Angriff auf Google Microsoft will Yahoo kaufen

Der US-Softwarekonzern Microsoft will die zweitgrößte Internetsuchmaschine Yahoo für 44,6 Milliarden Dollar übernehmen. Microsoft will damit seine Position im umkämpften Onlinemarkt ausbauen und Google attackieren. Die Aktie von Yahoo klettert um 60 Prozent.

Redmond - Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft  will das Onlineunternehmen Yahoo übernehmen und dafür 31 Dollar je Anteilschein von Yahoo  bezahlen. Dies entspreche einem Aufschlag von 62 Prozent zum Schlusskurs von Donnerstag, teilte Microsoft mit. Bezahlt werden soll zur Hälfte in bar und zur anderen Hälfte in eigenen Aktien.

Das Geschäft soll vermutlich Ende des Kalenderjahres 2008 abgeschlossen werden. Der Softwarekonzern erwartet laut der Mitteilung Synergien von mindestens einer Milliarde Dollar pro Jahr.

Yahoo will das Übernahmeangebot vom Microsoft schnell prüfen. Der Verwaltungsrat werde die "unaufgeforderte" Offerte sorgfältig und rasch abwägen, teilte Yahoo am Freitag mit. Man wolle das beste Vorgehen im Sinne der Aktionäre wählen, hieß es in einer kurzen Mitteilung.

Dresdner-Bank-Analyst Thomas Liskamm geht allerdings davon aus, dass Yahoo dem Angebot zustimmen wird. "Microsoft hat ein recht großzügiges Gebot abgegeben, weil sie nicht nachverhandeln wollen", meint der Experte im Gespräch mit manager-magazin.de. Vor einem Jahr habe Microsoft schon einmal die Lage ausgelotet, dabei aber nach Meinung der Yahoo-Führung ein zu geringes Angebot abgegeben. "Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass Yahoo alleine Schwierigkeiten hat", so Liskamm.

Eine Fusion von Yahoo und Microsoft würde einen Angriff auf Google  bedeuten. Die Aktien des weltweit größten Suchmaschinenbetreibers Google gaben bis zum frühen Nachmittag deutlich nach.

Kurssprung bei Yahoo, großes Cash-Polster bei Microsoft

Man gehe von einer Zustimmung der Behörden zu dem Geschäft aus, teilte Microsoft  weiter mit. Die EU-Kommission nahm zu der Ankündigung gegenüber manager-magazin.de zunächst nicht Stellung.

Auch Analyst Liskamm geht davon aus, dass die Wettbewerbsbehörden keine größeren Einwände gegen die Übernahme haben. "Ich bin zuversichtlich, dass die Behörden zustimmen", sagt der Experte im Gespräch mit manager-magazin.de. Schließlich würden mit einem Zusammenschluss der Nummer zwei und drei der Branche ein Gegengewicht zu Marktführer Google entstehen.

Yahoo-Aktien legten nach der Ankündigung um 56 Prozent zu. Als Reaktion auf die Nachricht baute der Dax  in Frankfurt seine Gewinne aus und lag etwa 2 Prozent im Plus. Die Futures für Dow Jones  und Nasdaq Composite  sprangen ebenfalls in die Höhe.

Microsoft hatte vor einigen Tagen einen Gewinn von 4,7 Milliarden Dollar für das vierte Quartal vorgelegt, ein deutlich besseres Ergebnis als erwartet.

Yahoo  hatte dagegen einen Gewinneinbruch erlitten und einen Stellenabbau angekündigt. Im lukrativen Anzeigenmarkt ist der Konzern massiv hinter Microsofts schärfsten Rivalen Google zurückgefallen.

Yahoo-Aktionäre haben die Wahl

Frontalangriff auf Google

"Wir haben großen Respekt vor Yahoo", sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer, "zusammen können wir spannende Lösungen kreieren." Gleichzeitig könnten die beiden US-Konzerne sich besser für den Wettbewerb bei Onlinediensten in Stellung bringen. Yahoo verfügt mit 250 Millionen Kunden über den am häufigsten benutzten E-Mail-Dienst der Welt und konkurriert bislang mit Microsoft bei der Websuche.

