T-Systems "Die Erwartungen waren höher"

Nach langwieriger Suche hat die Deutsche Telekom endlich einen internationalen Partner für ihre angeschlagene Geschäftskundensparte gefunden. Wird T-Systems nun vom Sorgenkind zum Profitbringer des Bonner Konzerns? Analysten zeigen sich skeptisch. Denn der eigentliche Umbau steht erst noch bevor.

Hamburg - Ein Jahr lang hatte die Suche nach einem Partner für T-Systems gedauert, nun ist die Deutsche Telekom  fündig geworden: Künftig kooperiert die Geschäftskundensparte mit dem US-Dienstleister Cognizant. Die Zusammenarbeit beschränkt sich allerdings auf den Bereich Systemintegration (SI), wo rund 15.000 Programmierer und IT-Spezialisten beschäftigt sind. Die Absicht: Programmierleistungen sollen künftig verstärkt im Billiglohnland Indien erbracht werden, wo Cognizant stark vertreten ist. Auf diese Weise will T-Systems die Kosten drücken und wettbewerbsfähiger werden.

Die Hoffnungen auf einen Erfolg des Deals sind gewaltig: "Wir können unsere Profitabilität deutlich steigern und stärken uns in Schlüsselbranchen", sagte T-Systems-Chef Reinhard Clemens bei einer Pressekonferenz in Hannover. Von der Kooperation mit Cognizant verspricht sich T-Systems nicht nur Kosteneinsparungen, sondern auch eine stärkere internationale Präsenz. "Wir verkaufen in Europa. Mit der Partnerschaft können wir aber unsere Kunden weltweit bedienen", sagte Clemens. Auch in puncto Branchenkompetenz scheinen sich beide Partner gut zu ergänzen: Während Cognizant vor allem bei Banken und im Pharmabereich stark positioniert ist, verfügt T-Systems über gewachsene Kundenkontakte im Automobilsektor.

Die Gewerkschaft Verdi kann mit der Vereinbarung ebenfalls leben. Man sei froh, dass der zeitweise erwogene Verkauf der Systemintegration vom Tisch ist. "Nun gilt es, die Wachstumsperspektiven dieser Partnerschaft in sichere Arbeitsplätze umzumünzen", sagte Lothar Schröder, Verdi-Bundesvorstand und stellvertretender Telekom-Aufsichtsratschef.

Analysten zeigten sich hingegen weniger euphorisch. "Nachdem die Telekom ein Jahr lang nach einem Partner für T-Systems gesucht hat, waren die Erwartungen deutlich höher", bemängelte Chris-Oliver Schickentanz, Leiter Unternehmensanalyse bei der Dresdner Bank, im Gespräch mit manager-magazin.de. Bislang habe man kaum handfeste Details der Vereinbarung erfahren - außer den Plänen, knapp 1200 indische T-Systems-Mitarbeiter an Cognizant zu übergeben. "Das bringt der Telekom vielleicht ein Sparpotenzial von 12 bis 15 Millionen Euro pro Jahr", schätzt Schickentanz. Ein Betrag, der angesichts des 60-Milliarden-Umsatzes der Telekom vernachlässigbar erscheint.

Mit der Partnerschaft ist ein Verkauf der Systemintegration vom Tisch. Auch eine Kapitalbeteiligung ist vorerst wohl nicht geplant. "Ein Joint-Venture wäre an der Börse sicher besser angekommen", vermutet Schickentanz. "Damit wäre ein späterer Verkauf der Systemintegration leichter gewesen." Schließlich gehöre der SI-Bereich nicht zum Kerngeschäft der Telekom und erziele nur unterdurchschnittliche Gewinnmargen.

"In ein paar Jahren wird man sich freuen"

"In ein paar Jahren wird man sich freuen"

Die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens hätte auch den Vorteil gehabt, dass die Telekom nicht mehr alleine für die Konsolidierung von SI zuständig gewesen wäre. Nun muss sie die Sanierung selber stemmen. "Ich kann nicht erkennen, was eine Partnerschaft großartig verändern soll", sagte Theo Kitz, Analyst bei der Privatbank Merck Finck, gegenüber manager-magazin.de.

