Freenet Debitel-Deal vor Abschluss

Die Übernahme des Mobilfunkanbieters Debitel durch den Rivalen Freenet steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Der Debitel-Betriebsrat befürchtet Standortschließungen und Entlassungen. manager-magazin.de hatte exklusiv über die Streichpläne berichtet.

Bonn - Die Kaufverträge könnten bald unterschrieben werden, verlautete am Freitag aus dem Umfeld der Unternehmen. Die kreditgebenden Banken von Debitel, das vom Finanzinvestor Permira kontrolliert wird, hätten der Transaktion bereits zugestimmt.

Der Transaktionswert soll laut Informationen von manager-magazin.de bei 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro liegen. Falls das Geschäft zustande kommt, würde Permira Freenet  ein Verkäuferdarlehen gewähren und im Gegenzug rund 24 Prozent am neuen Unternehmen erhalten.

Offen ist noch die Zustimmung der Aufsichtsräte, die in der kommenden Woche erfolgen könnte. Die Fusion der beiden größten Zwischenhändler von Handy-Verträgen könnte noch auf Widerstände der Kartellbehörden stoßen.

"Verhandlungen sehr weit fortgeschritten"

Die Geschäftsleitung habe den Betriebsräten bestätigt, dass "sich die Verhandlungen in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium befinden", teilte der Debitel-Gesamtbetriebsrat am Freitag mit. Die beteiligten Unternehmen betonten, die Gespräche liefen weiter. Zum Stand der Verhandlungen machten sie wie auch Permira keine Angaben.

Der Betriebsrat von Debitel befürchtet, dass es bei einem Zusammenschluss zu "weiteren Standortschließungen" kommen könnte. Nach Informationen von manager-magazin.de will Freenet bei einer Übernahme des Konkurrenten eine große Zahl von Filialen schließen. In vielen großen Städten sind die Filialen der Anbieter nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Die Übernahme läuft bei Freenet unter dem Codewort "Fun Fair".

"Akute Bedrohung von Arbeitsplätzen"

Arbeitsplätze: Betriebsrat sieht "akute Bedrohung"

"Eine Übernahme wird aus unserer Sicht mit dem ganz klaren Ziel der Hebung von Synergieeffekten verfolgt", sagte der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats, Carsten Hügin, laut Mitteilung. "Dies könnte eine akute Bedrohung von Arbeitsplätzen und Standorten bedeuten."

Durch den Zusammenschluss würde der drittgrößte Mobilfunk-Anbieter mit rund 19 Millionen Kunden nach T-Mobile und Vodafone D2 entstehen. Die Debitel-Gruppe kam mit zuletzt 3700 Mitarbeitern im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Die Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone D2, E- Plus und O2 stünden dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber, hieß es in Branchenkreisen. Debitel und Freenet greifen für ihre Dienste auf deren Netze zurück.

Parallel zur Übernahme von Debitel arbeitet Freenet-Chef Eckhard Spoerr an einem Verkauf der Portal- und DSL-Sparte der im TecDax  notierten Gesellschaft. Die Unterlagen für die Veräußerung sollen bis Anfang Mai verschickt werden.

Die ebenfalls im TecDax notierte United Internet (UI) hatte mehrfach Interesse an einer Freenet-Übernahme geäußert und dafür 12,80 Euro je Freenet-Aktie in Aussicht gestellt - allerdings will United Internet Freenet ohne Debitel. UI-Chef Ralph Dommermuth hatte Freenet-Chef Eckhard Spoerr davor gewarnt, die Pläne zum Kauf von Debitel voranzutreiben.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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