Premiere Hackerangriff bremst Wachstum

Der Bezahlsender Premiere hat das Geschäftsjahr 2007 mit weniger Umsatz als erwartet abgeschlossen. Schuld daran ist nach Angaben des Senders ein Hackerangriff, der die Verschlüsselungstechnik geknackt hat.

München - Das operative Ergebnis (Ebitda) von Premiere betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 83,4 Millionen Euro, teilte Premiere  am Mittwoch bei Vorlage vorläufiger Zahlen mit. 2006 waren es nur 48 Millionen Euro gewesen. Der Umsatz ging 2007 aber auf 985 Millionen Euro zurück, nachdem es im Jahr zuvor noch 1,05 Milliarden waren. Der Vorstand hatte zuletzt einen Umsatz von einer Milliarde Euro sowie ein Ebitda von 80 bis 100 Millionen in Aussicht gestellt. Die Premiere-Aktie lag im vorbörslichen Handel im Minus.

Ein Hackerangriff hat nach Angaben von Premiere das Wachstum des Senders gebremst. Die vom Schweizer Konzern Kudelski  hergestellte Verschlüsselungstechnik sei geknackt worden, räumte Premiere ein. Im Ausland hergestellte illegale Receiver, die den Empfang des Programms ohne Abonnement erlaubten, seien in Deutschland in größerem Umfang verkauft worden.

Das habe sich seit dem Weihnachtsgeschäft auch auf den Vertrieb ausgewirkt, hieß es. Die Folgen seien aber "nicht verheerend", sagte ein Sprecher von Premiere. Ab April will Premiere nun eine neue Verschlüsselungstechnik einführen. Die Smartcards würden ausgetauscht, auch die neuen kämen aber von Kudelski, betonte der Sprecher.

Ein seit Dienstag vorliegendes Gutachten habe die Sicherheitslücke aufgedeckt. Über Schadenersatzansprüche wolle Premiere mit den Schweizern reden, juristische Schritte seien aber nicht geplant.

Premiere war immer wieder das Ziel von Hackern, die versucht haben, die Verschlüsselungstechnologien zu knacken. Diesmal handelt es sich aber offenbar um einen schwerwiegenderen Fall, da Premiere explizit von wirtschaftlichen Auswirkungen spricht. "Wir hätten sicherlich noch besser abgeschnitten", sagte ein Premiere-Sprecher.

Nach dem vierten Quartal 2007 zählte Premiere 4,279 Millionen Abonnenten, davon seien 3,651 Millionen direkte Kunden und 628.000 indirekte Kunden über Arena und Unitymedia.

Premiere will am 14. Februar die vollständigen Geschäftszahlen für 2007 vorlegen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dpa-afx und reuters