Optimistischer zeigt sich Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. "Wenn T-Systems-Chef Clemens seine Sparte jetzt tatsächlich in den Griff bekommt", prognostiziert der Telekom-Analyst, "dann wird man sich in ein paar Jahren freuen, dass es nicht zu Verkäufen gekommen ist." Nun habe T-Systems Zugriff auf Personal in Niedriglohnländern - und könne sogar darüber nachdenken, den Partner Cognizant später einmal zu kaufen. Das US-Unternehmen setzte im vergangenen Jahr 2,14 Milliarden US-Dollar um. Ende 2007 beschäftigte Cognizant 55.000 Mitarbeiter, deren Zahl bis zum Jahresende auf bis zu 75.000 erhöht werden soll.

Fest steht: Die lang dauernden Spekulationen um die Zukunft der schwächelnden Geschäftskundensparte haben erst mal ein Ende. Telekom-Chef René Obermann hatte zunächst im März 2007 angekündigt, einen Partner für den gesamten Großkundenbereich zu suchen. Dieser Sektor macht den Löwenanteil des Umsatzes bei T-Systems aus. Zuletzt stand jedoch nur noch der Bereich SI zur Disposition.

Die Beschäftigten der SI programmieren und passen Software und Systeme auf die Bedürfnisse der Kunden an, darunter Volkswagen , Daimler  und die WestLB. Rund zwei Drittel der Arbeiten fallen direkt bei den Kunden an, der Rest kann zu günstigen Preisen in Niedriglohnländern erbracht werden. Da die Telekom über zu wenige IT-Mitarbeiter in Indien oder Osteuropa verfügt, waren die Kosten bei T-Systems zu hoch.

Entlassungen nicht ausgeschlossen

Entlassungen nicht ausgeschlossen

Anfang Dezember hat mit Reinhard Clemens ein neuer Manager die Führung bei T-Systems übernommen - und will die Geschäftskundensparte gründlich umbauen: "Wir müssen T-Systems als Ganzes restrukturieren, um die Kosten zu senken", sagte er. "Wir werden versuchen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, aber wir werden Mitarbeiter entlassen, wenn dies zwingend notwendig ist." Bei der Neuausrichtung von T-Systems nimmt Clemens die Führung nicht aus. Um die Geschäftsabläufe zu verbessern, hat er bereits das Management massiv ausgedünnt.

T-Systems will das Geschäft mit den Bestandskunden ausbauen, die ihren Sitz in Europa haben. Der Anteil an deren IT-Ausgaben sei zu gering und müsse nun steigen. "Das jährliche IT- und Telekommunikations-Budget unserer 29 größten Unternehmen liegt bei 26 Milliarden Euro, davon entfallen aber nur 1,8 Milliarden Euro auf uns", sagte Clemens. Mit einem höheren Anteil könne T-Systems sein Wachstum sicherstellen. "Für den IT-Bereich erwarte ich für die kommenden Jahre einen Zuwachs von 14 Prozent jährlich." Mit diesem Zuwachs will die Telekom-Tochter die Rückgänge im Telekommunikationsgeschäft ausgleichen und damit im Gleichschritt mit der Konkurrenz wachsen, wie Clemens beteuert.

Allerdings hatte auch T-Systems in den vergangenen Jahren mit Einbußen zu kämpfen. 2007 gab der Umsatz um knapp 7 Prozent auf rund 12 Milliarden Euro nach. Ob sich das nun ändert? Jedenfalls genießt Clemens, ehemaliger Deutschland-Chef des US-Konkurrenten EDS, in der Branche ein hohes Ansehen. "Reinhard Clemens ist ein gewaltiger Fortschritt gegenüber seinem Vorgänger Lothar Pauly", sagt Analyst Rothauge.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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