Ebay Aufstand der Verkäufer

Die Ankündigung drastischer Änderungen beim Ebay-Bewertungssystem hat bei den Nutzern wütende Proteste ausgelöst. Der Widerstand reicht von Klagedrohungen bis zur Ankündigung von Verkaufsstreiks. Empört sind vor allem die Verkäufer, die sich bei den neuen Auktionsregeln im Nachteil gegenüber faulen Kunden sehen.

Hamburg – Bei Ebay  wird sich künftig nicht nur die Gebührenstruktur ändern, sondern auch das Bewertungssystem. Schon in wenigen Wochen sollen Verkäufer keine negativen Beurteilungen mehr über Käufer abgeben können. Die neuen Regeln werden noch in diesem Jahr in Deutschland eingeführt.

Wann genau das neue System hierzulande wirksam wird, stehe noch nicht fest, sagte Unternehmenssprecher Nerses Chopurian. Einzelheiten zu den Änderungen wird das Unternehmen am kommenden Montag in Berlin bekanntgeben. Laut "Handelsblatt" müssen sich deutsche Ebay-Verkäufer ab Frühsommer auf die Einführung der neuen Auktionsregeln gefasst machen.

"Auch in Deutschland werden die Änderungen lebhaft diskutiert", sagte Chopurian. Zahlreiche große Kunden hätten im Gespräch mit Ebay die Änderungen aber begrüßt. In den USA sollen die Änderungen zum kommenden Mai wirksam werden. In der Vergangenheit habe es vielfach Missbrauch bei Bewertungen gegeben, wiederholt hätten Verkäufer aus Rache kritischen Kunden selbst eine negative Bewertung verpasst. In der Folge hätten sich viele Käufer nicht mehr getraut, negative Bewertungen abzugeben.

Solche Missbrauchsfälle sollen künftig vermieden werden. "Solange der Käufer zahlt, ist keine negative Bewertung durch den Verkäufer nötig", sagt Chopurian. Ebay biete bereits Möglichkeiten an, säumige Käufer zu melden. "Die Verbesserung des Verkäuferservices werden wir künftig mit mehr Kapazität unterstützen."

Mit den neuen Bewertungsregeln und dem generalüberholten Gebührenmodell will sich Ebay dem wachsenden Konkurrenzdruck unter anderem durch den Onlinehändler Amazon  stellen.

Verkäufer in den USA protestieren

Verkäufer in den USA protestieren

Unterdessen haben zahlreiche Verkäufer in den USA das neue System kritisiert. Sie fürchten, sich nicht mehr gegen säumige Käufer wehren zu können. Denn mit den neuen Regeln würde das Bewertungssystem zur Einbahnstraße. Kunden können Verkäufer anschwärzen, umgekehrt aber soll das nicht mehr möglich sein. Wenig verblüffend also, dass die neuen Regeln die Verkäufer auf die Barrikaden treibt. Sie sehen ihre Position gegenüber säumigen oder faulen Kunden geschwächt.

Das System Ebay  fußt auf den gegenseitigen Bewertungen. Ebay stellt nur die Plattform für Verkäufe zur Verfügung. Von den Käufern wird in der Regel erwartet, dass sie einem Verkäufer nach Abschluss eines Geschäftes in Vorkasse den Preis überweisen, bevor dieser die Ware auf den Weg schickt. Die meisten Warenbetrugsdelikte über das Internet geschehen auch deshalb kaum überraschend nicht nur hierzulande über Ebay. Die Firma versucht, ihren Paypal-Service und Treuhänderdienste als Absicherung durchzusetzen, bisher aber handeln die meisten Ebay-Nutzer nach wie vor nach dem Vertrauen-gegen-Vertrauen-Prinzip.

Die einzige Absicherung stellt dabei der Blick auf das Bewertungsprofil des Handelspartners dar: Das enthält Informationen darüber, wie lange er aktiv ist, wie viele Bewertungen er bekommen hat und zu welcher Durchschnittsnote die sich summieren. Darüber hinaus werden auch die schriftlichen Bewertungen von "Alles supi!" bis "Schlecht verpackt, langsame Lieferung" gezeigt.

Schwachpunkt des Systems ist, dass man so gut wie alles behaupten kann und Beschwerden gegen Bewertungen von Ebay notorisch langsam bearbeitet werden - wenn überhaupt. Das ist eine Schwäche, über die Ebay selbst sich sehr wohl im Klaren ist und die möglicherweise dem eigenen Geschäft schadet. Beschwerden über Käufer könnten die Verkäufer weiterhin direkt bei Ebay abgeben. Ebay könne dann das betreffende Konto sperren.

John Donahoe, designierter neuer Ebay-Chef, hatte das neue Bewertungssystem bereits in der vergangenen Woche angekündigt. Die seitdem laufenden Proteste von Ebay-Verkäufern gegen diese einschneidende Änderung haben am Dienstag noch einmal frischen Wind bekommen, als Ebay die neuen Regeln auch über seine Webseite bekannt machte.

In Internetforen und vor allem auf den Ebay-Seiten protestieren Verkäufer gegen die Änderung des Bewertungssystems. Einige drohen mit Klage, andere rufen zum Streik der Verkäufer vom 18. bis 25. Februar auf. "Die Käufer können jeden Verkäufer meiden, der nicht zu 99 Prozent positiv beurteilt wurde. Aber der Verkäufer darf keinerlei negative Bewertung über Käufer abgeben? Das ist ja wirklich gerecht!", schreibt ein anonymer Verkäufer auf der Ebay-Seite in den USA.

SPIEGEL ONLINE

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