Ryanair Drei Tage Zwangspause

Wer aufgrund des trüben Februarwetters an diesem Wochenende bei Ryanair einen Trip in den Süden buchen möchte, hat Pech gehabt. Weil ein neues Buchungssystem installiert wird, ist die Website des Billigfliegers für 73 Stunden lahm gelegt.

London - Beim Billigflieger Ryanair  sind an diesem Wochenende weder neue Flugbuchungen noch das Einchecken im Internet möglich. Vom Freitag, 22. Februar, um 22 Uhr bis Montag, 25. Februar, um 23 Uhr wird die Website des Unternehmens umgebaut. Darauf weist das Unternehmen in London-Stansted hin. Ihre Bordkarten erhalten alle in dieser Zeit abfliegenden Passagiere am Flughafen.

Für Fluggäste, die normalerweise die Möglichkeit des Online-Checkins nutzen, sollen keine zusätzlichen Kosten entstehen. Dies betreffe allerdings nur Fluggäste, die ausschließlich mit Handgepäck reisen. Alle anderen müssen weiterhin die immer anfallenden Gebühren für die Inanspruchnahme der Flughafenschalter entrichten. Der Flugverkehr selbst bleibe von den Veränderungen im Onlineportal unberührt, so Ryanair. Wenn sich Abflugzeiten verschieben, sollen Passagiere per E-Mail oder Fax benachrichtigt werden.

"Es handelt sich um zwei komplett unterschiedliche Datensysteme, die sich nicht anders austauschen lassen", sagte Ryanair-Marketingmanagerin Anja Seugling. Das alte System lasse nur bis zu 50 Millionen Buchungen im Jahr zu, die in Kürze erreicht würden. Das neue System sei auf bis zu 200 Millionen Buchungen im Jahr ausgelegt. Wie das neue Buchungsportal nach der Umstellung genau aussehen wird, ließ die Unternehmenssprecherin offen.

Verwunderung über das Vorgehen

Bei anderen Fluggesellschaften sorgt das Vorgehen von Ryanair für Verwunderung. "Das ist schon sehr erstaunlich, drei Tage abzuschalten. Sicherlich ist das günstiger. Aber inzwischen ist es Standard, ein neues Buchungssystem einfach parallel laufen zu lassen und dann umzuschalten ohne Unterbrechung", sagte ein IT-Experte einer deutschen Fluggesellschaft, der nicht genannt werden möchte.

Im Zuge des wachsenden Onlinegeschäfts haben etliche Fluggesellschaften in den vergangenen Jahren ihre Internetsysteme erneuert und ausgebaut. Dabei wird im Regelfall das neue System mehrere Tage im Hintergrund getestet und dann auf Knopfdruck in Betrieb genommen. "Wenn es dann Probleme gibt, kann man immer noch mal auf das alte System zurückgreifen", sagte der IT-Experte.

"Wir würden die Unterbrechung natürlich gern kürzer halten", sagte Seugling. "Aber unsere IT-Experten und unsere IT-Partnerfirma sagen, dass das nicht möglich ist."

Es gibt auch Spekulationen darüber, dass es noch einen anderen Grund für die dreitägige Onlineabstinenz des Billigfliegers gibt. Ryanair war zuletzt aufgrund der Darstellung der Flugkosten in einen Konflikt mit der britischen Verbraucherschutzbehörde Office of Fair Trading (OFT) geraten. Diese hatte eine Beseitigung irreführender Preisangaben gefordert. Dass die dreitägige Pause mit einen Verstoß gegen die von der OFT gesetzte Frist zusammenhängt, dementierte Ryanair aber gegenüber manager-magazin.de.

Teuer wird das Schließen des Buchungsportals auf jeden Fall. Rechnet man den Jahresumsatz auf drei Tage hinunter, wären das laut der "Financial Times Deutschland" rund 20 Millionen Euro Verlust. Doch Ryanair-Chef Michael O'Leary habe den Relaunch seiner Website in die buchungsärmste Zeit des Jahres gelegt und könne mit weniger Kosten davonkommen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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