mai) aus dem "Intrigantenstadl" ("FAZ" vom 17. Mai), bei der durch gezielte Indiskretion "Pläne" zur Ablösung des Vorstands in der "Börsen-Zeitung" publik gemacht wurden. Dabei spielt das eigentliche Verhalten des Vorstands nur eine untergeordnete Rolle – der Aufsichtsrat bestimmt die Presseberichterstattung.

Ziebarts Leistungen der vergangenen Jahre wurden in den Medien tendenziell leicht positiv bewertet, wobei die Analysten der PMG vor allem Aussagen zur Problemlösungskompetenz des Vorstandschefs in der Presse fanden. Klar ist aber: das Kerngeschäft schwächelt. Daher überwiegen auch die kritischen Töne zu den Leistungen des Infineon-Vorstands leicht.

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