Verlag G+J leidet unter Druck

Enttäuschung bei Gruner+Jahr: Umsatz und Gewinn des Verlags blieben 2007 hinter den Vorjahresergebnissen zurück. Zu schaffen macht dem Verlag vor allem seine Beteiligung an der Druckerei Prinovis. G+J-Chef Bernd Kundrun ist für 2008 trotzdem optimistisch: "Expand your Brand" soll es richten.

Hamburg - An schlagkräftigen Anglizismen mangelt es Gruner + Jahr (G+J) nicht. Sie lauten "Life enriching Media" oder "Expand your Brand", zu Deutsch: "Erweitere deine Marke". "Expand your Brand" wird den Anwesenden der G+J-Jahrespressekonferenz in Erinnerung bleiben, denn "Expand your Brand" ist heute der wohl meistzitierte Satz.

Vorstandschef Bernd Kundrun schwört seine Mitarbeiter mit der Parole darauf ein, erfolgreiche Zeitschriftenmarken des Hauses wie "Brigitte", "Stern" und "Geo" multimedial weiterzuentwickeln. Denn das sogenannte Markengeschäft, das Zeitschriften- und Onlineangebote sowie Merchandising und Messen beinhaltet, machte Kundrun im vergangenen Jahr Freude. G+J verbesserte seinen Gewinn in diesem Geschäftsbereich 2007 um 12 Prozent auf 198 Millionen Euro.

Die Gesamtzahlen des Verlags, an dem der Medienkonzern Bertelsmann zu 74,9 Prozent beteiligt ist, sehen dagegen weniger rosig aus. Der Umsatz fiel 2007 um 1 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging um fast 5 Prozent auf 264 Millionen Euro zurück. Vor allem die Beteiligung an Druckereien belastete das Unternehmen. Die Drucktochter Prinovis blieb bei Umsatz und operativem Ergebnis hinter dem Vorjahr zurück. Diese rückläufige Tendenz habe durch die positive Entwicklung im Kerngeschäft nicht vollständig ausgeglichen werden können. Daher habe man sich entschlossen, eine Druckerei in Darmstadt zu schließen, sagte Kundrun.

"Hinreichender Spielraum für Akquisitionen"

"Im europäischen Druckmarkt gibt es eine Überkapazität von 15 Prozent", begründete der G+J-Chef diese Entscheidung. Er rechne in der Tiefdruckbranche mittelfristig mit einem Abbau der Überkapazitäten und mit Preissteigerungen. "Prinovis wird davon profitieren", sagte Kundrun.

Zudem gab der Verlag gestern bekannt, die Zeitschrift "Frau im Spiegel" an den Westdeutschen Zeitschriften-Verlag (WZV), die Zeitschriftentochter der Essener WAZ Mediengruppe, zu verkaufen. "Wir mussten leider erkennen, dass das Segment der unterhaltsamen Frauenpresse, zu dem die 'Frau im Spiegel' gehört, nicht unseres ist", kommentierte Vorstandsmitglied Torsten-Jörn Klein heute. Der Versuch, die Zeitschrift umzupositionieren, sei gescheitert.

In Zukunft wolle sich G+J dagegen auf sein Kerngeschäft konzentrieren und in neue Projekte und Titel investieren. "Dazu stehen erhebliche Mittel aus dem laufenden Ergebnis bereit. Für zusätzliche Akquisitionen gibt es hinreichenden Investitionsspielraum", sagte Finanzchef Achim Twardy. An "Rattenrennen" um hochriskante Onlinefirmen wolle man sich jedoch nicht beteiligen, so Kundrun.

Im vergangenen Jahr nahmen die Investitionen von 57 auf 68 Millionen Euro zu. Unter anderem übernahm G+J die restlichen 50 Prozent an der "Financial Times Deutschland" von Pearson, dem britischen Verleger des Mutterblatts "Financial Times".

Für 2008 erwartet Kundrun steigende Umsätze und Gewinn im Gesamtgeschäft - trotz weiterer Sanierungslasten bei Prinovis. Der Non-Print-Bereich, zu dem auch die Internetaktivitäten gehören, steigerte seinen Umsatzanteil von rund 5 auf 7,5 Prozent und soll bis 2015 rund 20 Prozent erreichen. Helfen solle dabei vor allem ein bewährtes Programm des Verlagshauses: "Expand your Brand".

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