Balda Drohende Insolvenzgefahr

Die Verluste aus der bereits verkauften Produktion von Handyschalen bringen den Zulieferer Balda in akute Geldnot. Die Aktie des Unternehmens bricht im frühen Handel um 40 Prozent ein. Der Markt zweifelt an der Glaubwürdigkeit von Balda, nachdem Vorstandschef Joachim Gut einen hohen Verlust bei den verkauften Töchtern stets bestritt.

Frankfurt am Main - Balda  muss aufgrund von Ergebnisabführungsverträgen noch für die Verluste der zum Jahresende abgestoßenen Töchter Balda Solutions Deutschland GmbH, Balda Werkzeugbau GmbH und Balda Solutions Hungaria Kft. geradestehen. "Die bestehende Liquidität reicht zurzeit nicht aus, um einen fälligen Verlustausgleich in voller Höhe erbringen zu können", teilte der Handyausrüster mit.

Das Minus sei nach Angaben des Käufers der Sparten, KS Plastic Solutions, "etwas höher" ausgefallen als die niedrige zweistellige Millionensumme, die Balda-Chef Joachim Gut erwartet hatte, sagte ein Unternehmenssprecher, ohne einen genauen Betrag zu nennen. Nun streiten sich die beiden Unternehmen über die Höhe des Verlustausgleichs. "Wir sind mit den Berechnungen von KS nicht einverstanden", sagte der Sprecher.

Balda hatte die defizitäre Handyschalen-Produktion mit Wirkung zum 31. Dezember 2007 an die KS Plastic Solutions GmbH abgegeben und dabei laut Vorstandschef Gut noch "etwas Geld in die Hand nehmen" müssen. Das Übernahmevehikel sollte wiederum von der Industrieholding Aurelius geschluckt werden. Voraussetzung dafür ist aber ein profitabler Geschäftsplan.

KS Plastic Solutions hatte Anfang des Jahres die Gehälter gekürzt und Balda vorgeworfen, seine Zahlungspflichten verletzt zu haben. Der Balda-Vorstand hatte den Vorwurf zurückgewiesen. Der Handyausrüster hatte stets bestritten, dass bei den ehemaligen Töchtern ein nennenswerter Verlust aufgelaufen sei. Londoner Finanzkreise hatten aber schon vor Wochen von Verlusten von bis zu 40 Millionen Euro berichtet.

"Der Handyzulieferer hat ein Liquiditäts- und Glaubwürdigkeitsproblem, nachdem frühere Berichte über unerwartet hohe Verluste stets energisch zurückgewiesen worden sind", kommentierte ein Händler.

Prüft PWC eine Insolvenz?

Prüft PWC eine Insolvenz?

Mit der Mitteilung, dass Balda  bereits mit Banken über eine zusätzliche Kreditlinie verhandele, wollte das Unternehmen den Markt beruhigen. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, sie könnten in wenigen Tagen abgeschlossen werden, hieß es. WestLB-Analyst Thomas Langer kommentierte diese Mitteilung folgendermaßen: "Was sollen sie denn sonst sagen? Eigentlich müssten sie eine Kapitalerhöhung machen, aber wer sollte zeichnen?"

Wie viel Geld dem Unternehmen fehlt, wollte Balda nicht beziffern. Zu den Konsequenzen eines Scheiterns der Verhandlungen wollte sich der Sprecher auch nicht äußern: "Das ist nicht das Thema."

Die in zwei Wochen geplante Bilanzpressekonferenz und die Hauptversammlung im Mai hat Balda auf unbestimmte Zeit verschoben. Die drei verkauften defizitären Tochterfirmen in Deutschland und Ungarn mit zusammen 650 Mitarbeitern machten ehemals das Kerngeschäft von Balda aus. Das westfälische Unternehmen will sich auf die Produktion von berührungsempfindlichen Bildschirmen (Touchscreens) in Asien konzentrieren.

Aktie auf Fünfjahrestief

An der Börse wächst nun die Sorge um die Zukunft des im SDax  gelisteten Unternehmens. Im frühen Handel brach die Aktie um bis zu 40 Prozent auf ein Fünfjahrestief von 3,15 Euro ein. Gegen Mittag erholte sich das Papier zwar wieder leicht, stand aber immer noch mit etwa 25 Prozent im Minus. Die WestLB hat die Balda-Aktie bereits von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 4,40 auf 3,00 Euro reduziert. Spekulationen über eine Rückabwicklung des Verkaufs der Handyschalen-Produktion hatten den Aktienkurs bereits in den vergangenen Wochen stark unter Druck gesetzt.

Schon jetzt prüfen Banken offenbar die Möglichkeit einer Insolvenz. "Es gibt das Gerücht am Markt, dass Pricewaterhouse Coopers beauftragt worden ist", sagte WestLB-Analyst Langer . "Wir raten zum Verkaufen", sagte Langer. "Unser neues Kursziel liegt bei 3 Euro."

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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