Deutsche Telekom "Wir fahren auf die offene See hinaus"

Die Telekom ist ein schwerer Tanker - und bewegt sich doch. Konzernchef René Obermann kann in seiner Bilanz immerhin mit ermutigenden Einzelheiten aufwarten. So kommt es, dass er selbst mit einem gesunkenen Ergebnis die Erwartungen der Märkte übertraf.

Bonn - Im vergangenen Jahr verglich Telekom-Chef René Obermann seinen Konzern noch mit einem Tanker, der "knapp über Grund" fahre. Heute griff er das Bild wieder auf und sprach davon, dass der Tanker Fahrt aufnehme: "Wir fahren auf die offene See hinaus."

Die Deutsche Telekom  hat im Geschäftsjahr 2007 ihre Finanzziele leicht übertroffen. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen lag im Gesamtjahr bei 19,3 Milliarden Euro, ein Minus von 0,6 Prozent zum Vorjahr. Als Ziel hatte der Konzern rund 19 Milliarden Euro ausgegeben.

So haben Zuwächse der Auslandssparte den Rückgang im Deutschland-Geschäft im vergangenen Quartal abfedern können. Der bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 1,4 Prozent auf 4,61 Milliarden Euro.

Mit der Quartalsbilanz übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Experten leicht. Zum Plus beim operativen Gewinn trugen auch Einsparungen bei, die sich im vergangenen Jahr auf 2,3 Milliarden Euro beliefen. Am Finanzmarkt wurden die Zahlen positiv aufgenommen. Die Aktie, die sich zuletzt deutlich schlechter als der Markt entwickelt hatte, legte zum Handelsstart zu, konnte das Plus aber im Tagesverlauf nicht verteidigen.

Bei der Kundenentwicklung im Bereich DSL-Internetanschlüsse zeichnet sich eine Erholung für die Telekom ab. Dieses Geschäft gehört zu den Sorgenkindern, da hier viele neue Anbieter in einem harten Preiskampf dem früheren Staatskonzern Kunden abspenstig machen. 2007 konnte die Telekom hier rund zwei Millionen neue Kunden gewinnen, was der Größenordnung von Kündigungen bei schmalbandigen Analoganschlüssen entspricht. 2006 ließen sich nur 743.000 Neukunden von den Telekom-DSL-Angeboten überzeugen.

T-Home im Plus - "das ist ein Novum"

T-Home im Plus - "das ist ein Novum"

So sind in der Konzernsparte T-Home, die unter anderem DSL-Anschlüsse vertreibt, die Umsätze zwar weiter zurückgegangen, um 8 Prozent auf das Jahr gerechnet. Obermann betonte, dass sie sich aber stabilisierten: Im vierten Quartal sei sogar ein leichter Anstieg zu verzeichnen gewesen. Obermann: "Das ist wirklich ein Novum."

Bei vielen Nachfragen lieferte der Vorstandschef nur Floskeln. Steht ein weiterer Stellenabbau an? Es geht weiter wie im Vorjahr, und selbstverständlich immer sozialverträglich. Kommen Zukäufe infrage? Das ist immer ein interessantes Thema. Punkt.

Konkreteres scheint sich bei der Sparte T-Systems abzuzeichnen. Schon länger ist bekannt, dass die Telekom einen Investor sucht. Dabei geht es um das Geschäftsfeld Systemintegration. Der Bereich der webzentrierten IT-Lösungen - einer der angesagtesten Wachstumsmärkte der Branche, bei dem Software von einzelnen PCs ins Internet ausgelagert wird - stehe nicht zur Disposition, wie Obermann betonte.

Für die Systemintegrationsabteilung steht eine "Partnerschaft" aber offenbar unmittelbar bevor. Die Gespräche mit einem potenziellen Partner seien "sehr weit" fortgeschritten und René Obermann rechnet mit einem baldigen Abschluss: "Das bedeutet innerhalb von Tagen und Wochen." Medienberichten zufolge werden dem amerikanischen Unternehmen Cognizant die größten Chancen eingeräumt.

Die Bilanz der Telekom für 2007 ist auch nach Ansicht eines Händlers positiv ausgefallen. "Umsatz und Ebitda lagen innerhalb unserer Erwartungen, das Ergebnis nach Steuern fiel sogar etwas besser aus", sagte er . Alles in allem habe es aber "keine große Überraschung" gegeben und die bestätigte Prognose eines Ebitda auf Vorjahresniveau im laufenden Jahr sei "wenig dynamisch". Ein weiterer Händler äußerte sich kritischer: Zwischen bereinigten und berichteten Zahlen gebe es erhebliche Abweichungen, die der Konzern noch zu erklären habe.

Kräftige Zuwächse in Osteuropa

Kräftige Zuwächse in Osteuropa

Der Umsatz sank im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro, was der Konzern mit dem rückläufigen Geschäft auf ihrem Heimatmarkt sowie dem schwachen Dollar begründet. T-Mobile USA wies zwar kräftige Zuwächse aus, allerdings blieb der Umsatz in Euro gerechnet wegen Währungseffekten auf dem Vorjahresniveau.

Hinzu kommt ein verschärfter Wettbewerb um Kunden, der sich im Schlussquartal 2007 bemerkbar machte. Beim operativen Gewinn und den Kundenzahlen gehört die US-Mobilfunktochter weiter zu den Gewinnbringern, allerdings mit gedämpften Wachstumsraten.

Kräftige Zuwächse weisen die Töchter in Osteuropa aus, die die Telekom mit der Komplettübernahme des polnischen Mobilfunkanbieters PTC gestärkt hat. Mit dem Wachstum der Auslandssparte verschafft sich die Telekom Zeit, um das Geschäft in Deutschland zu stabilisieren.

Wegen der Belastungen für den Personalumbau sowie einer höheren Steuerlast brach der Überschuss im Gesamtjahr um 82 Prozent auf 569 Millionen Euro ein.

Dies ist nur ein Bruchteil dessen, was die Telekom für 2007 an ihre Aktionäre ausschütten will. Der Konzern will pro Aktie 0,78 Euro zahlen - insgesamt beläuft sich die Dividende damit auf 3,4 Milliarden Euro. Rund eine Milliarde Euro fließt davon an den Hauptaktionär Bund. Der Konzern orientiert sich bei der Höhe der Ausschüttung nach eigenen Angaben am freien Kapitalfluss.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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