Microsoft Immer Ärger mit Vista

Über ein Jahr nach dem Start von Windows Vista klagen Anwender noch immer über fehlerhafte Treibersoftware und manipulierte Systemvoraussetzungen. Auch das erste Update verspricht wenig Besserung. Selbst die PC-Hersteller besinnen sich wieder auf das gute alte Windows XP.

Hamburg - Es sollte das beste Windows aller Zeiten werden. Doch bisher bereitet Windows Vista Microsoft  mehr Ärger als Freude.

Zwar konnte man zum einjährigen Jubiläum ansehnliche Verkaufszahlen präsentieren - insgesamt gingen 130 Millionen Kopien über die Ladentheken - doch um den Ruf des Vorzeige-Windows steht es trotzdem nicht zum Besten. Firmen zieren sich, das System einzuführen, Privatanwender hadern ob der hohen Hardwarehürden und berichten über anhaltende Treiberprobleme.

Die zu lösen, scheint für manchen Hardwarehersteller keine leichte Sache zu sein. Darüber beklagen sich zumindest die Kunden der auf Soundkarten spezialisierten US-Firma Creative. "Seit einem Jahr verkauft Creative schlecht funktionierende Treiber ihrer Soundkarten für Vista", schreibt beispielsweise Leser Christian Staudte in einer E-Mail.

Eine Meinung, mit der er nicht allein dasteht. Obwohl die Soundkarten als "Vista Ready" bezeichnet werden, fehlen ihnen unter Vista essentielle Funktionen wie etwa die Wiedergabe von Audio DVDs oder von Dolby Digital Sound bei Video-DVDs. Dinge, die unter Windows XP prima klappen.

Gut für die Anwender dieser Soundkarten, dass sich der freie Programmierer Daniel_k die Mühe machte, Creatives' Treibersoftware zu verbessern. Mit seinen modifizierten Treibern, so berichten Anwender, laufen die Karten problemlos und liefern auch unter Vista alle Funktionen, die schon mit Windows XP funktionierten. Daniel_k veröffentlichte einen Link zum Download der verbesserten Software im Forum des Herstellers.

Ist Nvidia schuld?

Creative schießt quer

Eine tolle Sache, nur nicht für Creative. Statt dem Programmierer für seine Mühe zu danken, feuerte der Konzern einen fetten Warnschuss ab. Im Prinzip habe man damit keine Probleme , solange den Anwendern klar sei, dass Creative für diese Treiber keine Hilfestellung geben könne. Womit man jedoch ein Problem habe, sei, "wenn Technologie oder intellektuelles Eigentum von Creative oder von Firmen von denen Creative es lizenziert hat, dazu gebracht werden, auf anderen Produkten zu laufen als auf jenen, für die sie gedacht waren".

Im weiteren Verlauf der Stellungnahme wird Daniel_k aufgefordert, sofort damit aufzuhören, die modifizierten Treiber zu verteilen, was er auch sofort tat. Allerdings machte er keinen Hehl daraus, dass er mit Creatives Entscheidung alles andere als einverstanden ist. In einer Antwort formulierte er verwundert, dass es schon ulkig sei, dass Creative "schneller dabei ist, seine Technologie und sein intellektuelles Eigentum zu 'schützen', als verbesserte Software und Treiber für seine Kunden zu liefern".

Dieser Meinung schlossen sich etliche Forumsteilnehmer an. Mittlerweile ist die Diskussion auf über 2300 Beiträge angeschwollen.

Ist Nvidia schuld?

Doch Creative ist nicht die einzige Firma, die Probleme mit ihren Vista-Treibern hat. Viel schlimmer scheint es um die Software des Grafikkartenherstellers Nvidia  zu stehen. Das zumindest geht aus einem Dokument hervor, das durch ein Gerichtsverfahren gegen Microsoft  ans Licht der Öffentlichkeit gespült wurde. Das als PDF veröffentlichte 158-seitige Dokument , in dem E-Mails verschiedener mit Vista befasster Microsoft-Manager zusammengefasst sind, enthält unter anderem eine Auflistung der im Jahr 2007 von Vista-Installationen ans Microsoft-Hauptquartier gemeldeten Ursachen für Systemabstürze.

Unangefochtener Spitzerreiter in dieser Top Ten des Schreckens ist Nvidia. Mehr als ein Viertel aller Abstürze gehen auf das Konto der Grafikkartentreiber. Entlastend muss man allerdings darauf hinweisen, dass Nvidia zum Vista-Verkaufsstart noch keine fertigen Treiber anbieten konnte. Erst im Laufe des Jahres erschienen Versionen, die der Hersteller als stabil bezeichnete.

