Flugtickets im Netz "Geschröpft, irregeführt, verwirrt"

Europäische Verbraucher werden nach Ansicht der EU beim Kauf von Flugtickets im Internet in vielen Fällen abgezockt. Die zuständige Kommissarin Meglena Kuneva drohte den Anbietern mit einer Verschärfung der Vorschriften, sollten diese nicht von selbst tätig werden.

Brüssel - Auf jeder dritten Internetseite zum Kauf von Flugtickets werden die Kunden durch irreführende Werbung abgezockt. Das ergab eine Studie der Europäischen Union, wie EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva am Donnerstag mitteilte.

Demnach verstießen 137 von 386 untersuchten Internetseiten gegen das Verbraucherrecht der EU. Das größte Problem (58 Prozent) waren den Angaben zufolge irreführende Preisangaben. Zudem fanden sich auf fast der Hälfte der Seiten (49 Prozent) Vertragsbedingungen, die den Kunden benachteiligten, wie es weiter hieß. In fast jedem siebten Fall (15 Prozent) sei der angebotene Flug nicht verfügbar gewesen.

Kuneva drohte, alle Mittel auszuschöpfen und gegebenenfalls Vorschriften zu verschärfen, wenn die Branche die Missstände nicht bis zum 1. Mai 2009 abgestellt hat. "Es ist nicht hinnehmbar, dass jeder dritte Verbraucher, der online ein Flugticket buchen will, geschröpft, irregeführt oder verwirrt wird", sagte Kuneva. "Meine Botschaft an die Unternehmen ist klar: entweder sie handeln jetzt, oder wir werden handeln." Immerhin seien mehr als die Hälfte der Verstöße gegen Verbraucherrecht inzwischen abgestellt worden.

An der Untersuchung in den vergangenen sieben Monaten nahmen zunächst 13, später 15 europäische Staaten teil. Deutschland war nicht dabei, da die Behörden schon im Alleingang Webseiten von Fluggesellschaften unter die Lupe genommen hatten, wie die Kommissarin erläuterte.

Ins Visier der Verbraucherschützer kamen nach den Angaben sowohl Fluggesellschaften als auch Reiseveranstalter und Webseiten, die Preisvergleiche anbieten. "Der Unterschied zwischen herkömmlichen und sogenannten Billigfluganbietern wird in der Praxis zunehmend verwischt", schrieb die Kommission. "Die meisten Mitgliedstaaten können aufgrund rechtlicher Beschränkungen in diesem Stadium die Namen der Unternehmen nicht veröffentlichen, solange Ermittlungen beziehungsweise Verfahren laufen."

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.