Palm Centro Das Anti-iPhone

Wer sich ein Palm Centro kauft, muss auf vieles verzichten: Das Smartphone hat kein UMTS, der Bildschirm ist vergleichsweise winzig und das Gehäuse aus schlichtem Plastik. Dennoch ist das Gerät in den USA ein veritabler Verkaufshit. Jetzt ist der Centro auch in Deutschland zu bekommen.

Hamburg - Der Centro soll kein iPhone-Killer sein, das stellte Palm-Chef Ed Colligan gleich bei der Vorstellung des Mini-Smartphones klar. Stattdessen sollte das Gerät den Markt für Mobiltelefone mit ausgeprägten Termin- und Addressverwaltungsfunktionen von unten aufrollen: Mit einem Preis von 99 Dollar bei gleichzeitigem Abschluss eines Mobilfunkvertrags. Die Mission scheint geglückt. Seit Oktober 2007 konnte der Hersteller eine Million Exemplare absetzen.

Damit wird der Centro, den es seit Kurzem auch in Deutschland zu kaufen gibt, zum Hoffnungsträger des einstigen PDA-Marktführers. Das ambitioniert angekündigte Mini-Notebook Foleo kam nie auf den Markt, der Umbau des Palm-Betriebssystems auf eine moderne Linux-Basis wird sich vermutlich noch Monate hinziehen. Während also echte Innovationen fehlen, findet der einstige Innovator seine neue Nische ausgerechnet im Billigsegment.

Doch der Einstieg ist gelungen. Verglichen mit Palms Treo 680 etwa hat er rundum abgespeckt, liegt angenehm leicht in der Hand. Damit fehlt ihm erfreulicherweise das beherrschende Merkmal der meisten aktuellen Smartphones, nämlich Größe. Um eine Volltastatur unterbringen zu können, gehen die meisten Smartphones ordentlich in die Breite. Die Hersteller nutzen den so zwangsweise entstehenden Platz meist, um die Tastatur mit einem entsprechen groß dimensionierten Display zu kontern. Nicht so Palm.

Keine Angst vor der Mini-Tastatur

Denn der Centro ist klein, viel kleiner als beispielsweise ein Nokia E61 oder ein Blackberry Curve. Das gilt allerdings auch für den Bildschirm. Doch die Abmagerungskur ist dem Display gut bekommen. Es ist deutlich heller und kontrastreicher als Bildschirme der älteren Modelle. Die Auflösung freilich ist mit 320 mal 320 Bildpunkten dieselbe geblieben.

Das gilt auch für das Betriebssystem: Während die Mehrzahl der aktuellen Palm-Smartphones mit Windows Mobile arbeitet, werkelt im Palm Centro OS 5.4. Dem fehlen zwar etliche moderne Funktionen wie etwa Multitasking, also die gleichzeitige Ausführbarkeit mehrerer Programme, dafür ist es extrem einfach zu bedienen und logisch aufgebaut, sodass sich auch Palm-Neulinge darauf schnell zurechtfinden.

Und überhaupt: Die Bedienung. Grundsätzlich wird der Centro wie jeder Palm per Stift bedient. Alternativ lassen sich fast alle Funktionen aber auch per Tastendruck aufrufen. So kann man ihn bequem auch einhändig bedienen. Vor den winzigen Tasten zumindest braucht man sich nicht zu fürchten. Sie reagieren spontan und mit klarem Druckpunkt. E-Mail- und SMS lassen sich damit leichter und schneller tippen als auf den bei anderen Handys üblichen Ziffernblöcken. Auf eine Texteingabehilfe à la T9 muss man allerdings verzichten - was durchaus kein Nachteil sein muss.

Browser ohne Alternativen

Ambitionierter Browser ohne Alternativen

Die Kommunikationsfähigkeiten des Centro beschränken sich auf das Notwendige: Telefonate sind dank Quadband-Technologie in allen GSM-Netzen der Welt möglich. Für den mobilen Datenaustausch sind allerdings nur das betagte GPRS und der vornehmlich durch das iPhone bekannt gewordene Edge-Standard an Bord. UMTS, HSDPA oder gar W-Lan sucht der Datenreisende vergeblich.

Aber als Surfmaschine eignet sich der kleine Palm ohnehin nur eingeschränkt. Zwar arbeitet der vorinstallierte Browser recht flink und bemüht sich auf Wunsch auch, größere Webseiten an sein Displayformat anzupassen. Ob der geringen Bildschirmauflösung ein ehrenvolles aber meist fruchtloses Unterfangen. Echte Alternativbrowser gibt es leider nicht. Opera Mini, das sich bisher bestens für Palm-Smartphones anbot, lässt sich leider nicht installieren, denn Opera benötigt Java als Grundlage. Und die Lizenz zum Vertrieb der einzigen Java-Plattform für das Palm OS hat Palm Anfang des Jahres verloren.

Gut, dass wenigstens die E-Mail-Software kaum Wünsche offen lässt. Das Programm gehört seit Jahren zur Palm-Grundausstattung, kann sowohl via POP als auch per IMAP elektronische Post abholen und versenden. Auch die Verwaltung mehrerer E-Mail-Konten stellt kein Problem dar.

Mit PC-Anbindung

Problemlos funktioniert der Datenabgleich mit Mac oder PC. Mitgeliefert wird Palms hauseigene Organizersoftware. Alternativ lässt sich der Centro aber auch am PC mit Outlook oder am Mac mit iSync verbinden. Unterwegs neue Adressen oder Termine einzutragen geht leicht von der Hand und kann auch einhändig noch bewerkstelligt werden.

Schwächen leistet sich Palms Smartphone dagegen in der Multimediaabteilung. So ist der vorinstallierte MP3-Player nur in Verbindung mit einem Adapterstecker nutzbar, den man für knapp zehn Euro extra erwerben muss. Von der Idee, Videos auf dem kleinen Display zu betrachten, sollte man zum Wohle seiner Augen lieber Abstand nehmen. Die integrierte 1,3-Megapixel-Kamera dient bestenfalls für optische Notizen.

Schwer wiegen diese Mankos aber nicht. Schließlich leiden mit dem Centro auch etliche andere Smartphones unter ähnlichen Multimediadefiziten, sind dabei aber meist deutlich teurer. Der Centro hingegen ist als Smartphone ein Schnäppchen.

Bestellt man ihn in Palms Onlineshop, werden dafür inklusive Transportkosten 312,42 Euro fällig. Aber das muss man glücklicherweise nicht tun. Denn im Fachhandel und bei Media Markt ist der Mini-Palm schon ab einem Preis von einem Euro erhältlich - wenn man gleichzeitig einen Mobilfunkvertrag mit Datenflatrate von Debitel abschließt.

Die kostet mit 200 Megabyte Inklusivvolumen ab 30 Euro pro Monat und setzt auf T-Mobiles Web-'n-Walk-Tarifen auf. Und das macht durchaus Sinn. Denn nur im Edge-Netz von T-Mobile kann der Centro mit seiner persönlichen Höchstgeschwindigkeit surfen und mailen. Und zumindest was die Surfgeschwindigkeit angeht, liegt der Centro Kopf an Kopf mit dem iPhone, dessen Killer er nicht sein soll - und nicht ist.

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