Computerviren Kriminelle Valentinsgrüße

Früher kamen Liebesbotschaften mit der Post, heute per E-Mail. Wer allerdings am Valentinstag Liebesgrüße in seinem elektronischen Postfach findet, sollte sich gut überlegen, ob er sie öffnet. Denn die ein oder andere Nachricht bringt statt erhoffter Romantik nur Viren mit sich. Mindestens zwei Valentinswürmer sind im Umlauf.

Düsseldorf - "Ich liebe dich so sehr", "Du bist in meinen Träumen", "Liebe ist...": Vermeintlich wahre Romantik im Betreff öffnet nicht nur das menschliche Herz, sondern unentdeckt auch die Hintertür des Computers. Hinter dem nächsten Klick steckt das Schlamassel: Der PC ist infiziert, wird zur Marionette Fremder.

"Das wird immer funktionieren", sagt Markus Mertes vom Antivirensoftware-Entwickler Panda Security. "Die Leute fallen immer wieder darauf rein." Auch in diesem Jahr werden unzählige Standardliebesschwüre in den elektronischen Postfächern landen - von bekannten und unbekannten Absendern. Die Gefahr verbirgt sich meist hinter dem Link zu einer Internetseite oder hängt dem "Liebesbrief" als Bild oder Grußkarte getarnt an. Per Mausklick wird unbemerkt ein Programm, der Wurm, aktiviert.

Derzeit sind mindestens zwei Valentinswürmer unterwegs: "Nuwar.OL" leitet den Neugierigen per Link auf eine Webseite mit romantischen Grüßen und einem rosa Herz. "Valentin.E" erweckt Hoffnung auf neue Bekanntschaften und hängt der Mail die "friends4u"-Datei an. Werden die Programme installiert, kriechen die Würmer aus den Schlupflöchern.

Was die Würmer anrichten

"Der Wurm kopiert sich selbstständig und verteilt sich dann über die auf dem Computer gespeicherten Kontakte", erklärt Mertes. Die Folge: Er landet im Posteingang von Freunden, Bekannten oder Geschäftspartnern und wirkt auf die Empfänger vertrauenswürdig, denn der Absender ist ihnen bekannt. Wird der Wurm von ihnen ebenfalls aktiviert, verbreitet er sich weiter.

Hintergrund für die Angriffe auf Rechner ist "das schnöde Geld", sagt Candid Wüest, Sicherheitsexperte beim Antivirenspezialisten Symantec. Die infizierten Computer erweisen sich als wahre Goldgrube für Cyberkriminelle. E-Mail-Adressen werden verkauft, infizierte Rechner für das Versenden von unerwünschten (Spam-)Mails vermietet, vertrauliche Daten vom Onlinebanking oder dem Kreditkartenkauf werden ausspioniert und gehandelt. Infizierte Rechner werden auch für Angriffe auf Internetseiten und ihre Server missbraucht.

Organisierter Cyberkriminalismus

"Das ist ein Milliardengeschäft", sagt Wüest. Ein Geschäft, dass weitere kriminelle Handlungen nach sich zieht, denn die "Einnahmen" müssen "gewaschen" werden. "Dahinter steckt definitiv organisierter Cyberkriminalismus", sagt Wüest. Die Fäden reichen nach Russland, China und in die USA. "2006 wurde mit Onlinediebstahl weit mehr erwirtschaftet als mit Drogenhandel und Prostitution", sagt Mertes.

Was aber tun, wenn Neugier die Vorsicht überrannt hat? "Wer Bedenken hat, sollte zunächst ruhig bleiben", rät Wüest. Ist eine Antivirensoftware installiert, sollten alle Daten auf eine mögliche Infektion hin überprüft werden. "Bis dahin auf Onlinebanking und Kreditkarteneinkäufe verzichten", empfiehlt Wüest. Ist der PC wieder "sauber", sollten alle wichtigen Passwörter geändert werden. Auf der sicheren Seite ist, wer seine Neugier etwas zurückschraubt oder zum Valentinstag die gute alte Papierkarte verschickt. "Das ist sowieso viel romantischer", findet Wüest.

Beide Unternehmen bieten im Internet einen kostenlosen Onlinevirencheck an. Für Privatanwender hält Panda Security auf der Seite www.infectedornot.com  einen Schnell- und auch einen Kompletttest an. Für Unternehmen steht unter www.malwareradar.com  ein Netzwerkcheck bereit. Auch Symantec bietet auf der Homepage www.symantec.com/de/de  einen aktuellen Virentest an.

Alexandra Balzer, dpa

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