Open Social Yahoo macht mit

Yahoo tritt der von Google ins Leben gerufenen Programmierplattform OpenSocial bei, die es Nutzern erleichtern soll, Anwendungen für Community-Seiten zu entwickeln. Ein Schulterschluss gegen den Konkurrenten Facebook.

Facebook war zuerst da: Im vergangenen Frühjahr verkündeten die Besitzer des Studentennetzwerkes, dass fürderhin freie Entwickler Anwendungen für die eigene Plattform, zuweilen "Widgets" genannt, schreiben dürften. Ein Boom setzte ein: Rätselspielchen, Musikempfehlungsdienste, aufgebohrte Gästebücher - zu Tausenden wurden neue Facebook-Anwendungen geschaffen, der Wert des Netzwerkes stieg gewaltig, ohne dass die Betreiber etwas dafür tun mussten.

Im Oktober 2007 schlug Google  zurück: Mit der Plattform OpenSocial sollte das gleiche möglich werden - aber nicht nur für ein Netzwerk, sondern für viele. LinkedIn, Hi5, Friendster und Plaxo gehörten zu den Gründungsmitgliedern der Widget-Allianz. Wenige Tage später bekannte sich auch die größte Communiti der Welt, MySpace, zu OpenSocial. Nun ist auch Googles Rivale Yahoo  beigetreten.

Im Community-Markt spielte Yahoo bislang eine eher untergeordnete Rolle - abgesehen von der Hobbyfotografen-Gemeinschaft Flickr, die Yahoo im März 2005 gekauft hat. Allerdings finden sich im schier unüberschaubaren Angebot von Yahoo einige Aspekte, die durchaus Community-Charakter haben - und die könnte man von nun an mit den Erzeugnissen der freien Entwicklergemeinde aufwerten.

Parallel regten Yahoo, MySpace und Google die Gründung einer Stiftung namens OpenSocial Foundation an. Wohl in Anlehnung an andere freie Softwareprojekte wie die der Mozilla Foundation (der Mutter des Firefox-Browsers) soll die neue Stiftung eine Art zentrale aber unabhängige Einrichtung sein, die Arbeiten an dem Widget-Standard überwacht, koordiniert und vorantreibt.

Gleichzeitig soll sie den von den drei Giganten formulierten Standards zufolge eine Art Schiedsrichter sein, die zwischen den beteiligten Unternehmen und Entwicklern vermittelt. Das alles klingt sehr edel und nach dem Geist der Open-Source-Bewegung - eins sollte man dabei allerdings nicht übersehen: Es geht, wie immer, wenn sich die großen im Netz auf etwas einigen, letztlich um Geld - nämlich um die Frage, wer in Zukunft in welchen Communities wirbt und in welcher Form.

SPIEGEL ONLINE