Sorgenkind Qimonda Infineon schreibt eine Milliarde Euro ab

Infineon hat die Hoffnung auf eine rasche Erholung seiner Tochter Qimonda aufgegeben. Der Halbleiterkonzern wertet seinen Quimonda-Anteil um eine Milliarde Euro ab. Bei dem Speicherchiphersteller arbeitet man indes fieberhaft am Turnaround.

München - Qimonda  verzeichnete allein im vergangenen Quartal einen Verlust von 482 Millionen Euro verzeichnet, wie das Unternehmen am späten Montagabend mitteilte. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres, das im Oktober begann, beläuft sich der Fehlbetrag der Tochter auf 1,08 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich der Quartalsumsatz auf 412 Millionen Euro mehr als halbiert.

Die Infineon-Spitze habe sich am Montag darauf verständigt, den Anteil von rund 77,5 Prozent an Qimonda aus der Kernbilanz von Infineon zu nehmen und künftig als "nicht-fortgeführtes Geschäft" zu deklarieren, teilte das Unternehmen mit. Folglich müsse Infineon  seine Qimonda-Aktien für das vergangene Quartal um insgesamt eine Milliarde Euro abwerten, was den Konzern tief in die Verlustzone reißen wird.

Noch zum Jahreswechsel hatte die Mutter die Papiere mit je rund zwölf Dollar in den Büchern stehen. An der New Yorker Börse waren die Qimonda-Titel zuletzt nur noch 3,63 Dollar wert. Die gebeutelte Qimonda verschärft unterdessen ihren Sparkurs. Das Unternehmen werde jährlich seine Kosten um 180 Millionen Euro senken und streiche dafür weltweit jeden zehnten Arbeitsplatz, sagte Firmenchef Kin Wah Loh in einer Telefonkonferenz. Zudem fahre Qimonda die erst Anfang Januar wieder aufgenommene Entwicklung von Flash-Speicherchips - wie sie etwa in Digitalkameras und Handys eingesetzt werden - auf eine Grundlagenforschung zurück.

Die Konkurrenz macht es Qimonda schwer

Die nicht einmal vier Monate alte Entwicklungskooperation mit der Taiwaner Macronix werde gekündigt, sagte Loh. Am Markt für die hauptsächlich in Computern eingesetzten DRAM-Speicher erkennt Qimonda-Vorstand Thomas Seifert sieht indes erste Hoffnungszeichen. "Die Preise für DRAM-Chips stabilisieren sich etwas, es gibt sogar einen leichten Aufwärtstrend", sagte er. Loh erwartet eine leichte Markterholung in der zweiten Jahreshälfte.

Die Konkurrenz macht es Qimonda allerdings immer schwerer. Die beiden Branchengrößen Micron und Nanya kündigten am Montag an, eine Gemeinschaftsfirma für DRAM-Speicherchips zu gründen. Das Joint Venture Inotera von Qimonda und Nanya will nicht auf die von den Münchenern entwickelte Technologie "Buried Wordline" umsteigen, die effizientere Chipstrukturen und geringeren Stromverbrauch verspricht. Qimonda verhandele derzeit mit Nanya, ob einer der Partner den Anteil des anderen von jeweils knapp 36 Prozent übernimmt, sagte Loh. Qimonda habe die neue Technologie allerdings bereits an den Taiwaner Chipproduzenten Winbond lizenziert. Es gebe auch schon Gespräche mit anderen Interessenten.

An der Börse dürfte Infineon am Dienstag nach den Qimonda-Zahlen schwach starten. Im Geschäft des Handelshauses Lang & Schwarz lagen die Papiere des Münchener Chipkonzerns 3,3 Prozent unter ihrem Vortagesschluss von 5,02 Euro. Analysten hatten mit einem deutlicher reduzierten Minus gerechnet. "Die Qimonda-Zahlen sind extrem schlecht ausgefallen, der Ausblick ist düster und die Abschreibungen für Infineon riesig", sagte ein Händler

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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