Microsoft-Chef Ballmer "Ein Meilenstein"

Pünktlich zum Start der Cebit stellt Microsoft eine ganze Reihe neuer Produkte vor. So sollen Yellow- und Fiat-Kunden mithilfe des Softwarekonzerns künftig Energie sparen, die Onlineangebote für Firmen werden erweitert. Einen Durchbruch für Windows Vista erwartet Microsoft mit der Veröffentlichung des Service Packs 1.

Hannover - Mehr als ein Jahr nach der Einführung von Windows Vista setzt Microsoft  große Hoffnungen in die bevorstehende Auffrischung des Betriebssystems in Form des Service Packs 1 (SP1). "Das ist ein Meilenstein", sagte Vorstandschef Steve Ballmer am Montag vor der Cebit-Eröffnung in Hannover.

Ballmer räumte ein, dass die Verbreitung von Windows Vista in Unternehmen langsamer verlaufe als bei Privatanwendern. Vom SP1 erhofft sich Microsoft jetzt neue Impulse im Firmengeschäft.

"Wir haben Vista sehr erfolgreich verkauft", sagte Deutschland-Geschäftsführer Achim Berg. Das Umsatzplus im Konzern von 18 Prozent im letzten Quartal 2007 sei zu einem wesentlichen Teil auf Vista und Microsoft Office zurückzuführen.

Microsoft stellte am Montag zudem zwei Kooperationen zum Energie sparen vor. Gemeinsam mit Martin Vesper, dem Geschäftsführer von Yellow Strom, präsentierte Ballmer einen intelligenten Stromzähler, mit dem die Verbraucher in Echtzeit den Stromverbrauch ihrer Haushalte am PC ablesen können. "Die heutige Zählertechnologie ist 40 bis 50 Jahre alt. Mit dem neuen Zähler wird der Verbrauch transparent gemacht und Sparmöglichkeiten aufgezeigt." In den Pilotversuchen mit dem neuen Zähler hätten die beteiligten Familien ihren Verbrauch um durchschnittlich 10 Prozent reduziert.

Neben den Yellow-Kunden will Microsoft mit seiner Software auch Fiat-Fahrern das Energiesparen erleichtern. Der italienische Autobauer werde künftig die Elektronik seiner 500er-Modell um eine Analysesoftware für den Fahrstil erweitern, kündigte der Konzern an.

Über eine USB-Schnittstelle könnten die Lenker künftig Daten beziehen, wie viel Sprit ihr Auto abhängig von der Fahrweise verbrauche, sagte Deutschland-Chef Berg. Das Programm berate den Fahrer zudem, wie er durch moderateres Fahren Kraftstoff sparen könne.

Computer können Ballmer zufolge einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. "Die Rechner haben sich zwar inzwischen selbst zu einem bedeutenden Energieverbraucher entwickelt, sie können aber auch im starken Maß zum Einsparen von Energie und zum Schutz des Klimas genutzt werden", sagte der Microsoft-Chef. So seien sämtliche wissenschaftlichen Projekte zum Klimaschutz auf leistungsstarke Computer angewiesen.

Mit Onlinesoftware gegen Google

Mit Onlinesoftware gegen Google

Große Erwartungen verbindet das Unternehmen auch mit der im vergangenen Jahr eingeführten Technik Silverlight für die Darstellung von Videos auf Webseiten. Es gebe bereits eine ganze Reihe von Unternehmen, die Silverlight für neue Angebote nutzten, sagte Berg und nannte den Bezahlsender Premiere  sowie BMW  und Vodafone .

Ballmer stellte zur Cebit eine neue Software vor, um Silverlight in Webseiten zu integrieren, die mit Microsoft Sharepoint entwickelt werden. Ebenfalls neu ist das die Microsoft-Serverlösungen ergänzende Produkt Search Server 2008 Express, das kostenlos im Internet heruntergeladen werden kann.

Ballmer bekräftigte am Montag auch noch einmal sein ungebrochene Interesse an einer Übernahme von Yahoo . "Der Deal ist sinnvoll, auch der Preis und der Rahmen, wie wir es mitgeteilt haben", sagte Ballmer. "Wir hoffen, dass er Wirklichkeit wird." Jetzt liege es aber zunächst an Yahoo und seinen Aktionären, das Angebot zu prüfen. "Wir versuchen, auf angemessenen Ebenen zu helfen."

Auf Details wollte Ballmer nicht eingehen. Microsoft  hat am 11. Februar 44,6 Milliarden Dollar (30,7 Milliarden Euro) für die Übernahme geboten. Yahoo hat das Angebot in einer ersten Stellungnahme aber als zu niedrig zurückgewiesen. Mit dem Kauf von Yahoo will Microsoft seine Position im Markt der Onlinewerbung mit der Internetsuche und anderen Diensten vor allem gegenüber Google  verbessern.

Microsoft setzt auf Mietsoftware

Bereits am Sonntag hatte Microsoft eine Ausweitung seiner Onlineangebote für Geschäftskunden angekündigt. So solle ein spezielles Serviceangebot für E-Mail-Programme künftig mehr Unternehmen zugänglich gemacht werden, teilte der Konzern mit.

Seit dem vergangenen Jahr bietet Microsoft Firmen an, ihr E-Mail-Programm Exchange und ihre Software für Onlinearbeit Sharepoint gegen eine Gebühr auf Microsoft-Rechnern laufen zu lassen. Bisher war dieser Service nur Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern vorbehalten. Ab der Jahresmitte soll er nun allen Firmen angeboten werden.

Diese sogenannten Hosted Web Services werden bei Geschäftskunden immer populärer und haben Branchenexperten zufolge ein hohes Wachstumspotenzial. Microsoft kündigte zudem eine kostenlose Software an, die Unternehmen bei der Suche nach Dateien und Dokumenten in ihrem Netz dienen soll. Der Search Server 2008 Express tritt in direkte Konkurrenz mit dem Produkt Search Appliance von Google.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

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