Berliner Zeitung Redakteure verklagen Chefredakteur

Die Redakteurinnen und Redakteure der Berliner Zeitung ziehen gegen den eigenen Chefredakteur vor Gericht. Seine Machtfülle verstoße gegen das Redaktionsstatut. Zudem fordern sie seinen Rücktritt als Chefredakteur, weil er die Zeitung nicht vernünftig führe.

Berlin - Die Redaktion der "Berliner Zeitung" bereitet eine Klage gegen ihren Chefredakteur Josef Depenbrock vor. Der Schriftsatz solle noch in der nächsten Woche bei Gericht eingereicht werden bestätigte Hendrik Zörner, Sprecher der Deutschen Journalisten-Verbands.

Der Verband finanziere gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi die Klage des Redaktionsausschusses. Sie richte sich dagegen, dass Depenbrock nicht nur die Redaktion führe, sondern als Geschäftsführer auch den Berliner Verlag/Deutsche Zeitungsholding, in dem die Zeitung erscheint. "Das ist einmalig in der deutschen Presselandschaft - im negativen Sinne", sagte Zörner. Die Doppelfunktion verstoße gegen das Redaktionsstatut der "Berliner Zeitung", das auch Depenbrock unterzeichnet habe.

In der vergangenen Woche hatte die Redaktion in einem offenen Brief den Rücktritt des 46-Jährigen gefordert. Darin heißt es, nach fast zwei Jahren der Amtsführung sei Depenbrock "entweder nicht willens oder nicht in der Lage, die Redaktion angemessen zu führen". Zörner sagte am Samstag: "Sofern Herr Depenbrock nicht vorher einlenkt, hilft nur noch der Rechtsweg." Die Redaktion wehrt sich nicht zuletzt gegen den Sparkurs Depenbrocks, der unter anderem frei werdende Stellen nur selten wieder besetze. Die Zeitung stehe damit in Gefahr, dass weniger gute Artikel erschienen.

Ende 2005 hatte die Mecom Group des britischen Investors David Montgomery den Verlag übernommen, zu dem auch der "Berliner Kurier" und das Stadtmagazin "tip" gehört, sowie später auch die "Hamburger Morgenpost". Kritiker werfen ihm vor, die Blätter ohne Achtung vor der journalistischen Qualität auf Rendite trimmen zu wollen. Depenbrock - früher Chefredakteur und Geschäftsführer der "Hamburger Morgenpost" - steht seit Mai 2006 an der Spitze der Redaktion in Berlin.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.