Microsoft-Chef Berg "Erfolg ist eine süße Droge"

Seit rund einem Jahr führt Achim Berg nun die Geschäfte von Microsoft Deutschland. manager-magazin.de sprach mit dem 44-Jährigen über seine positiven und negativen Erlebnisse, seine Erwartungen an die diesjährige Cebit und seine Zukunftspläne bei Microsoft.

mm.de: Herr Berg, arbeiten Sie zu Hause eigentlich mit Windows Vista?

Berg: Natürlich! Mit Erscheinen von Windows Vista habe ich alle meine sieben PCs auf das neue Betriebssystem umgestellt. Es hat alles wunderbar geklappt, ich konnte alle Rechner miteinander und mit der XBox vernetzen.

Fast alle in meiner Familie sind mit dem Wechsel auf Windows Vista zufrieden, nur mein Sohn nicht. Ihn nervt vor allem die Jugendschutzfunktion, die ich für ihn eingerichtet habe. Er hat nur auf bestimmte Dinge Zugriff, und ich kann ganz genau sehen, was er am Computer gemacht hat. Das gefällt ihm nicht wirklich.

mm.de: Wie zufrieden sind Sie mit dem Verkauf von Windows Vista in Deutschland?

Berg: Ich bin mit dem bisherigen Absatz sehr zufrieden. Für Deutschland veröffentlichen wir keine spezifischen Zahlen, aber weltweit haben wir bis zum Jahreswechsel etwa 100 Millionen Programme verkauft. Im Vergleich zur Markteinführung von Windows XP ist das fast eine Verdoppelung.

Windows Vista ist im ersten Jahr vor allem bei den Endverbrauchern gut angelaufen. Mit dem Service Pack 1, das ab Mitte März verfügbar ist, wird es meiner Meinung nach auch im Geschäftskundensegment eine deutlich breitere Akzeptanz geben. Schließlich ist das erste Service Pack bei einer neuen Version immer so eine psychologisch wichtige Hürde: Viele warten bis dahin erst einmal ab und steigen dann auf das neue System um.

mm.de: Seit rund einem Jahr stehen Sie jetzt an der Spitze von Microsoft Deutschland. Was hat sich durch Sie in dem Unternehmen geändert?

Berg: Zunächst einmal war das Unternehmen ja schon in einem guten Zustand, als ich die Führung von Microsoft Deutschland übernommen habe. Aber ich würde sagen, dass sich die Stimmung bei uns weiter zum Positiven geändert hat.

Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt, ein sogenanntes diverses Team aufzubauen. Die sechs neuen Kollegen, die ich eingestellt habe, bilden mit den sechs "alten Hasen" um mich herum eine sehr gute, heterogene Mischung. Wir sind zum einen unter Deutschlands beliebtesten Arbeitgebern von Platz 17 auf Platz vier vorgerückt, zum anderen hat sich das aber auch in unseren Zahlen ausgedrückt: Wir sind hierzulande erfolgreicher als je zuvor.

"Das ist mir auf den Keks gegangen"

mm.de: Bei Amtsantritt wurden Ihnen von Microsoft-Chef Steve Ballmer mehr Freiheiten versprochen. Sie sollten über ein mehrere Hundert Millionen Euro schweres Budget verfügen, dass Sie nach Belieben für Personal, Marketing, Werbung und Preise verwenden konnten. Haben sich diese Ankündigungen bewahrheitet?

Berg: Ja, das hat sich sogar mehr als bewahrheitet. Microsoft  hat schon vor etwa drei Jahren entschieden, dass die elf Regionalorganisationen deutlich mehr Freiheiten bekommen sollen. Seitdem können wir relativ frei entscheiden, wie viele Mittel wir wo verwenden wollen. Ein großes Reporting an die Konzernspitze habe ich nur einmal im Jahr, hinzu kommt in jedem Quartal eine Telefonkonferenz.

Diese Entscheidung hat sich nicht nur für mich, sondern auch für Microsoft gelohnt. Die Konzernspitze konnte feststellen, dass eine Region umso erfolgreicher ist, je mehr Verantwortung sie trägt.

mm.de: Gab es etwas in Ihrer bisherigen Zeit bei Microsoft, dass Sie besonders beeindruckt hat?

Berg: Aufregend war allein schon mein erster Arbeitstag. Meine Zeit bei Microsoft begann mit einem Big Bang, und zwar mit dem Launch von Windows Vista. Da gibt es auch Schlimmeres, würde ich sagen (lacht).

Ein extrem positives Erlebnis war für mich auch der Tag vor etwa vier Wochen, als ich einen kompletten Tag mit Bill Gates fast allein verbringen konnte. Wir waren unter anderem bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und haben auf dem Government Leaders Forum gesprochen, auf dem ich beide auch ankündigen durfte. Das war schon ein besonderes Ereignis.

Und auch der Produktlaunch von vor zwei Wochen, auf dem wir die neuen Serverbetriebssysteme vor 7500 Gästen in Frankfurt vorstellten, hat mich beeindruckt. Immerhin war das der größte Launch in der Geschichte von Microsoft.

mm.de: Gab es auch etwas, dass Sie mit negativen Emotionen verbinden?

