AR-Chef Kley Der Strippenzieher von Infineon

Nach knapp vier Jahren als Vorstandschef von Infineon musste Wolfgang Ziebart am Montag seinen Hut nehmen. Der erfolglose Sanierer scheiterte an der schwankungsanfälligen Speicherchiptochter Qimonda, aber auch an Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley. Dieser zeigte mal wieder, wer die Fäden bei Infineon in der Hand hält.

Hamburg – Es war nur noch eine Frage der Zeit und gestern Abend war es soweit: Der Chipkonzern Infineon  teilte mit, dass Vorstandschef Wolfgang Ziebart zum 1. Juni sein Amt niederlegt.

Nach wochenlangen Streitereien mit Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley über die Sanierung und die künftige Ausrichtung des Unternehmens zog Ziebart am Montag den Kürzeren. Schon auf der Hauptversammlung im Februar warf Kley dem 58-Jährigen vor, sich bei der Sanierung des Chipkonzerns nicht genug anzustrengen. "Die andauernden Verluste sind unbefriedigend", so Kley.

Seit Ziebarts Amtsantritt im September 2004 schrieb Infineon keinen Gewinn mehr. Seinen vorläufigen Tiefpunkt erreichte das Unternehmen bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen: Rund 1,4 Milliarden Euro Verlust hatten sich angehäuft, verursacht vor allem von der defizitären Speicherchiptochter Qimonda.

Ziebart hatte das schwankungsanfällige Speicherchipgeschäft im Mai 2006 mit der Gründung von Qimonda  ausgelagert und das Unternehmen kurze Zeit später an die Börse gebracht, um sich schließlich endgültig von dem Bereich zu trennen. Auf der Mehrheit der Anteile blieb Infineon mit 77,5 Prozent aber sitzen. Da die Preise für Speicherchips immer weiter sanken und Qimondas Verluste teilweise sogar den Umsatz des Unternehmens überstiegen, fand sich bis heute kein Käufer für die Infineon-Tochter.

"Mit der Ausgliederung von Qimonda hat Ziebart zu lange gewartet", erklärt Dresdner-Bank-Analyst Thomas Liskamm im Gespräch mit manager-magazin.de die Gründe für den Rücktritt. Qimonda sei von Quartal zu Quartal immer weniger wert gewesen und die jüngsten Quartalszahlen brachten das Fass zum Überlaufen. "Ziebart hat zu wenig getan, um Qimonda loszuwerden und die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren", meint auch Analyst Heino Ruland von Frankfurt Finanz.

"Ziebart hat viel Pech gehabt"

"Ziebart hat viel Pech gehabt"

Gleichzeitig entwickelten sich aber die äußeren Umstände nicht zu Ziebarts Vorteil. Die Pleite des Handyherstellers BenQ Mobile, der ehemaligen Siemens-Sparte, verursachten bei Infineon als bisherigem Chiplieferanten Umsatzeinbußen in zweistelliger Millionenhöhe. "Ziebart hat viel Pech gehabt", so Theo Kitz von Merck, Finck & Co. gegenüber manager-magazin.de. Die BenQ-Pleite und der Preisverfall bei den Speicherchips hätten sich bei der Bewertung von Ziebarts Managementqualitäten in den Vordergrund geschoben und seine Erfolge vergessen lassen.

Neben dem Missmut über die schlechte Geschäftsentwicklung in der Vergangenheit spielte auch die unterschiedlichen Ansichten über die künftige strategische Ausrichtung von Infineon  eine Rolle bei dem Rücktritt von Ziebart. Während sich Aufsichtsratschef Kley für eine Fusion mit dem niederländischen Wettbewerber NXP aussprach, war Ziebart dagegen.

Der gelernte Maschinenbauer wollte aus eigener Kraft die Wende schaffen und sich nicht mit NXP das nächste Problem aufhalsen. Schließlich gilt das Unternehmen auch unter Experten nicht gerade als Bereicherung für Infineon. "Eine Fusion mit NXP ist sicherlich nicht die beste Lösung", sagt Analyst Liskamm. Da würden zwei schwache Partner zusammengehen in dem Versuch, ein stärkeres Unternehmen zu schaffen.

Dennoch steigen die Chancen auf eine Fusion nach dem Abgang von Ziebart erheblich. Mit dem neuen Vorstandsprecher Peter Bauer, der derzeit die verhältnismäßig erfolgreiche Autochipsparte leitet, kann der Aufsichtsratsvorsitzende seine Strategie sicherlich leichter durchsetzen. Bauer gilt als loyal gegenüber Kley.

Das alles erinnert an den letzten Führungswechsel bei dem Chipkonzern im Jahr 2004. Damals war es ebenfalls Kley, der den Ziebart-Vorgänger Ulrich Schumacher aus dem Unternehmen drängte. Der Aufsichtsratschef sicherte sich dadurch damals wie heute die Macht bei Infineon.

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