Ballmers erklärtes Ziel ist es, Microsoft  im boomenden Onlinewerbemarkt stärker aufzustellen. Der Kauf von Yahoo ist damit ein Frontalangriff auf den marktbeherrschenden Konkurrenten Google .

Mit Zukäufen von Onlinewerbefirmen hatten sich sowohl Microsoft als auch Google in der jüngsten Vergangenheit in diesem Feld verstärkt. Yahoo  drohte in diesem Spiel der beiden Giganten das Nachsehen. Der Gewinn des Unternehmens war im Schlussquartal 2007 um fast ein Viertel eingebrochen, während Google weiter prozentual zweistellig zugelegt hatte.

Yahoo in schwieriger Phase

Yahoo hatte Stellenstreichungen verkündet, Microsoft sucht Leute. Die Google-Aktie sank in Erwartung einer erstarkten Microsoft-Aktie vorbörslich um 8,52 Prozent auf 516,22 Dollar.

Zudem hatte Google zwar seinen Gewinn gesteigert, aber weniger stark als erhofft. Google expandiert über Suchmaschine und Werbegeschäft hinaus massiv in neue Bereiche, um seine Einnahmen auf eine breitere Basis zu stellen. Unter anderem gehört das Online-Videoangebot YouTube zum Konzern. Google ist zudem ins Mobilfunkgeschäft eingestiegen.

Yahoo-Aktionäre haben die Wahl

Microsoft will den Kauf im zweiten Halbjahr abschließen. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem allerdings zustimmen und auch die Yahoo-Aktionäre müssen das Angebot annehmen.

Die Yahoo-Aktionäre sollen zwischen einer Barauszahlung und Microsoft-Aktien wählen können. Insgesamt soll der Kaufpreis je zur Hälfte in bar und in Aktien bezahlt werden.

Microsoft dürfte trotz des Kursaufschlags verhältnismäßig günstig an Yahoo gelangen. In den vergangenen zwölf Monaten hatte die Yahoo-Aktie mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.

Die Situation hatte sich derart zugespitzt, dass Firmenmitgründer Jerry Yang im vergangenen Sommer an die Konzernspitze zurückgekehrt war und durchgreifende Veränderungen angekündigt hatte.

Analysten: "Das Timing ist gut"

Analysten: "Hoher Aufschlag für kränkelnde Firma"

"Wir wissen alle, warum sie das machen", sagte Robert Breza von RBC Capital Markets. Ziel sei es, sich im Kampf gegen Google zu stärken. "Microsoft hat eine Kriegskasse voller Geld", sagte er. Jeden Monat komme eine weitere Milliarde Dollar hinzu. Auch strategisch sei der Kauf günstig, schon allein wegen der Anteile am Suchmaschinenmarkt. Dort führt Google mit großem Abstand vor den beiden anderen Firmen.

Colin Gillis von Canaccord Adams sprach ebenfalls von einem Manöver im Kampf Microsoft gegen Google. "Wer am meisten davon profitieren wird ist der Kunde - der Benutzer dieser Produkte."

Einige Analysten halten den Preis aber für zu hoch. Tim Smalls von Execution sagte: "Für ein kränkelndes Unternehmen ist der Aufschlag aus meiner Sicht exorbitant. Ich für meinen Teil sehe nicht, wie die Microsoft-Yahoo-Synergien sich gegen Google durchsetzen sollen."

Dagegen sprach Paul Mendelsohn von Windham Financial Services von einem sinnvollen Geschäft, weil Yahoo derzeit Schwierigkeiten habe, gegen Google zu bestehen.

Mit dem Zusammenschluss holen die beiden Unternehmen aber wieder gegen Google auf. "Spätestens ab 2009 bläst der Gegenwind Google stärker ins Gesicht", so Dresdner-Bank-Analyst Liskamm. Schon jetzt hat der Internetkonzern Problemen die Erwartungen der Analysten zu erfüllen, wie die Vorlage der jüngsten Quartalszahlen zeigt.

Die Aktien von Yahoo lagen bereits zu Jahresanfang nahe an einem Vier-Jahres-Tief. Im lukrativen Anzeigenmarkt ist der Konzern massiv hinter Google zurückgefallen. "Von Microsofts Seite ist das Timing gut", sagte Mendelsohn.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap und reuters

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