Jahreszahlen Premiere sieht rot

Der Bezahlsender Premiere hat seinen Verlust im vergangenen Jahr zwar verringert, aber erneut rote Zahlen geschrieben. Wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Fußball-Bundesliga-Rechte verzichtete das Unternehmen zudem auf eine Prognose für 2008.

München - Der Nettoverlust sei im vergangenen Jahr von 161,5 auf 51,6 Millionen Euro deutlich reduziert worden, teilte Premiere  am Donnerstag bei der Vorlage der endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2007 mit. Das Minus fiel damit aber immer noch höher aus als von Analysten erwartet.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern verbesserte sich von Minus 40,7 Millionen Euro auf einen Fehlbetrag von 10,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Vor Abschreibungen gab es Zuwächse von knapp 74 Prozent auf 83,4 Millionen Euro.

Premiere zufolge waren auch die Umsätze rückläufig. Die Erlöse reduzierten sich von 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr auf 984,5 Millionen Euro in 2007. Das Unternehmen zählte Ende des vergangenen Jahres rund 4,3 Millionen Abonnenten.

Eine Prognose für das laufende Jahr wollte der Bezahlsender nicht abgeben. Grund ist die Unsicherheit im Zuge der Vergabe der Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga, bei der nun Medienmogul Leo Kirch ab der Spielzeit 2009/10 als Zwischenhändler für die Deutsche Fußball Liga (DFL) ein gehöriges Wort mitzureden hat. Zudem sei eine weitere Beeinträchtigung des Geschäfts durch "Schwarzseher" möglich, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Premiere werde daher massiv die Kosten senken, um einen zweistelligen Millionenbetrag einzusparen.

Nachdem die DFL im Herbst Kirch als Zwischenhändler zur Vermarktung der Rechte eingeschaltet hatte, kassierte Premiere im November bereits seine Prognose für 2008. Kunden könnten sich wegen der Unsicherheit über den Ausgang der noch ausstehenden Rechte-Auktion verabschieden oder potenziell neue Abonnenten mit einem Vertragsabschluss zögern. Gleichwohl rechne sich Premiere in dem Verfahren "sehr gute Chancen" aus, bekräftigte der Vorstand am Donnerstag.

Premiere will mehr Exklusivität

Premiere will mehr Exklusivität

Klare Präferenz im Falle des Zuschlags liege auf einer stärkeren Übertragungsexklusivität an Samstagen. Dem zuwider liefen jedoch Pläne von DFL und Kirch, die Berichterstattung künftig in die eigenen Hände zu nehmen und mit den Rechten als Paket zu verkaufen. Dies hält der Bezahlsender, der seine Übertragungen selbst produziert, für nicht zulässig und hat sich an das Bundeskartellamt gewandt. Die DFL ist in dem Punkt jedoch unnachgiebig und besteht auf einer Abnahme des dann selbst produzierten Programms im Pay-TV.

Bedenken, dass dadurch journalistische Unabhängigkeit sowie Qualität verloren gingen, versuchte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zu zerstreuen. "Hofberichterstattung wird es nicht geben", sagte er in einem aktuellen Interview mit der Fußball-Zeitschrift "Kicker".

Neben den Unsicherheiten beim Zugpferd Bundesliga machen Premiere  derzeit auch "Schwarzseher" gehörig zu schaffen. Wie Premiere vor gut einer Woche bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen einräumte, knackten Computerhacker die Verschlüsselung des Programms und vermiesten Premiere damit schon das lukrative Weihnachtsgeschäft.

Der Hersteller des Verschlüsselungssystems, die schweizerische Kudelski , muss nun ein neues System entwickeln. Erst ab April kann daher mit dem Austausch der sogenannten Smartcards begonnen werden. Bis spätestens September soll der Tausch abgeschlossen sein.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

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