Toshiba Abschied von der HD-DVD?

Im Formatstreit um die Nachfolge der DVD bahnt sich eine Entscheidung an. Toshiba prüft den Ausstieg aus der HD-DVD-Produktion. Sollte der Konzern die Technologie aufgeben, dürfte das den endgültigen Sieg für die Blu-ray-Disk bedeuten.

New York/Tokio - Der Elektronikkonzern Toshiba  könnte schon in den kommenden Tagen die Einstellung des Formats bekannt geben. Nach entsprechenden Medienberichten vom Wochenende teilte der japanische Konzern am Montag mit, dass die Einstellung dieses Geschäftsbereichs geprüft würde.

Eine Entscheidung wird für Dienstag erwartet, wenn nach Informationen aus Firmenkreisen eine Sitzung des Verwaltungsrats geplant ist. Da Toshiba die treibende Kraft hinter der HD-DVD ist, dürfte die Aufgabe durch den Konzern das Aus für die Technologie insgesamt bedeuten.

Am Freitag hatte der amerikanische Einzelhandelsriese Wal-Mart angekündigt, die HD-DVD aus den Regalen zu nehmen. Da Wal-Mart der größte Verkäufer von CDs und DVDs in den USA ist, hatten sich die Aussichten für das HD-DVD-Format damit dramatisch verschlechtert.

Langsame Verbreitung

Die Blu-ray-Disc und die HD-DVD sind Formate für Video in hoher Bildauflösung. Die weit verbreitete herkömmliche DVD hat nicht genügend Kapazität, um das größere Datenvolumen hochaufgelöster Filme zu speichern. Die höhere Auflösung bedeutet eine deutlich bessere Bildqualität, die auf modernen Flachbildfernsehern zur Geltung kommt. Beide neuen Standards hatten sich nur sehr langsam im Markt verbreitet. Mit der Verbreitung von HD-tauglichen Fernsehern steigt aber auch der Bedarf an passenden Datenträgern an.

Sollte Toshiba die HD-DVD aufgeben, könnten die Hollywood-Studios Paramount und Universal Pictures sofort ins Blu-ray-Lager wechseln, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. Laut früheren Medienberichten sollen sie bis Ende des Jahres noch an die HD-DVD gebunden sein. Paramount und Universal sind die beiden letzten verbliebenen großen Hollywood-Studios, die ihre Filme in hoher Auflösung noch auf HD-DVD-Scheiben veröffentlichen.

Allein schon die Marktmacht von Wal-Mart zwingt sie, über einen Wechsel zur Blu-ray nachzudenken. Wal-Mart will die HD-DVD bis spätestens Juni aus dem Sortiment entfernen, konventionelle DVDs sollen nach wie vor angeboten werden.

Wende im Formatstreit

Wende im Formatstreit

Als Wende in dem lange festgefahrenen Formatstreit war bereits gesehen worden, dass das Hollywood-Schwergewicht Warner Bros. Anfang des Jahres die Unterstützung der HD-DVD aufgab. Warner ist die weltweite Nummer eins im Videomarkt. Vor einigen Tagen kündigten zudem der größte amerikanische Elektronikhändler Best und der führende Onlinevideoverleih Netflix ebenfalls an, die HD-DVD fallenzulassen. Hinter dem Blu-ray-Format stehen Elektronikriesen wie Sony , Philips  oder Panasonic.

Toshiba  gewann für die HD-DVD die Unterstützung des Windows-Konzerns Microsoft . Die Blu-ray-Scheiben haben etwas mehr Kapazität, während die HD-DVD günstiger in der Produktion ist. Das HD-DVD-Lager setzte sehr stark auf diesen Kostenvorteil, während bei der Blu-ray wie erwartet Sonys Spielekonsole PlayStation 3 für einen Schub sorgte. Das Gerät hat ein eingebautes Blu-ray-Laufwerk.

Die Verbraucher hielten sich bisher mit der Annahme beider Standards zurück. Zum einen wird das mit der Verunsicherung durch den Formatstreit erklärt, zum anderen sind nach Einschätzung von Marktforschern viele immer noch mit der DVD zufrieden. Außerdem gewinnt der Onlinevertrieb von Filmen an Bedeutung, was einige in der Industrie zu der Einschätzung bringt, dass das künftige HD-Medienformat keine große Bedeutung mehr habe.

Halbleiterproduktion ankurbeln

Der mögliche Ausstieg aus dem HD-DVD-Format war am Wochenende nicht die einzige Nachricht, mit der Toshiba in die Schlagzeilen geriet. Der japanische Elektronikkonzern und sein US-Partner SanDisk wollen Medienberichten zufolge gemeinsam rund 1,8 Billionen Yen (11,4 Milliarden Euro) in den Ausbau ihrer Halbleiterproduktion investieren.

Zu diesem Zweck wolle Toshiba im nächsten Geschäftsjahr 2008/2009 (1. April) zwei neue Fabriken für NAND-Chips in Japan bauen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Eine Toshiba-Sprecherin sagte dazu, der Konzern habe zwar Baupläne, es sei jedoch noch nichts entschieden. Medien zufolge will Toshiba eine Entscheidung zu den beiden neuen Werken noch in dieser Woche fällen.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa-afx

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