Moralisch fragwürdig Werberat kritisiert Kampagnen

Der Deutsche Werberat hatte im vergangenen Jahr viel zu tun. Das Selbstkontrollgremium der Werbewirtschaft beanstandete 18 Prozent mehr Kampagnen als 2006, drei von ihnen wurden sogar öffentlich gerügt. Der Vorsitzende warnte seine Branchenkollegen zudem vor unseriösem Umgang mit der Bezeichnung "Öko".

Berlin - Die Zahl der Werbekampagnen, die aus Sicht des Deutschen Werberats die Grenzen des Geschmacks überschritten, ist im vergangenen Jahr um 18 Prozent gestiegen. Das Selbstkontrollgremium der Werbewirtschaft beanstandete insgesamt 82 Kampagnen, wie aus der am Dienstag vorgelegten Jahresbilanz 2007 hervorgeht. Im Vorjahr waren es 63 gewesen.

Insgesamt hatte der Werberat über 269 Fälle (2006: 229) zu entscheiden, über die Beschwerden aus der Bevölkerung eingegangen waren. In 187 Fällen (2006: 166) hielt der Rat die Kritik für unbegründet. Erneut konnte erreicht werden, dass Unternehmen ihre Werbung zurückzogen oder änderten. Bei 79 der 82 vom Rat kritisierten Fälle folgten die Firmen dem Werberatsurteil unmittelbar.

In drei Fällen kam es 2007 zur öffentlichen Rüge, weil die Unternehmen zunächst der Aufforderung des Werberats zur Korrektur der Werbung nicht folgten. Alle drei Rügen betrafen den Vorwurf der Diskriminierung von Frauen. So bewarb beispielsweise ein Münchener Erotikunternehmen ein DVD-Angebot auf Schaufensterplakaten, das ein weibliches Gesäß mit einem Brandmal und hochgereckten Beinen zeigte. Quer über das Plakat war ein rauchendes Brenneisen abgebildet. Und ein Möbelhändler warb mit einer Printanzeige, die ein weibliches Model zeigte, deren Rock im Genitalbereich ausgeschnitten war und ihren Schambereich zeigte. Die Worte dazu waren: "Wenn etwas fehlt".

"Umweltargumente müssen nachvollziehbar sein"

Der Vorsitzende des Deutschen Werberates, Hans-Henning Wiegmann, sprach von einer weiterhin eher geringen Zahl von Beschwerden. Dies sei ein Beleg dafür, dass sich die Werbewirtschaft an die ethischen Regeln halte. Beanstandungen beträfen zumeist regionale Entgleisungen, die dann schnell korrigiert würden.

Scharfe Kritik übte Wiegmann an der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD). Die Politikerin hatte die geringe Zahl von Beschwerden über Alkoholwerbung als Beweis dafür gewertet, dass die freiwillige Werbebeschränkung in diesem Bereich nicht funktioniere. Damit werde die Realität auf den Kopf gestellt, sagte Wiegmann vor der Presse. Es gebe deshalb so wenige Beschwerden, weil sich die betroffenen Branchen sehr genau an die Regeln hielten.

Darüber hinaus warnte Wiegmann vor Kundenfang mit der Bezeichnung "Öko". Umweltargumente in der kommerziellen Werbung müssten nachvollziehbar sein, damit sie nicht als "manipulative Trickserei" missverstanden würden, mahnte der Vorsitzende.

Anderenfalls baue sich eine neue Streitquelle zwischen Kunden und Unternehmen auf, die der Akzeptanz von Werbung schade. Bisher seien Umweltschutz und umweltbezogene Aussagen in der Werbung noch kein Grund für die Verbraucher, sich beim Werberat zu beschweren. "Mit zunehmender Menge der Werbung mit Öko-Argumenten könnte sich das rasch ändern", befürchtete Wiegmann.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp und dpa