Freenet Drillisch ist wieder da

Ende der Funkstille: Freenet verhandelt nun doch wieder mit Drillisch und United Internet über eine Aufspaltung des Unternehmens - der Aktienkurs schoss daraufhin um 9 Prozent nach oben. Parallel dazu interessiert sich Freenet allerdings noch immer lebhaft für den doppelt so großen Konkurrenten Debitel.

Frankfurt am Main - Das Gerangel um die Zukunft des Telekommunikationsanbieters Freenet  geht in eine neue Runde. Die Norddeutschen fahren, wie manager magazin bereits vorab berichtete, nun doppelgleisig: Neben den Verhandlungen mit dem Finanzinvestor Permira über den Erwerb der Debitel-Gruppe spricht Freenet-Chef Eckard Spoerr nun auch wieder mit den Konkurrenten Drillisch  und United Internet .

Wie Freenet in der Nacht zum Freitag mitteilte, werden die Ende vergangenen Jahres abgebrochenen Verhandlungen mit Drillisch und United Internet wieder aufgenommen. Freenet habe sich dazu entschieden, die Einladung zu Gesprächen über eine strategische Kooperation anzunehmen. Seitens des Providers United Internet hieß es, man sei nach wie vor am Erwerb des Internet- und Festnetzgeschäfts und Drillisch am Kauf des Mobilfunkgeschäfts von Freenet interessiert. Freenet werde damit "eine Alternative zu einem möglichen Erwerb der Debitel AG eröffnet".

Drillisch machte in einer Mitteilung deutlich, dass zu den Optionen auch eine Übernahme von Freenet durch die gemeinsam mit United Internet gehaltene MSP Holding GmbH gehören könnte. Die Verhandlungen sollten möglichst innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen werden. Drillisch hält zusammen mit United Internet über die MSP Holding 25,24 Prozent des Freenet-Grundkapitals. Die Firmen verfügen damit über eine Sperrminorität und können wichtige Entscheidungen blockieren.

Unterdessen will der umworbene Freenet-Konzern seine Ende März angekündigte Übernahme des doppelt so großen Konkurrenten Debitel weiter verfolgen. Die Verhandlungen mit dem Finanzinvestor Permira, der Debitel kontrolliert, würden fortgeführt, teilte der Mobilfunkanbieter mit. Finanzieren könnte Freenet die Transaktion, indem sie sich von der Sparte Breitbandanschlüsse (DSL) und Internetportale trennt. Bei einer Übernahme von Debitel würde sich Freenet auf Position drei im deutschen Mobilfunkmarkt hinter T-Mobile und Vodafone  katapultieren. Debitel und Freenet kommen zusammen auf rund 20 Millionen Kunden, davon hat Debitel allein 14 Millionen.

Strategische Positionierung

Zu United Internet gehören unter anderem die Marken Gmx, Web.de sowie 1&1 Internet. Ende vergangenen Jahres teilte das Unternehmen aus Montabaur mit, dass es mit dem Ausbau der mittelbaren Freenet-Beteiligung eine strategische Positionierung im Rahmen der erwarteten Konsolidierung des deutschen DSL-Marktes verfolgt.

Der zuvor zweitgrößte Aktionär von Freenet, die Beteiligungsgesellschaft Vatas Holding, hatte Anfang der Woche mitgeteilt, dass sie ihre Anteile vollständig abgegeben hat. Gleichzeitig verfügt Vatas jedoch über Finanzinstrumente, die sie zum Erwerb von 25,20 Prozent der Stimmrechte von Freenet am 20. Juni berechtigen. Nach dem Ausstieg von Vatas hatte die Credit Suisse ein Aktienpaket von 16,52 Prozent an Freenet übernommen.

Im TecDax  schossen die Aktien von Freenet nach dem Bekanntwerden der Gespräche am heutigen Freitag um rund 9 Prozent nach oben. Börsianer vermuten, dass eine Aufspaltung von Freenet zusätzliche Synergien freisetzen könnte. Auch die Aktien von United Internet stiegen um 0,6 Prozent. Drillisch, die in keinem Index vertreten sind, gewannen 6,5 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

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