Google Sky und Co. Die besten Angebote für Sterngucker

Galaxien, Nebel, Supernovae - mit dem neuen Angebot Google Sky geht es per Mausklick ins Weltall. Doch die Konkurrenz legt nach: Microsoft arbeitet an WorldWide Telescope und Hobbyastronomen stellen ihre Simulationen auf kostenlosen Portalen ins Netz. Die besten Angebote für Sterngucker.

Hamburg - Es gibt drei Dinge, die der Mensch ausdauernder kann als alles andere: ins Feuer schauen, in den Sternenhimmel schauen, anderen Menschen beim Arbeiten zuschauen. Zumindest aus der Faszination der Sterne will Google  Kapital schlagen - und hat jetzt Google Sky auch ins Netz gebracht: Auf sky.google.com klickt sich der Hobbyastronom durch das Universum, als sei es ein Computerspiel. Es ist Google Maps fürs Universum . Ein Doppelklick und man stürzt in Galaxien, bohrt sich in Nebel, stößt auf Pulsare.

Eine Datenbank speichert Zehntausende der Himmelsobjekte, ein Google-Suchfeld bietet schnellen Zugriff: Es versteht Trivialbezeichnungen ("Milchstraße") ebenso wie astronomische Beschreibungen ("HD 145931"), und natürlich Längen- und Breitengrade. Wer diese Bezeichnungen jedoch nicht kennt, den lässt Google dumm: Obwohl alle Himmelsobjekte kartiert sind, rückt Google nicht mit deren Beschreibung heraus. Man sieht Sterne - und nur ganz selten mehr.

Bei gerade einmal ein paar Dutzend spektakulärer Galaxien, Nebel und Supernovae-Überresten bietet Google zum Direktanflug weiterführende Informationen, Podcasts und Extrabilder an. Auf Wunsch überlagert Google dort auch die eher spröden Sternaufnahmen mit den bekannten (und bunten) Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops.

Es dürfte gern opulenter sein

Opulent ist das nicht, wer mehr will, muss mit dem KML-Format umgehen können. Mit ihm lassen sich weitere Overlays einbetten, also zusätzliche Informationen anzeigen. Dafür präsentiert sich der Google-Himmel von Haus aus in verschiedenen Wellenlängen: Ultraviolett, Infrarot, Röntgen- und Mikrowellenstrahlen. Per Knopfdruck lassen sich sogar die historischen Sternenkarten von Giovanni Maria Cassini laden.

Freilich: Das alles gab es schon als Google Sky - das dem Hobbyastronomen sein soll, was Google Earth  dem Geografen ist. Dass es Google Sky, eigentlich nur ein Nischenprojekt, jetzt auch im Netz gibt, ist Diego Gavinowich aus Buenos Aires zu verdanken. Der gewann bei Googles Code-Jam-Wettbewerb in Lateinamerika ein Praktikum beim Internetriesen.

Die Zeit nutzte er für eine Umsetzung der Programmvariante Google Sky in eine Netzanwendung: Sky.google.com. Vielleicht sollte man den Onlinehimmel deswegen auch mit ein wenig Nachsicht behandeln: Als Google den Mars  und den Mond  kartografierte, akzeptierte das jeder als eine Nettigkeit, die gar nicht erst an die Wucht des Kartenungeheuers Google Maps heranreichen muss.

Freiwillige weben ein Weltall-Wiki

Freiwillige weben ein Weltall-Wiki

Die Freunde des Weltraums setzten sowieso lieber auf Astronomiealternativen: Das kostenlose Open-Source-Stellarium  zum Beispiel, die 3D-Simulation Celestia  oder gleich die Website Sky-Map.org. : Die identifiziert noch jeden Krümel im Universum, kann auch mit Hubble-Fotos protzen und ist überdies noch direkt an eine aktive Community von Sternenguckern angeschlossen. Über eine halbe Milliarde Sterne verzeichnet Sky-Map.org, wie bei Wikipedia können die Benutzer der Webseite Informationen zu allen Objekten hinzufügen oder korrigieren. Der "New Scientist" schwärmt: "Das perfekte Tool für uns Stadtbewohner, die wir von Straßenlaternen geradezu geblendet sind."

Aber dann gibt es da auch noch das Versprechen eines wahrhaft himmlischen Wohnzimmerteleskops von Microsoft . Noch wird darum aber zu viel Rummel bei zu wenig Informationsgehalt gemacht, als dass man in die Hype-Gesänge um Microsofts WorldWide Telescope  einsteigen sollte. Es existiert nur ein nichts sagendes Bildschirmfoto, zwei noch weniger aussagekräftige Internetfilmchen und das Versprechen, damit auf Terabyte-weise Bilder, Daten und Geschichten zugreifen zu können. Voraussichtlicher Veröffentlichungstermin: Frühjahr 2008.

Galaxien klassifizieren als Hobby

Bis dahin kann man ja noch ganz andere Wege nutzen, tief, tief in den Weltraum zu schauen - und dabei endlos und stupide einer wundervollen Aufgabe nachzukommen: Galaxien klassifizieren! Galaxyzoo.org  ruft jeden noch so unerfahrenen Laien dazu auf, sich auf über eine Million Bilder von Galaxien und anderen Weltraumobjekten zu stürzen - im Namen der Wissenschaft!

Dreht sich die Galaxie im oder gegen den Uhrzeigersinn, ist es eine elliptische Galaxie, ein Stern, irgend etwas Unbekanntes? Ein geübter Galaxien-Taxonom schafft das in Sekunden. Wer sich stundenlang durch den Berg Galaxien frisst, sieht Dinge, die möglicherweise noch kein Mensch vor ihm gesehen hat. Eine Galaxie nach sich selbst zu benennen, geht trotzdem nicht: "Leider hängen Astronomen sehr an Katalognummern", ist bei Galaxyzoo zu lesen.

Und schließlich darf man ja auch nicht vergessen: Vielleicht sitzt irgendwo in dieser Galaxie, die ich gerade anschaue, ein nettes Wesen und fragt sich, wie es unsere Sonne benennen soll.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.