Übernahmepoker Yahoo flirtet mit Google, Microsoft mit Murdoch

Um die feindliche Übernahme durch Microsoft abzuwehren, greift Yahoo zu ungewöhnlichen Mitteln. Eine Werbekooperation mit Erzfeind Google soll den Konzern abschrecken, daneben werden die Verhandlungen mit der AOL-Mutter Time Warner zunehmend konkreter. Doch auch Microsoft ist nicht untätig und holt sich prominente Unterstützung.

San Francisco - Der Internetdienstleister Yahoo  stellt dem Suchmaschinenbetreiber Google  einen Teil seiner Werbeflächen zur Verfügung. Yahoo sprach am Mittwoch von einem Test, der zwei Wochen dauern soll. Der Beginn der Aktion wurde nicht bekannt gegeben.

Der Test soll sich auf einen kleinen Teil der Suchanzeigen auf der US-Website von Yahoo beschränken. Maximal 3 Prozent aller Suchanfragen seien in den Versuch einbezogen. Beide Seiten wollen damit das Geschäftspotenzial einer umfassenderen Auslagerung der suchbasierten Werbeanzeigen von Yahoo zu Google abschätzen. Googles Netzwerk und Technologie hinter den Werbeanzeigen bringt bisher höhere Umsätze als bei Wettbewerbern wie Yahoo und Microsoft .

Eine enge Kooperation mit Google könnte Yahoo bei der Abwehr einer unerwünschten Übernahme durch Microsoft helfen. Der Softwarekonzern will mit dem Kauf die bereits bestehende Dominanz von Google bei Internetsuche und Onlinewerbung brechen.

Yahoo verhandelt mit Time Warner

Microsoft hatte Yahoo erst vor wenigen Tagen ein Ultimatum für eine gütliche Einigung noch im April gestellt. Andernfalls drohe eine feindliche Übernahme zu einem niedrigeren als dem bisher gebotenen Preis. Yahoo lehnte daraufhin die Offerte von ursprünglich knapp 45 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro) erneut als zu niedrig ab.

Der Vorstand verhandelt lieber mit dem Medienkonzern Time Warner, um mit einer neuen Allianz dem Zusammenschluss mit Microsoft zu entgegen. Dem "Wall Street Journal" zufolge will Time Warner das Contentgeschäft von AOL an Yahoo abgeben und dafür 20 Prozent des Unternehmens erhalten. Gleichzeitig werde Yahoo eigene Aktien zurückkaufen.

Microsoft kritisierte die geplante Kooperation zwischen den beiden Internetkonzernen scharf. Der Softwarekonzern warnte in einer Stellungnahme, eine dauerhafte Zusammenarbeit der beiden Unternehmen brächte Google bei Suchanzeigen einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Eine solches Abkommen würde den Wettbewerb daher dramatisch einschränken. Im Gegensatz dazu würde die angestrebte Übernahme von Yahoo durch Microsoft für mehr Wettbewerb sorgen, betonte der Softwarekonzern erneut. Microsoft werde nun alle seine Optionen genau prüfen.

Der "New York Times" und Murdochs "Wall Street Journal" zufolge verhandelt Microsoft bereits mit News Corp.  über ein gemeinsames Gebot für den Internetkonzern Yahoo. Die Gespräche seien in einem "heiklen Stadium", sagten mit dem Vorgang vertraute Personen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

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