Mobilfunk Branchentreffen in Barcelona

Eine der wichtigsten Messen der Mobilfunkbranche, der Mobile World Congress, hat heute in Barcelona ihre Pforten geöffnet. Topmanager der großen Anbieter diskutieren über die neuen Handytrends, mobile Datendienste und Googles Betriebssystem Android.

Barcelona - Heute beginnt die wichtigste Messe der Mobilfunkbranche, der Mobile World Congress in Barcelona, bisher bekannt unter dem Namen "3GSM". Bis zum kommenden Donnerstag diskutieren zahlreiche Branchengrößen wie Nokia  oder T-Mobile über die Trends der Branche und präsentieren ihre neuen Geräte.

Im Rampenlicht dürfte vor allem das mobile Internet stehen. Schwergewichte wie Apple  und Google  drängen ins Mobilfunkgeschäft und verändern das Kräfteverhältnis und die Spielregeln. Zudem lässt das Wachstum in den westlichen Ländern weiter nach, während die Märkte in Asien oder Afrika überproportional wachsen.

Um die sinkenden Sprachumsätze in Europa und den USA zu kompensieren, wollen die Mobilfunkkonzerne ihr Angebot an Datendiensten deutlich ausweiten. An dem iPhone von Apple  zeigt sich bereits, dass die mobile Internetnutzung durch das einfach zu bedienende Telefon deutlich zunimmt. "Die durchschnittliche Internetnutzung eines iPhone-Kunden (...) liegt um das 30fache über der Nutzung des durchschnittlichen privaten Vertragskunden", berichtet der Deutschland-Chef von T-Mobile, Philipp Humm.

Android-Prototypen erwartet

Nokia versucht sich deshalb an dem Aufbau eines Portals namens Ovi, bisher allerdings nur mit mäßigem Erfolg: Das groß angekündigte Musikangebot startete bisher erst in Großbritannien, der Spieledienst N-Gage wurde wegen technischer Schwierigkeiten verzögert. Die Londoner "Times" berichtete nun, das britische Unternehmen Omnifone wolle in Barcelona Nokia die Schau stehlen und ein eigenes Musikhandy mit Zugang zu Songs der großen Musikkonzerne vorstellen.

Mit Spannung werden auch die ersten Prototypen erwartet, auf denen das von Google initiierte Handy-Betriebssystem Android installiert ist. Angesicht von Googles Dominanz im Internet-Werbemarkt trauen Branchenbeobachter dem Suchmaschinen-Primus zu, auch mit Werbung auf dem Handy erfolgreich zu sein. Als ein Schlüssel dafür werden ortsbezogene Dienste gesehen. Mit der Verbreitung von Handys, die - ob über GPS oder mit anderen Mitteln - ihren Standort erkennen, können den Nutzern gezielt Angebote zum Beispiel von Kaufhäusern oder Restaurants in ihrer Nähe aufs Telefon gesendet werden.

Der weltgrößte Chiphersteller Intel dürfte Prototypen seiner mobilen Minicomputer (MID) nach Barcelona mitbringen, die mit den neuen Silverthorne-Prozessoren eine hohe Rechenleistung mit geringem Stromverbrauch verbinden sollen. Bisher scheitert eine breitere Internetnutzung unterwegs unter anderem daran, dass die Geräte die Akkus binnen weniger Stunden leersaugen.

Wer mit wem?

Wer mit wem?

Neben diesen Themen rücken auf der Mobilfunk-Konferenz schnelle Netze und mobiles Banking in den Mittelpunkt. Geredet wird aber auch über die Konsolidierung der Branche - und das auf hohem Niveau, denn bei keiner anderen Veranstaltung ist die Dichte der Topmanager so hoch wie auf dem überschaubaren Messegelände Barcelonas.

Vor genau einem Jahr etwa fädelte Vodafone-Chef Arun Sarin den Einstieg des Weltmarktführers in Indien ein. Mit dem Ausbau der Präsenz in Asien und Afrika will Vodafone  sein langfristiges Wachstum sichern - ein Trend, dem auch France Telecom  und die spanische Telefonica  folgen.

Die Deutsche Telekom  hingegen hält sich zurück mit Akquisitionen in Schwellenländern. Nach Einschätzung von Experten könnte dies ein Fehler sein, da die Bonner damit weiter hinter Telefónica zurückfallen könnten. So rechnen Marktforscher mit einem ungebrochenen Wachstum vor allem in Indien und China. Bereits heute telefonieren in China mit über einer halben Milliarde mehr Menschen mit dem Handy als Europa überhaupt Einwohner hat.

Chinesische Firmen erobern den Markt

Angeheizt von der Nachfrage aus den Schwellenländern wuchs die Zahl der weltweiten Handykunden bis Ende 2007 auf 3,2 Milliarden - 1,2 Milliarden mehr als zwei Jahre zuvor. Wachstumstreiber sind vor allem China und Indien.

Mit dem Wachstumsschub wächst das Selbstvertrauen der Unternehmen aus den beiden Ländern. So setzen die chinesischen Telekomausrüster ZTE und Huawei die Marktführer Ericsson , Nokia Siemens Networks und Alcatel-Lucent  zunehmend unter Druck. Die Chinesen bemühen sich zudem um die Entwicklung eines eigenen Mobilfunkstandards, der nach Einschätzung von Experten den von den Europäern favorisierten GSM- und UMTS-Standard ablösen könnte.

Auch die Handyhersteller müssen sich auf den Geschmack der Asiaten und Afrikanern einstellen. Gefragt sind dort vor allem günstige Modelle, weswegen Nokia und Co. weite Teile ihrer Produktion und Entwicklung in Niedriglohnländer verlagert haben. Zu spüren bekamen dies zuletzt die Nokia-Beschäftigten in Bochum, deren Werk dichtgemacht werden soll. Mit dem Schritt will der Weltmarktführer die Konkurrenten von Samsung  und Motorola  auf Distanz halten und seine Margen sichern.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx

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