Debitel Permira will an Freenet verkaufen

Der Telefondienstleister Freenet steht unmittelbar vor der Übernahme des Konkurrenten Debitel. Die Verhandlungen befinden sich nach Informationen von manager magazin kurz vor dem Abschluss. Freenet bestätigte inzwischen, dass sich das Unternehmen in Gesprächen mit dem Debitel-Besitzer Permira befindet.
Von Michael Freitag und Claus G. Schmalholz

Hamburg - Der Finanzinvestor Permira, dem Debitel gehört, ist sich mit Freenet-Chef Eckhard Spoerr bezüglich der Übernahme weitgehend einig. Dies berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die ab Freitag (28. März) am Kiosk erhältlich ist, unter Berufung auf Unternehmenskreise. Freenet  bietet demnach zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Euro.

Freenet bestätigte am Mittwochabend, dass sich das Unternehmen in Gesprächen mit dem Debitel-Besitzer Permira befindet. Sollte es zu einer Einigung kommen, will das Büdelsdorfer Unternehmen Debitel einschließlich aller Verbindlichkeiten übernehmen. Im Gegenzug sollen die Debitel-Aktionäre mit 24,9 Prozent an Freenet beteiligt werden, der Rest soll in bar gezahlt werden.

Finanzieren will Spoerr nach Informationen von manager magazin die Übernahme, indem er sich vom DSL-Geschäft trennt. Die Rivalen United Internet  und Telefonica  sind an Freenets Festnetzaktivitäten interessiert. Verhandelt wird über einen Preis zwischen 600 und 700 Millionen Euro. Der Verkauf der DSL-Sparte ist einer der Punkte, an denen die Debitel-Übernahme noch scheitern könnte. Das zweite Streitthema ist ein Verkäuferdarlehen. Spoerr verlangt, dass Permira die Übernahme per Kredit an Freenet mitfinanziert.

Permira hatte Debitel 2004 vom Schweizer Telekommunikationskonzern Swisscom  übernommen. Der Finanzinvestor wollte das Unternehmen ursprünglich an die Börse bringen.

Der Kauf von Debitel durch Freenet wäre für beide Unternehmen ein Befreiungsschlag im schwierigen Geschäft als Serviceprovider, das von sinkenden Margen und aggressiven Preisen geprägt ist. Debitel ist mit einem Umsatz von knapp drei Milliarden Euro und 13,2 Millionen Kunden Europas größter Zwischenhändler von Mobilfunkverträgen. Freenet zählt rund 5,7 Millionen Kunden.

Debitel hat vor Kurzem das Handelsunternehmen Dug übernommen, um seine Produkte über eine größere Anzahl eigener Händler verkaufen zu können. Und wie Freenet will auch Debitel in seinen Geschäften künftig nicht nur Mobilfunkverträge verkaufen, sondern auch Verträge für Stromkunden.

Freenet hofft auf Handy-TV

Die größere Marktmacht würde auch die Verhandlungsposition der Unternehmen stärken, die von den großen Netzbetreibern wie T-Mobile und Vodafone  Minutenkontingente kaufen, um sie dann unter eigenem Namen zu vertreiben. Debitel-Chef Oliver Steil, ein ehemaliger McKinsey-Manager, hatte sich ebenso wie Freenet-Chef Eckhard Spoerr wiederholt darüber beschwert, dass die großen Netzbetreiber den Providern schlechte Konditionen einräumen, mutmaßlich um ihr eigenes Geschäft zu schützen.

Fraglich bliebe dennoch, ob die verbreiterte Kundenbasis ausreicht, um das Mobilfunkgeschäft langfristig profitabel zu betreiben und weiter wachsen zu können. Kleine Anbieter wie Simyo und der Einstieg großer Handelsketten wie Aldi und Lidl in den Mobilfunkmarkt haben die Minutenpreise auf neun Cent pro Minute gedrückt.

Freenet-Chef Spoerr setzt daher auf Wachstumsimpulse durch das mobile Internet. Allerdings ist unklar, inwiefern die Kunden bereit sind, für den Internetzugang via Handy zusätzliche Gebühren zu bezahlen. Neue Anwendungen wie das vieldiskutierte Handy-TV konnten sich bislang nicht durchsetzen.

Gemeinsam gegen die Telekom?

Die Voraussetzung für dieses Szenario ist der Verkauf der DSL-Sparte von Freenet. United Internet, die Nummer zwei in diesem Markt für schnelle Internetzugänge hinter der Deutschen Telekom , ist weiter am Kauf dieser Sparte interessiert, trotz bereits geplatzter Verhandlungen. Gemeinsam mit dem Serviceprovider Drillisch erwarb United Internet im Herbst 2007 über die Holding MSP bereits rund 25 Prozent der Anteile an Freenet und verhandelte mit dem Unternehmen über einen Verkauf der Sparte. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth war allerdings nicht bereit, den von Freenet-Chef Spoerr geforderten Preis von rund 800 Millionen Euro zu bezahlen.

Eine neue Variante zur Konsolidierung des DSL-Markts brachte zuletzt Versatel-Chef Peer Knauer ins Spiel. Er schlug vor, aus den Wettbewerbern Freenet, United Internet sowie der deutschen Sparte von Telefonica  einen gemeinsamen großen DSL-Anbieter zu schmieden, um der Deutschen Telekom Paroli bieten zu können.

Spekulationen über eine bevorstehende Konsolidierung heizte am Mittwoch auch der US-Finanzinvestor Fidelity an. Das Unternehmen teilte mit, vor wenigen Tagen insgesamt 9,48 Prozent an Freenet erworben zu haben. Der Investor könnte im Auftrag eines Wettbewerbers gehandelt haben, beispielsweise von Drillisch.

Das Unternehmen bekräftigte am Mittwoch noch einmal sein Interesse an einer Konsolidierung. "Drillisch will einer der führenden Serviceprovider in Deutschland werden", hieß es bei der Vorlage der Bilanz. "Um unser Ziel zu erreichen, wollen wir auch unsere aktive Rolle bei der Konsolidierung des Marktes beibehalten." Drillisch wollte zu der Spekulation, dass der Serviceprovider hinter dem Anteilskauf von Fidelity stecken könnte, keinen Kommentar abgeben.

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