Cebit "Vor der fünften Revolution"

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat für die kommenden Jahre umwälzende Veränderungen in der Nutzung von Computern in Aussicht gestellt. Neue Systeme und Bildschirme beispielsweise, die mit Sprache und Gesten bedient werden können - und die nächste Revolution in der Computerbranche brächten

Hannover - Die Hochtechnologieindustrie in Deutschland will beim Klimaschutz eine führende Rolle übernehmen. Umweltfreundlichere Informationstechnologie soll den Energieverbrauch in fast allen Wirtschaftszweigen senken. Deshalb ist die "Grüne IT" eines der Top-Themen auf der Computermesse Cebit in Hannover, die am Montagabend von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy eröffnet wurde.

Microsoft-Chef Steve Ballmer sagte in Hannover: "Ich habe während meiner 28 Jahre bei Microsoft vier Computer- Revolutionen erlebt". Mit der ersten Revolution hätten sich erstmals die Massen einen PC leisten können. Mit der Entwicklung von grafischen Benutzeroberflächen habe man es dann den Menschen viel leichter gemacht, das Potenzial der Computer sinnvoll zu nutzen. Die dritte Revolution, der Aufstieg des Internets, habe beispielsweise die Email zu einem alltäglichen Kommunikationswerkzeug gemacht und die Art und Weise der Informationssuche dramatisch verändert.

Die vierte, die "Web 2.0"-Revolution habe eine ganz neue Plattform hervorgebracht, um Informationen zu veröffentlichen und zu teilen. Diese Umwälzung habe im Jahr 2002 begonnen, als er zuletzt zur Eröffnung der CeBIT in Hannover gewesen sei. "Wenn es bei dem Sieben- Jahres-Rhythmus bleibt, dann stehen wir heute am Ende der vierten und vor dem Beginn der fünften Revolution

Welche Ergebnisse diese fünfte Computer-Revolution hervorbringen werde, konnte Ballmer nicht genau sagen. Er benannte aber die Rahmenbedingungen: allgegenwärtige Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu Hause, im Büro und unterwegs. Darüber hinaus besondere Systeme sowie neuartige Bildschirme, die mit Sprache und Gesten bedient werden können.

Mega-Trend "Grüne IT"

Mega-Trend "Grüne IT"

Microsoft-Chef Steve Ballmer sagte weiter, Computer könnten künftig auch einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. "Die Rechner haben sich zwar inzwischen selbst zu einem bedeutenden Energieverbraucher entwickelt. Sie können aber auch im starken Maß zum Einsparen von Energie und zum Schutz des Klimas genutzt werden."

Auf die Informationstechnik und die Telekommunikation entfallen derzeit etwa 2 Prozent des weltweiten Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid. Die Industrie liegt damit in etwa gleichauf mit dem Luftverkehr. Die Industrieinitiative "Climate Savers Computing", der unter anderem Branchenriesen wie Intel oder Google angehören, will den Energieverbrauch der Computer bis zum Jahr 2010 unter bestimmten Voraussetzungen halbieren.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso verwies bei der Cebit-Eröffnung auf das enorme Potenzial der Informationstechnik beim Umweltschutz. So könnten mit Videokonferenzen eine Menge Reisen eingespart werden.

Das Top-Thema "Grüne IT" gehört zu dem Konzept, mit dem die Cebit einen Neuanfang starten will. Die Messe-Manager versprechen ein schärferes Profil als Fachmesse, eine übersichtlichere Struktur und mehr Inhalt. Die Dauer der Messe wurde um einen auf sechs Tage verkürzt, damit die Unternehmen Kosten sparen.

Der Ausstellerschwund wurde allerdings nicht gestoppt: Die Zahl der Aussteller sank im Vergleich zum Vorjahr um rund 5 Prozent auf rund 5800. Die Veranstalter nennen als Grund auch den Konzentrationsprozess in der Branche.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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