Infineon "Der Weg ist weiter"

Bei dem angeschlagenen Halbleiterhersteller Infineon wird der Ton schärfer. Aufsichtsrat und Aktionäre machten auf der Hauptversammlung Druck auf die Unternehmensführung. Der Weg zur Trennung von der defizitären Speicherchiptochter Qimonda ist jetzt frei.

München - Mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,7 Prozent des anwesenden Grundkapitals nahmen die Anteilseigner auf der Hauptversammlung von Infineon  den Vorschlag des Vorstands an, Qimonda  zur Not als Sachdividende an sie auszuschütten. Die Möglichkeit, Qimonda-Aktien gegen Infineon-Papiere einzutauschen, befürworteten 99,2 Prozent.

Die Speicherchiptochter hatte wegen eines drastischen Preisverfalls im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2007/08 (30. September) einen Rekordverlust von 598 Millionen Euro verbucht und so maßgeblich zum Infineon-Verlust in Höhe von 396 Millionen Euro im gleichen Zeitraum beigetragen.

Ein Verkauf von Qimonda an einen Investor ist ebenfalls weiter möglich. Dazu würden auch Gespräche geführt, sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart. Namen möglicher Interessenten nannte er nicht. Binnen zwölf Monaten will Ziebart den Anteil an Qimonda in jedem Fall von derzeit 77,5 auf "deutlich unter 50 Prozent" senken.

Unzufriedene Aktionäre drängten auf Gewinne

Der Infineon-Vorstand ist auf der Hauptversammlung scharf kritisiert worden. Die anhaltenden Verluste des Konzerns seien unbefriedigend, sagte Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley. Es müssten mehr Anstrengungen unternommen werden, Infineon endlich profitabel zu machen. "Wenn uns schon der Markt nicht hilft, dann muss auf der Kostenseite mehr geschehen", mahnte Kley.

Unzufriedene Aktionäre drängten nach den jahrelangen Verlusten endlich auf Gewinne. "Infineon macht es einem als Aktionär schwer, nicht die Geduld zu verlieren", sagte Verena Brendel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Ziebart räumte ein, die Schwierigkeiten bei der Sanierung des Hauses unterschätzt zu haben. Die Trennung von der Speicherchiptochter Qimonda und die Behebung der Probleme in der Kommunikationssparte nähmen mehr Zeit in Anspruch, als ursprünglich geplant war. Infineon sei "auf dem richtigen Weg, aber der Weg ist weiter, als wir dachten", sagte Ziebart vor rund 2500 Aktionären. Das Management strenge sich an, um eine Trendwende herbeizuführen. "Wir sind noch nicht am Ende unserer Kärrnerarbeit." Bereits gestern hatte Ziebart eingeräumt, Fehler bei der geplanten Trennung von Qimonda gemacht zu haben.

Verhaltener Ausblick

Verhaltener Ausblick

Den verhaltenen Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte Ziebart bei der Hauptversammlung. In der Sparte Kommunikationslösungen seien bei einem Umsatzplus um 25 bis 30 Prozent rote Zahlen beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zu erwarten. Im Bereich Auto/Industrie erwartet das Unternehmen einen leichten Rückgang bei Umsatz und Ebit.

Der Umsatz von Infineon  ohne Qimonda  von zuletzt 4,1 Milliarden Euro soll insgesamt um einen hohen einstelligen Prozentbetrag zulegen. Ohne Sondereffekte peilt Infineon eine positive Ebit-Marge im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich an.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Infineon auch unter der Dollarschwäche gelitten. Sie belastete den Umsatz um 470 Millionen Euro und das Ebit um rund 190 Millionen Euro. "Pro Eurocent Veränderung der Währungsparität verändert sich unser Ebit pro Jahr um circa acht Millionen Euro", sagte Ziebart. Das gelte für das Kerngeschäft, also ohne Qimonda.

Auch künftig dürften die Wechselkurseffekte eine Belastung für den Konzern bleiben. "Die weitere Stärkung des Euro zum Dollar macht uns weiter zu schaffen, denn in der Halbleiterindustrie ist der Dollar die Leitwährung", sagte Ziebart.

Die Pläne zur Konzentration auf die Themen Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit bekräftigte Ziebart. "In allen Bereichen sind hohe Zuwachsraten zu erwarten, von denen wir mit unseren innovativen Produkten profitieren können."

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ap und reuters

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