Notfallsysteme Virtueller Verbandskasten

Wenn der Rechner streikt, dann ist es für die Datensicherung oft schon zu spät. Daher empfehlen Experten die Installation eines virtuellen Notfallkoffers. Dieser kann hängen gebliebene Computer wiederbeleben und den Festplatteninhalt rechtzeitig sichern.

München - Ob im Job oder privat: Ohne Computer ist das Leben für viele Menschen kaum noch denkbar. Streikt der Rechner, geraten Prozessor und Alltag gehörig außer Takt. Abhilfe leisten sogenannte Live-Systeme, mit denen bootunwillige Computer wiederbelebt werden können. Liegt kein Hardwarefehler vor, ist die Sicherung der eigenen Daten möglich. Versagen die Reparaturwerkzeuge, muss im schlimmsten Fall das Betriebssystem neu installiert werden.

Für die Vorsorge greift der bedachte Benutzer auf spezielle Softwaretools wie Bart PE oder Winbuilder zurück, die im Internet frei verfügbar sind: "Diese Werkzeuge helfen einem dabei, ein Live-System zu erstellen", sagt Softwareexperte Christian Löbering von der Zeitschrift "PC Welt". Damit ist das Notfallpaket schnell geschnürt - entweder auf CD, DVD oder USB-Stick.

Die letzte Entscheidung, welche zusätzlichen Tools in den virtuellen Verbandskasten kommen, liegt aber beim Anwender. Zu empfehlen ist die Erweiterung allemal. Denn wessen PC streikt, der wird schnell Angst um seine Daten haben. Ein Backuptool sollte ebenso wie ein Netzwerktreiber auf den Notfalldatenträger gespielt werden. Dann können immerhin die bedrohten Daten auf einem anderen Rechner abgelegt werden, selbst wenn die Fehlerbehebung scheitern sollte.

Ein Softwaretool zur Partitionierung der Festplatte ist laut Löbering dann sinnvoll, wenn eine Partition defekt sei und repariert oder neu erstellt werden müsse. Um sich die Möglichkeit offenzuhalten, etwaig benötigte weitere Werkzeuge herunterzuladen, gehöre auch ein Browser zum Notfallpaket ebenso wie ein Virenscanner.

Ist der PC von einem Virus befallen, sei es oft die bessere Lösung, die Daten zu retten, die Festplatte zu formatieren und sämtliche Software neu aufzuspielen, betont Löbering.

Es gibt aber auch Komplettpakete auf Linux-Basis, etwa Knoppix oder Ubuntu. Dem Anwender wird bei dieser Variante der kreative Schritt des Zusammenstellens erspart: "Runterbrennen und fertig", sagt Löbering. Benötigt werden jedoch spezielle Kenntnisse: "Wenn man noch keine Linux-Erfahrungen hat, dann ist das vor allem für die Datenrettung nicht das Richtige."

CDs wecken auch ältere Rechner

CDs wecken auch ältere Rechner

Um den PC wieder flott zu machen, müsse das Live-System generell NTFS-Partitionen, in seltenen Fällen auch FAT-Partitionen ansprechen, also auf der Festplatte lesen und schreiben können. "Das ist das A und O, sonst kann man überhaupt keine Dateien retten oder das System in irgendeiner Art beeinflussen", warnt der Experte. Während Windows-Tools diese Funktion meist integriert haben, müssten bei Linux Treiber für NTFS, das Dateisystem aller aktuellen Windows-Plattformen, manchmal nachgerüstet werden. Der Grund: Die gängigen Linux-Live-Systeme sind nicht in erster Linie für den Notfall, sondern als portables Mini-Betriebssystem geschaffen.

Wer seinem Rechner den Rettungsring zuwerfen will, sollte jedoch darauf achten, dass zur Bearbeitung der "Registry" ein spezieller Editor mit eingebunden wird. Denn oft sind Fehler in der für den Windows-Betrieb elementaren Datenbank Grund für den PC-Tiefschlaf. Ebenso wenn Systemdateien beschädigt sind, besteht für deren Reparatur keine andere Wahl, als von einem Alternativsystem zu starten.

Vor einer weiteren Entscheidung steht der Anwender beim Datenträger: Wer sein Live-System auf eine CD bannt, geht sicher, dass der havarierte Rechner in jedem Fall hochfährt. Denn "ältere Rechner booten oft nicht von einem Stick, aber von CD", sagt Löbering. Ein USB-Stick dagegen kann ohne weiteres beschrieben werden und sei daher flexibler, wenn es etwa darum gehen, die Virensignatur auf dem neuesten Stand zu halten. "Alles was kein Hardwarefehler ist, kann behoben werden", sagt Löbering.

Sollte der Grund für den Rechnerstreik aber tatsächlich ein Defekt an der Festplatte oder generell physikalischer Natur sein, dann könne auch das beste Live-System nicht mehr helfen. Sein Tipp: Die Daten regelmäßig auf einem zweiten Datenträger sichern. Für Apple-Nutzer gibt es laut Löbering mit "BootCD" nur eine praktikable Lösung. Aber wer das ins aktuelle Leopard-Betriebssystem integrierte System zur Datensicherung "Time Machine" nutzt, ist in Sachen Backup ebenfalls auf der sicheren Seite.

Stefan Robert Weißenborn, dpa

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