Neue Digitalkameras Hochleistung im Kleinformat

Erst 60 Prozent der deutschen Haushalte besitzen eine Digitalkamera. Hinzu kommt, dass manche Besitzer alte Geräte durch moderne Modelle ersetzen wollen. Da trifft es sich gut, dass gerade eine Welle neuer Kameras in den Handel schwappt. Doch nicht jede neue Funktion rechtfertigt den Kauf.

Frankfurt am Main - Zu den Neuheiten unter den Digitalkameras gehört eine ganze Reihe von Kompaktmodellen im unteren Preissegment, dem Einsteigerbereich. Die gute Nachricht für den Verbraucher: Er bekommt heute mehr für sein Geld.

Besser geworden sind laut Constanze Clauß vom Photoindustrie Verband etwa die Displays. "Das gilt nicht nur für die Größe, sondern vor allem für die Möglichkeit, die Bildschirmhelligkeit den Lichtverhältnissen anzupassen." Das ist wichtig, wenn in heller Umgebung, zum Beispiel beim Gartenfest, fotografiert wird.

Panasonic etwa hat seinem neuen Einsteigermodell Lumix DMC-LS80 ein Display mit 6,35 Zentimeter Diagonale und 230.000 Bildpunkten Auflösung verpasst. Die Bildauflösung der rund 170 Euro teuren Kamera liegt bei 8,1 Megapixel. Das Gerät hat auch einen optischen Bildstabilisator erhalten - diese Technik findet mit den Neuheiten des Frühjahrs 2008 ebenfalls weitere Verbreitung. Noch mehr Überblick als die LS80 bietet das Display der Coolpix L18 von Nikon  mit einer Bilddiagonale von etwa 7,5 Zentimetern. Die Kompaktkamera mit acht Millionen Pixel Auflösung kostet 159 Euro.

Gesichtserkennung ist mittlerweile Standard

Immer mehr zum Standard wird die Gesichtserkennungs-Funktion: Die Kamera fokussiert dabei selbstständig auf Gesichter. Alle neuen Kompaktkameras von Olympus  sind mit der sogenannten Face Detection Technology ausgestattet. Allein dieser Funktion wegen lohne sich die Anschaffung aber nicht unbedingt, urteilt Annette Kniffler von Zeitschrift "ColorFoto".

Bei Olympus geht man offenbar davon aus, dass Kameras auch bei Wind und Wetter zum Einsatz kommen: Die µ 1030 SW ist nach Angaben des Herstellers wasserdicht in bis zu zehn Meter Tiefe, bis zu einer Fallhöhe von zwei Metern stoßfest und frostsicher bis minus zehn Grad. Außerdem hält sie eine Last von bis zu 100 Kilo aus. "So eine Kamera kann man auch seinen Kindern in die Hand drücken", sagt Kniffler. Solche robusten Modelle haben der Expertin zufolge bisher aber nicht immer die beste Bildqualität geliefert. Wer sich dennoch eine Outdoor-Kamera zulegen möchte, schaut sich vorher vielleicht verschiedene Testergebnisse an.

Wandlerchips gegen störende Ruckler

Wandlerchips gegen störende Ruckler

Auffällig ist, dass auch Kompaktkameras mit einer immer höheren Lichtempfindlichkeit arbeiten. Das erlaubt dem Fotografen, auch bei schlechten Lichtverhältnissen ohne Blitz Bilder zu machen. Die FinePix Z20fd von Fuji  bietet eine Lichtempfindlichkeit bis ISO 1600. Damit ist sie in bester Gesellschaft anderer Kompaktkameras, die in diesem Frühjahr auf den Markt kommen. Sony etwa hat die neuesten Modelle der Cyber-Shot-W-Serie so ausgestattet, dass sie bis zu ISO 3200 lichtempfindlich sind.

Eine besonders hohe Lichtempfindlichkeit ermöglicht zwar Aufnahmen, die sonst nicht machbar wären. Technisch bedingt gehe sie jedoch auch mit vermehrtem Bildrauschen einher, sagt Clauß vom Photoindustrie Verband. Hier muss der Käufer also Vor- und Nachteile abwägen. Andererseits werde von den Herstellern vermehrt Software eingesetzt, die das Bildrauschen verhindern soll.

Immer weiter verbreitet sind Bildstabilisatoren: Zum einen gibt es die elektronische Variante, bei der mithilfe eines Wandlerchips störende Ruckler ausgeglichen werden. Beim von Experten bevorzugten optischen Bildstabilisator wird der Ausgleich durch den Einsatz von "schwimmenden" Linsen erreicht. "Das Verwackeln wird durch das Objektiv ausgeglichen", erklärt Clauß.

Zu den interessanten Entwicklungen gehört, dass einige Modelle in ihrer Brennweite so ausgelegt sind, dass auch der Weitwinkelbereich attraktiv wird: Während bei vielen Kompakten der Weitwinkel bei 35 Millimetern beendet ist, bieten etwa die beiden Lumix-Modelle DMC-TZ5 und DMC-TZ4 von Panasonic Brennweiten von 28 bis 280 Millimetern. Dazu besitzen sie für Kompaktmodelle rekordverdächtig große Displays mit jeweils einer Diagonale von 7,6 Zentimetern. Ein großer Weitwinkel ist unter anderem dann von Vorteil, wenn in engen Räumen viele Menschen auf das Bild sollen.

Noch vor rund zwei Jahren war es dringend angezeigt, dass Käufer sich vor ihrer Entscheidung über die Auslösezeiten einer Kamera informierten. Das ist passé - heute können sie sich oder dem Verkäufer eher die Frage stellen, ob das Gerät auch Serienaufnahmen unterstützt.

Sven Appel, dpa

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