Dennoch scheinen Treiberprobleme massiv zu Vistas schlechtem Ruf beizutragen. So folgen in Microsofts Absturzliste mit kurzem Abstand Microsoft selbst, Intel  und ATI als Verursacher von Systemstörungen.

Geschönte Anforderungen?

Geschönte Anforderungen?

Dass dieses Dokument überhaupt veröffentlicht werden musste, liegt freilich an einer anderen Schwachstelle des Betriebssystems. Etliche Vista-Nutzer schlossen sich in den USA zu einer Sammelklage zusammen. Deren Vorwurf: Microsoft  vergab das Label "Windows Vista Capable" auch an Computer, die gar nicht in der Lage waren, die als Hauptvorteile der neuen Software angepriesenen Funktionen wie die halbtransparente Aero-Oberfläche oder die integrierte Media-Center-Software zu nutzen. Stattdessen laufe auf solchen Rechnern nur das abgespeckte Vista Home Basic, dem all die hübschen Goodies fehlen.

Microsoft habe damit möglicherweise seinem langjährigen Partner Intel  entgegenkommen wollen, heißt es in Berichten. Denn seinerzeit beherrschte der Intel Chipsatz 915 die Szene der Billig-PCs und -Laptops. Der aber war nicht mit dem in Vista neu eingeführten WVDDM (Windows Vista Device Driver Model) kompatibel, einem System für den Umgang mit Treibersoftware. Deshalb konnten PCs auf Basis dieser Chips Vistas Grafik-Gimmicks nicht wiedergeben. Bislang jedoch ist diese Theorie noch nicht bestätigt.

Enttäuschung über das Mega-Update

Gut ein Jahr haben Microsofts Programmierer am ersten Mega-Update für Vista, dem Service Pack 1, gearbeitet. Monatelang wurde die Software von tausenden Freiwilligen getestet, zuerst nur in einer geschlossenen Gruppe, später dann auch öffentlich. Gebracht hat der Riesenaufwand jedoch kaum etwas, so scheint es.

Kaum wurde das Update offiziell veröffentlicht, ging das Gejammer los. Das offenbar meist geäußerte Problem: Die Software lässt sich nicht installieren, taucht gar nicht erst in Vistas Update-Funktion auf. Und das, obwohl die betroffenen Anwender sicher waren, alle Maßregeln korrekt befolgt zu haben.

Doch Microsoft selbst listet fünf mögliche Gründe  auf, weshalb sich die Software dem Zugriff entzieht. Der wichtigste davon ist die Nummer fünf: "Ein Hardwaregerätetreiber oder Gerätetreiber, mit dem ein bekanntes Kompatibilitätsproblem im Zusammenhang mit Windows Vista SP1 besteht, ist auf dem Computer installiert." Darüber, um welche Treiber es sich dabei handeln könnte, schweigt sich der Konzern freilich aus.

Doch auch wer von solchen Problemen verschont bleibt, sollte sich nicht in Sicherheit wiegen. So gibt es Berichte  über verschwundene Icons und gestörte Internetverbindungen durch das Update.

Gefahr droht von unten

Gefahr droht von unten

Anwender, die Probleme mit dem Service Pack 1 haben, stellen für Microsoft  allerdings kein ernsthaftes Problem dar. Schwerer dürfte dagegen der Trend wiegen, dem eigentlich schon für tot und begraben erklärten Windows XP lebensverlängernde Maßnahmen angedeihen zu lassen. Eigentlich nämlich wollte Microsoft den Verkauf von XP am 30. Juni 2008 einstellen.

Um dem entgegenzuwirken, hat sich im Web bereits Widerstand formiert. Auf der Webseite www.savexp.com etwa ist eine Onlinepetition ins Netz gestellt worden, die sich zum Ziel gesetzt hat, Microsoft zu längerer Treue zu Windows XP zu bewegen.

Doch solcher Mittel bedarf es möglicherweise gar nicht. Hilfe kommt vielmehr von den Hardwareherstellern. Vorreiter war Asus mit dem Lowcost-Laptop EeePC. Der ist aus Preisgründen mit so schlichter Hardware ausgestattet, dass es illusorisch wäre, darauf Vista zu installieren. Nachdem das Gerät deshalb anfangs mit Linux ausgeliefert wurde, ist auf der Cebit eine Windows-Variante angekündigt worden - natürlich mit Windows XP.

Und der EeePC ist beileibe kein Einzelfall. Etliche Hersteller sind auf den Zug aufgesprungen und versuchen, den Erfolg des EeePC mit eigenen, meist XP-basierten Billig-Rechnern zu kopieren. Ein Trend, der sich fortzusetzen scheint. Am Dienstag hat Intel  eine neue Version seines Dritte-Welt-Laptops Classmate vorgestellt - natürlich mit Windows XP.

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