Bertelsmann Gewinn eingebrochen

Der Gewinn des Medienkonzerns Bertelsmann ist im vergangenen Jahr um mehr als zwei Milliarden Euro zurückgegangen. Das wirkte sich auch auf die Vorstandsbezüge aus. Konzernchef Hartmut Ostrowski will in Zukunft trotzdem Milliarden in neue Geschäfte investieren.

Berlin - Wegen teurer Rechtsstreitigkeiten und des Verkaufs des Musikverlagsgeschäfts ist der Gewinn des Medienriesen Bertelsmann im vergangenen Jahr eingebrochen. Der Überschuss betrage nur noch 405 Millionen Euro nach 2,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, teilte der Gütersloher Konzern am Dienstag mit.

Das operative Ergebnis ging auf 1,811 Milliarden Euro nach 1,867 Milliarden Euro zurück. Den Umsatz belastete zudem der schwache Dollar. Mit 18,8 Milliarden Euro lag der Umsatz 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Für 2008 rechnet Bertelsmann mit einem moderaten Umsatzwachstum von 1 bis 2 Prozent. Der Überschuss soll sich wegen des Wegfalls der Sondereffekte mindestens verdoppeln. Aufgrund der Geschäftslage stünden jedoch nicht die erhofften bis zu 1,5 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung, sondern vermutlich weniger als eine Milliarde Euro, sagte der Finanzvorstand Thomas Rabe. Investitionen durch eine höhere Verschuldung schloss er aus.

Langfristig kündigte Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski dagegen Milliardeninvestitionen an. In den nächsten fünf Jahren will der Medienkonzern demnach fünf Milliarden Euro in neue Geschäfte investieren. Das Geld soll aus Verkäufen bestehender Geschäfte sowie aus operativ erwirtschaftetem Ertrag kommen, sagte Ostrowski.

Vorstand muss auf neun Millionen Euro verzichten

Besonders schlecht liefen im vergangenen Jahr die Buchclubs - einst das Kerngeschäft von Bertelsmann. Deshalb würden alle strategischen Optionen geprüft, sagte Ostrowski. Für das nordamerikanische Geschäft habe man sich laut Finanzchef Rabe bereits für einen Verkauf entschieden. Allein für die Buch- und DVD-Clubs in Nordamerika mussten mehr als 400 Millionen Euro abgeschrieben werden. Der Prozess werde in den nächsten Wochen gestartet.

Auch auf die gemeinsam mit Axel Springer  betriebene Tiefdrucksparte Prinovis und auf den englischen Fernsehsender Five musste Bertelsmann Wertberichtigungen von 131 und 123 Millionen Euro vornehmen. Kosten verursachten zudem die Einigung mit Wettbewerbern im Streit um die Musiktauschbörse Napster in Höhe von 245 Millionen Euro sowie ein Bußgeld beim RTL-Werbezeitenvermarkter IP Deutschland in Höhe von 96 Millionen Euro.

Zugleich gab Finanzchef Rabe bekannt, dass der Medienkonzern die Bezüge seiner sechs Vorstandsmitglieder deutlich gesenkt hat. Statt 30 Millionen Euro im Jahr 2006 wurden den Topmanagern 2007 noch 21 Millionen Euro überwiesen. Den internen Richtlinien zufolge hätten sich unter anderem die Wertberichtigungen in der Clubsparte Direct Group und bei Prinovis auf die Bezüge ausgewirkt. Wie sich die Gehälter auf die Vorstände der einzelnen Bereiche verteilen, wurde nicht bekannt gegeben.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dpa-afx und reuters

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