Yahoo-Chef Yang "Ich bin mehr als gewillt, zuzuhören"

Der Rückzug von Microsoft am vergangenen Wochenende kam für Yahoo-Chef Jerry Yang wohl doch unerwarteter als gedacht. Kaum zwei Tage später erklärt Yang, dass er gern weiter verhandeln wolle. Auch viele Aktionäre sehen den Übernahmekampf noch nicht als beendet an.

London - "Wenn sie irgendetwas Neues zu sagen haben, stehen wir dem offen gegenüber ... ich bin mehr als gewillt, zuzuhören", sagte Yahoo-Chef Jerry Yang der Nachrichtenagentur Reuters. Er habe gemischte Gefühle, was das Scheitern der Gespräche angehe. "Wir haben verhandelt, um eine gemeinsame Grundlage zu finden, und dann haben sie am Samstag beschlossen zu gehen", sagte Yang. "Sie haben das Ganze angestoßen, und dann sind sie gegangen."

Nach dreimonatigem Ringen hatte Microsoft  am vergangenen Wochenende das Übernahmeangebot zurückgezogen, nachdem Yahoo  auch ein um fünf Milliarden auf 47,5 Milliarden Dollar aufgestocktes Angebot als zu niedrig abgelehnt hatte. Mit der Yahoo-Übernahme wollte Microsoft seine Internetpräsenz stärken und Marktführer Google  angreifen.

"Ich wollte verhandeln, aber Microsoft hat das Gebot in Reaktion auf die Forderung nach einem Preis über 33 Dollar je Aktie zurückgezogen", sagte Yang in einem Interview mit der "Financial Times" (Dienstagsausgabe). Laut Microsoft hatte die Yahoo-Spitze mindestens 37 Dollar je Aktie verlangt.

"wir haben nicht gesagt, dass wir eine "Nimm-es-oder-lass-es"- Position vertreten und nicht weiter verhandeln würden", sagte Yang. "Wir wollten diese Transaktion wirklich durchführen, und nun sind sie abgezogen."

Die Yahoo-Aktie ist nach dem Scheitern der Übernahme durch Microsoft zwar stark unter Druck geraten, aber nicht so deutlich wie zuvor vielfach befürchtet wurde. Etliche Aktionäre erwarteten offenbar, dass die Verhandlungen noch einmal wiederaufgenommen werden könnten, erklärten Analysten.

Der Kurs der Yahoo-Aktie brach am Montag um 4,30 Dollar oder 15 Prozent auf 24,37 Dollar ein. Das war ungefähr die Hälfte des Gewinns, den die Aktie seit Bekanntgabe des Microsoft-Angebots am 31. Januar gemacht hatte. "Wenn der Ärger der Yahoo-Aktionäre den Siedepunkt erreichen sollte, dann glaube wir, dass Microsoft wieder aktiv werden könnte und dann so etwas wie ein Weißer Ritter wäre", erklärte der Analyst David Hilal von Friedman, Billings, Ramsey & Co. am Montag.

Ähnlich sehen es offenbar viele Aktionäre, die sich entschieden, derzeit noch nicht zu verkaufen. "Ich hätte eine extremere Reaktion erwartet" auf den Rückzug von Microsoft, erklärte der Analyst Clayton Moran von der Stanford Group. "Microsoft möchte, dass es so aussieht, als ob sie nicht wieder zurückkehren (mit einem anderen Angebot), aber die verhaltene Reaktion zeigt, dass das der Markt ihnen nicht abkauft."

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

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