Open Mac Billigkopie von Apples Mac

Apples Betriebssystem Mac OS X auf einem anderen Rechner als einem Mac? Bisher aus rechtlichen Gründen unvorstellbar. Nun begibt sich eine US-Firma mit ihrem Nachbau auf dünnes Eis. Der Open Mac genannte Computer ist nicht nur billiger, sondern auch besser ausgestattet als Apples Mac Mini. Der Ärger ist vorprogrammiert.

Hamburg - Das Angebot klingt verlockend: Für exakt 399 Dollar sollen Käufer einen voll funktionsfähigen, nagelneuen Mac-kompatiblen Rechner bekommen, der auch noch schneller arbeitet und besser ausgestattet ist als Apples günstigster Einstiegsrechner, der 599 Dollar teure Mac Mini. Die amerikanische Psystar Corporation  bietet die verlockende Offerte an - und läuft damit Gefahr, sich mit Apples Rechtsabteilung anzulegen.

Denn Mac-kompatible Rechner, die nicht aus dem Hause Apple stammen, soll es eigentlich gar nicht geben. So schreibt es zumindest die sogenannte EULA (End User License Agreement) vor, die Endbenutzerlizenz für Apples Betriebssystem Mac OS X. In diesem Dokument findet sich der Passus, dass Apple  es nicht gestattet, "den Boot-ROM-Code und die Firmware" seiner Rechner "zu kopieren, zu modifizieren oder erneut zu verteilen". Offizielle Lizenzen zum Bau von Mac-Klonen vergibt das Unternehmen seit der Rückkehr von Steve Jobs auf den Chefposten im Jahr 1997 nicht mehr.

Mac OS X nicht automatisch vorinstalliert

Dabei wäre der von Psystar als "Open Mac" bezeichnete Rechner eine durchaus attraktive Alternative zu original Apple-Hardware. In der Grundausstattung wird der Klon mit einem 2,2 Gigahertz schnellen Intel Core-2-Duo-Prozessor, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, einer 250-Gigabyte-Festplatte, DVD-Brenner und integrierter Grafikkarte ausgeliefert. Damit ist er deutlich besser ausgestattet als Apples kleiner Mac Mini. Der muss sich in der billigsten Version mit 1,83 Gigahertz und einer langsamen 80-Gigabyte-Notebook-Festplatte begnügen.

Allerdings wird der Mac mit vorinstalliertem Mac OS X 10.5 ausgeliefert, während Psystars Open Mac in der Standardausführung ohne Betriebssystem daherkommt. Wer Mac OS X mitbestellt, muss 155 Dollar Aufpreis zahlen - womit der Preisvorsprung gegenüber dem Original deutlich schrumpft.

Ohnehin ist die Aufpreisliste lang. Wählt man alle Aufrüstmöglichkeiten aus, landet man bei einem Gesamtpreis, der mehr als doppelt so hoch liegt wie der angepriesene Betrag: 1045 Dollar. Ein Vergleich mit Original-Macs fällt schwer. Einzig ein iMac käme hinsichtlich Leistung und Ausstattung auf ein ähnliches Niveau, würde dann deutlich über 2000 Dollar kosten, hätte aber beispielsweise auch W-Lan, Bluetooth und vor allem einen 24-Zoll-Flachbildschirm an Bord. Dennoch ist klar: Der Open Mac ist ein Schnäppchen.

Keine Chance gegen Apple?

Keine Chance gegen Apples Rechtsabteilung?

Wie lange es dieses Schnäppchen geben wird, ist allerdings eine Frage, mit der sich bald Anwälte und Richter beschäftigen dürften. Würde Psystar sich darauf beschränken, nur die nackten Rechner anzubieten, wäre das Unternehmen wohl auf der sicheren Seite. Da der Open Mac allerdings optional auch mit vorinstalliertem Mac OS X angeboten wird, begibt sich die Psystar Corporation auf sehr dünnes Eis.

Denn dass Apples Betriebssystem überhaupt auf der PC-Hardware läuft, ist dem sogenannten OSX86-Projekt  zu verdanken, einem losen Zusammenschluss verschiedener Hacker. Die haben es durch Softwaretricks geschafft, dem Apple-Betriebssystem auf PC-Hardware einen echten Mac vorzugaukeln. Das funktionierte freilich bislang nur durch Manipulationen an der sogenannten Firmware - was laut EULA verboten ist.

Nun soll es gelungen sein, Mac OS X auf Windows-PCs zum laufen zu bringen, ohne Apples Originalsoftware zu verwenden: Die Hacker sprechen von einer Emulationssoftware, die diesen Part übernimmt. Ob Apples Rechtsabteilung dieser Sichtweise folgt, ist bislang noch unklar.

Apple schweigt beharrlich

Doch der Name Open Mac wird wohl kaum Bestand haben - selbst wenn der Trick gelungen sein sollte und das Betriebssystem tatsächlich ohne Modifikationen, die der EULA widersprechen, auf dem Psystar-Computer läuft. Zumindest gegen den Open Mac wird Apples Rechtsabteilung mit Sicherheit vorgehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple  wegen Namensähnlichkeiten vor Gericht zieht. Bis jetzt schweigt das Unternehmen aber in Bezug auf das Thema.

Klar ist aber auch, dass es etliche Firmen gibt, die jetzt gespannt gen Miami blicken. Auch in Deutschland gibt es mindestens ein Unternehmen, das bereits jetzt in der Lage wäre, Apple-Klone samt Mac OS X zu verkaufen. Bislang aber hat es kein Anbieter gewagt, solche Computer aktiv zu bewerben. Zu groß war die Angst, Apple könnte derartige Versuche sogleich mit der großen Paragrafenkeule niedermachen.

Denn wie ernst es der Firma damit ist, Nachbauten zu verhindern, hatte Apple-Vize Phil Schiller schon kurz nach der Vorstellung der ersten Intel-Macs klargestellt, als er sagte: " Wir werden es nicht erlauben, dass Mac OS X auf irgendeiner anderen Hardware läuft als auf Apple-Macs ." Psystar segelt stürmischen Zeiten entgegen.

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