Balda Aus rot wird tiefrot

Nach dem missglückten Verkauf der europäischen Handyschalenproduktion ist Balda 2007 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. In diesem Jahr will der angeschlagene Handyausrüster aber endgültig die Wende schaffen. Deshalb sucht Balda nicht nur für die verlustreichen Töchter einen Käufer, sondern auch für die Medizintechnik.

Bad Oeynhausen - Der Verlust sei im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent auf 73,3 Millionen Euro gestiegen, teilte Balda  am Dienstag mit. Der Umsatz brach um 16,6 Prozent auf 309,2 Millionen Euro ein. Für 2008 bestätigte der Handyausrüster das Ziel eines Ergebnisses vor Steuern von 24 Millionen Euro und eines Umsatzes von 414 Millionen Euro.

Allein die zurückgenommene europäische Handyschalenproduktion belastete den Handyausrüster mit 32 Millionen Euro operativem Verlust und 13 Millionen an Wertberichtigungen. Balda hatte die bereits veräußerten Werke mit noch rund 400 Mitarbeitern zurückgenommen, weil der potenzielle Käufer, die Beteiligungsfirma Aurelius, höhere Nachschusszahlungen für Verluste forderte als Balda-Chef Joachim Gut veranschlagt hatte. Neue Interessenten stehen allerdings nicht gerade Schlange.

Balda-Finanzvorstand Dirk Eichelberger kündigte an, das Segment Medizintechnik, das beispielsweise Inhalatoren für Allergiker und Asthmatiker herstellt, verkaufen zu wollen. Die Sparte solle im laufenden Jahr 10 Prozent zum Umsatz beitragen und habe 2007 bereits einen Gewinn erzielt. "Wir fokussieren uns auf unsere Kernbereiche und auf die Wachstumsregionen Asiens", sagte Eichelberger. Neues Kerngeschäft sind berührungsempfindliche Bildschirme. Der Konzern liefert dem Vernehmen nach für das Apple-Handy iPhone zu.

Kerngeschäft soll 2008 profitabel sein

"2007 war ein Jahr einschneidender Veränderungen", sagte Vorstandschef Gut. "Die Auswirkungen sind auch im Geschäftsjahr 2008 noch deutlich spürbar." Vorlaufkosten für neue Aufträge belasten den Angaben zufolge den Ertrag des ersten Halbjahrs 2008. Das Kerngeschäft werde 2008 profitabel sein, das erste Quartal allerdings "vergleichsweise schwach" ausfallen, sagte Eichelberger.

Ohne die europäische Handyschalenproduktion der Töchter Balda Solutions Deutschland GmbH, Balda Werkzeug- und Vorrichtungsbau GmbH und Balda Solutions Hungaria Kft. steigerte die Gruppe ihren Umsatz 2007 um 63,5 Prozent auf 257,4 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) stieg auf 8,5 Millionen Euro nach minus 17,2 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Unter dem Strich blieb allerdings ein Verlust von 8,4 Millionen Euro - im Vorjahr lag der Verlust noch bei 15,4 Millionen Euro.

Der Balda-Konzern beschäftigte Ende 2007 gut 8000 Mitarbeiter, davon 7218 (plus 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) in den fortgeführten Segmenten. Balda nannte außerdem einen Termin für die ursprünglich für den 7. Mai geplante und dann auf unbestimmte Zeit verschobene Hauptversammlung. Vorgesehen sei der 29. Juli.

Nach einem vorbörslichen Rutsch sind die Aktien des Unternehmens am Dienstagmorgen um 2,68 Prozent auf 2,30 Euro gestiegen. Das Unternehmen sei fundamental schwer zu fassen und die Aktie daher entsprechend schwankungsanfällig, sagte ein Börsianer. Die Zahlen an sich seien "katastrophal".

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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