Berg: Was mir nicht so gut gefallen hat, war die Diskussion über die Cebit im vergangenen Jahr. Wir sollten doch eigentlich stolz darauf sein, dass wir die größte IT-Messe der Welt in Deutschland haben. Stattdessen fängt die Branche an, sich selbst zu zerfleischen. Viele Unternehmen haben fast stolz verkündet: Wir gehen nicht hin! Das verstehe ich einfach nicht, und das ist mir auch sehr auf den Keks gegangen.

"Indirekte Auswirkung des Fachkräftemangels"

mm.de: Was erwarten Sie in diesem Jahr von der Cebit?

Berg: Die Cebit ist für uns die wichtigste Messe überhaupt, weil es die einzige Ausstellung für alle möglichen IT-Produkte ist. Dort werden wir auch in diesem Jahr wieder den Kontakt mit unseren 33.000 Partnern vertiefen können ebenso wie mit unseren Lieferanten und Kunden. Ich gehe zudem davon aus, dass wir mit unserem IT-Fitness-Campus, der am 8. und 9. März in Halle 16 stattfindet, Themen wie Weiterbildung und Fachkräftemangel anstoßen können.

mm.de: Wie macht sich denn der akute Mangel an IT-Spezialisten bei Microsoft Deutschland bemerkbar?

Berg: Momentan sind wir noch in der glücklichen Lage, dass sich der Mangel bei uns direkt kaum bemerkbar macht. Durch unseren großen Namen und den guten Ruf konnten wir auch im vergangenen Jahr knapp 200 Stellen besetzen.

Das Problem, das wir haben, ist ein indirektes. Unsere Partner klagen massiv über den Fachkräftemangel. Wir hatten vor ein paar Monaten ein großes Treffen mit einigen unserer großen Partner. Sie erzählten uns, dass sie im vergangenen Halbjahr etwa 5 Prozent stärker hätten wachsen können, wenn sie geeignetes Personal gefunden hätten.

mm.de: Hat das auch Auswirkungen auf Ihr Geschäftsergebnis?

Derzeit befinden wir uns wie unsere Partner in einem starken Wachstum. Im vergangenen Jahr haben wir den Fachkräftemangel noch gut kompensieren können, das mag uns in 2008 auch noch gelingen. Ob es dauerhaft gelingt, hängt davon ab, ob sich die Bedingungen ändern.

mm.de: Arbeiten Sie denn daran, dass sich etwas ändert?

Berg: Wir haben eine Plattform namens MS Employ ins Leben gerufen, auf der unsere Partnerunternehmen mit IT-Spezialisten in Kontakt kommen können. Die Fachkräfte können dort ihre Bewerberprofile hinterlegen, während die Firmen Stellenausschreibungen veröffentlichen können. In den ersten Wochen hat es auf dem Portal schon über 1000 Einträge gegeben.

Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass das nichts anderes als eine Mangelverwaltung ist. Das grundlegende Problem, dass es zu wenig IT-Spezialisten gibt, löst es nicht. Das können wir nur angehen, indem wir in Deutschland das Interesse für die Branche wecken. Vor allem Frauen und älteren Arbeitnehmern müssen wir bewusst machen, dass es sich um eine seit Jahren stark wachsende Branche handelt, in der überdurchschnittliche Gehälter gezahlt werden und die Aufstiegschancen exzellent sind. Zudem sollte die Politik die Zuwanderung von IT-Spezialisten erleichtern.

"Einfache Bedienbarkeit"

mm.de: Haben Sie mit Konzernchef Steve Ballmer oder Microsoft-Gründer Bill Gates über die geplante Yahoo-Übernahme gesprochen?

Berg: Ja, ich habe mit Steve Ballmer kurz darüber gesprochen. Ich teile seine Meinung, dass die Übernahme von Yahoo  für Microsoft  ein sinnvoller Schritt ist. Schließlich ist Reichweite im Internet alles. Gemeinsam mit Yahoo könnte Microsoft gegenüber der dominanten Position von Google  aufschließen und zudem rund eine Milliarde Dollar pro Jahr an Entwicklungskosten sparen.

mm.de: Glauben Sie denn, dass Microsoft in diesem Fall Erfolg haben wird?

Berg: Darüber möchte ich heute nicht spekulieren.

mm.de: Wo sehen Sie Microsoft in fünf Jahren?

Berg: Wohin sich Microsoft entwickeln wird, kann man am besten an der Entwicklung des Marktes sehen. Viele Jahre lang ging es hauptsächlich darum, Geräte mit immer mehr Funktionen auszustatten. Jetzt tritt meiner Meinung nach die Bedienbarkeit der Geräte in den Vordergrund. Sie müssen immer einfacher und intuitiver bedienbar werden. Anders gesagt, nicht mehr die Hardware, sondern die Software ist entscheidend.

mm.de: Und wo sehen Sie sich selbst?

Berg: Mir macht der Job sehr viel Spaß und Erfolg ist immer eine "süße Droge". Zudem gefällt mir diese Entwicklung in Richtung Bedienerfreundlichkeit sehr gut. Ich probiere selbst immer alles aus, egal von wem. Deswegen glaube ich, dass Microsoft und ich noch viele Jahre gut zusammenpassen könnten.

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