Deutsche Telekom Einstieg in Griechenland

Die Deutsche Telekom nimmt die größte griechische Telefongesellschaft ins Visier. Für 2,5 Milliarden Euro hat der Bonner Konzern sich einen 20-Prozent-Anteil an OTE gesichert. Die Deutschen wollen die Kontrolle der zum Großteil staatseigenen Firma übernehmen. Die griechische Regierung begrüßt die Pläne.

Bonn - Die Deutsche Telekom  will sich an dem griechischen Wettbewerber Hellenic Telecom (OTE)  beteiligten. Für rund 2,5 Milliarden Euro soll ein Anteil von rund 20 Prozent von der Investmentgesellschaft Marfin erworben werden, teilte der Bonner Konzern am Montag in Bonn mit. Die Marfin bestätigte den Kauf. Das entspreche einem Preis von 26 Euro je Aktie. Bereits nach einem Jahr werde der Kauf das Ergebnis positiv beeinflussen.

Insgesamt wurde nach Angaben der Investmentgesellschaft der Verkauf von 98 026 324 OTE-Aktien zu 26 Euro pro Stück vereinbart. Die Transaktion soll spätestens bis zum 7. Mai 2008 vollendet sein, hieß es. Von der Regierung in Athen, die mit rund 28 Prozent größter OTE-Aktionär ist, will die Telekom weitere Anteile erwerben.

Marfin hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, von mehreren Interessenten auf eine Kooperation oder die komplette Übernahme ihrer OTE-Anteile angesprochen worden zu sein. Der Transaktion müssen noch der Telekom-Aufsichtsrat und die Kartellbehörden zustimmen.

Außerdem will die Telekom noch einen Gesellschaftervertrag mit der griechischen Regierung als weiterem Aktionär abschließen. Der Bonner Konzern plant, die Kontrolle über OTE zu übernehmen. Die griechischen Minister für Finanzen und Telekommunikationen, Giorgos Alogoskoufis und Kostas Chatzidakis, sagten in einer gemeinsamen Erklärung zum Einstieg der Telekom: "Wir begrüßen die Entwicklung." Sie entspreche voll und ganz den Vorstellungen der Regierung in Athen, hieß es. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden. Ein hoher Beamter des Finanzministeriums sagte zudem am Montag, dass die griechische Regierung darüber nachdenke, Teile ihres 28-prozentigen Anteils am Telekommunikationskonzern OTE an die Deutsche Telekom zu verkaufen.

Interesse besteht offenbar schon länger

OTE ist der größte Telekomanbieter Griechenlands mit Töchtern unter anderem in Rumänien, Serbien, Albanien. Die Region gilt als einer der verbliebenen Wachstumsmärkte in Europa. OTE wies in den ersten neun Monaten vergangenen Jahres Zuwächse von knapp zehn Prozent bei Umsatz und operativem Gewinn aus. Die Bilanz für 2007 will der Konzern am kommenden Donnerstag vorlegen.

Interesse an OTE wurde der Deutschen Telekom schon länger nachgesagt. Telekom-Chef René Obermann hatte das Ziel ausgegeben, im Ausland, und hier vorrangig im Mobilfunk, weiter zu wachsen. Im vergangenen Jahr übernahm die Telekom-Tochter T-Mobile für 2,4 Milliarden Dollar den vor allem im Südosten der USA aktiven Anbieter Suncom Wireless. Für 1,3 Milliarden Euro übernahm die Telekom zudem den Konkurrenten Orange Netherlands vom französischen Telefonriesen France Télécom. Das Auslandsgeschäft gewinnt bei den Bonnern zunehmend an Bedeutung. Mehr als die Hälfte der Erlöse erzielt der Konzern mittlerweile außerhalb des stagnierenden Heimatmarkts. Mit OTE stößt Obermann allerdings erstmals in eine neue Region vor.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters