T-Systems Wunschkandidat gefunden

Fast ein Jahr nach Beginn der Partnersuche hat sich offenbar ein bereitwilliger IT-Dienstleister für T-Systems gefunden. Die Telekom-Sparte steht Berichten zufolge kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen mit dem amerikanischen Unternehmen Cognizant. Von einer Kooperation würden beide Unternehmen stark profitieren.

Bonn – T-Systems verhandele derzeit mit dem amerikanischen IT-Dienstleister Cognizant  über eine Kooperation, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa-afx aus dem Umfeld der Deutschen Telekom . Auch die "Computerwoche" berichtete zuvor, dass Cognizant der Wunschpartner der Geschäftskundensparte sei.

T-Systems wollte die Spekulationen nicht bestätigen. Unternehmenssprecher Harald Lindlar sagte gegenüber manager-magazin.de lediglich: "Wir befinden uns mit drei Partnern in sehr fortgeschrittenen Verhandlungen." Neben Cognizant werden der indische IT-Dienstleister Tata Consultancy Services und die kanadische CGI Group als verbliebene Interessenten gehandelt.

Telekom-Chef René Obermann sucht bereits seit März vergangenen Jahres einen Partner für die Geschäftskundensparte. Vor allem der hohe Personalbestand von rund 56.000 Mitarbeitern schreckte bisher alle Interessenten ab. Deshalb will T-Systems-Chef Reinhard Clemens jetzt nur noch die Systemintegrationssparte (SI), in der lediglich 18.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, an den Mann bringen.

Verhandlungen mit Tata gescheitert

Von den drei möglichen Partnern ist Cognizant derzeit die wahrscheinlichste Lösung. Die Verhandlungen mit Tata sollen der "Financial Times Deutschland" zufolge bereits gescheitert sein. Unterschiedliche Vorstellungen, über wessen Bücher die Geschäfte laufen sollen, haben eine Einigung offenbar verhindert. Auch Bedenken der Inder wegen der hohen Lohnkosten konnte T-Systems wohl nicht vollständig ausräumen.

Mit Cognizant strebe die Telekom-Tochter der "Computerwoche" zufolge keine Fusion an, sondern eine Partnerschaft. Dabei solle der 1994 gegründete IT-Dienstleister mit seinen 55.000 Mitarbeitern die Produktion der IT-Leistungen für SI übernehmen, während sich T-Systems um die Kundenansprache kümmert. Die Geschäftskundensparte käme dadurch Zugang zu enormen Offshore-Kapazitäten und könnte ihre Leistungen endlich zu günstigeren Konditionen anbieten. Cognizant wiederum könnte seine Ressourcen besser auslasten und sich Zugang zum europäischen Markt verschaffen. Langfristig könne die Partnerschaft in einer finanziellen Verflechtung oder sogar in einem Verkauf münden.

Auch intern wird umgebaut

Auch intern wird umgebaut

T-Systems gilt als Sorgenkind der Deutschen Telekom . Der Geschäftskundensparte fehlt die internationale Ausrichtung, weil sie ihre Dienstleistungen durch die beträchtlichen Lohnkosten nur zu vergleichsweise hohen Preisen anbieten kann. Das Unternehmen beschäftigt gerade einmal 3000 Mitarbeiter in Niedriglohnländern. Zum Vergleich: IBM  zählt zehnmal so viele.

Neben der angestrebten Partnerschaft für SI, die für die notwendige Internationalisierung und Kostenreduktion sorgen soll, will der seit dem 1. Dezember 2007 amtierende Clemens die Betriebsabläufe bei den restlichen Geschäftsbereichen vereinfachen und die Gesellschaft stärker auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten. Bei T-Systems seien zu viele Leute involviert und die Prozesse seien zu komplex, hatte er bei Amtsantritt vor Mitarbeitern gesagt. "Ich glaube, wir müssen unser Geschäft einfach fundamental vereinfachen."

Mittelfristig sollen daher die bislang voneinander getrennten Bereiche Enterprise Services (Großkunden) und Business Services (Mittelstandskunden) stärker miteinander verzahnt werden, langfristig womöglich sogar miteinander verschmolzen werden. Bereits seit dem 15. Januar gibt es mit Joachim Langmack einen Vertriebschef für beide Einheiten. Zudem sollen die IT- und Telekommunikationsdienstleistungen in der Produktion zusammengelegt werden.

Am 27. Februar wird Spartenchef Clemens dem Telekom-Aufsichtsrat seine Strategie für T-Systems vorlegen. Dann werden die Mitarbeiter und Kunden nach einem Jahr der Ungewissheit möglicherweise endlich Klarheit darüber haben, wie es mit der kränkelnden Geschäftskundensparte weitergeht.

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