Vodafone D2 Mehr Kunden, weniger Umsatz

Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone konnte seine Erlöse im dritten Quartal weiter steigern. Doch auch diesmal ist nicht die deutsche Tochter verantwortlich dafür. Vodafone D2 hatte viel eher mit den behördlich angeordneten Preissenkungen zu kämpfen und verzeichnete Umsatzeinbußen.

Düsseldorf/London - Die Erlöse mit Sprach- und Datendiensten schrumpften trotz wachsender Kundenzahl um mehr als 5 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro, teilte Vodafone D2 am Donnerstag mit. Die Rückgänge seien vor allem den veränderten Terminierungsentgelten und den regulierten Auslandspreisen geschuldet.

Die Regulierungsbehörde hatte die Gebühren für Gespräche in fremde Mobilfunknetze (Terminierungsentgelte) und für Telefonate im Ausland (Roaminggebühren) gesenkt. Ohne diese Vorgaben hätte der Umsatz nach Angaben von Deutschlands zweitgrößtem Mobilfunkanbieter stagniert. Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen erwartet einem Sprecher zufolge trotz künftiger Preissenkungen "in absehbarer Zeit wieder ein Umsatzplus".

Die Kundenzahl stieg von Oktober bis Dezember um 1,38 Millionen auf 33,9 Millionen. Dazu trugen sowohl eigene Vertrags- und Prepaidkunden als auch Vertriebskooperationen wie das gemeinsam mit dem Axel-Springer-Verlag  gestartete Angebot "Bildmobil" bei. Detaillierte Zahlen dazu wollte Vodafone D2 nicht nennen. Der deutsche Marktführer T-Mobile hatte Ende Dezember knapp 36 Millionen Kunden.

Vodafone D2 will Arcor

Der Umsatz je Kunde und Monat sank ebenfalls und zwar um 2,90 Euro auf 18,00 Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal. Dafür stieg die Zahl der Telefonminuten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: Die Kunden telefonierten im Durchschnitt 111 Minuten pro Monat. Im Vorjahr waren es nur 98 Minuten.

Die Festnetztochter Arcor gewann im Quartal 144.000 Nutzer von DSL-Internetanschlüssen hinzu und wuchs damit auf 2,4 Millionen DSL-Kunden. Der Umsatz ohne Geräteverkäufe (Serviceumsatz) stieg um 9,5 Prozent auf 578 Millionen Euro.

Im vergangenen Quartal trieb Vodafone D2 eigenen Angaben zufolge die Integration von Arcor in den Konzern weiter voran. Die Muttergesellschaft, die ebenfalls Arcor-Anschlüsse vertreibt, nutzt einem Sprecher zufolge verstärkt deren Netze, statt fremde Kapazitäten anzumieten, und arbeitet mit Arcor bei der Geschäftskundenbetreuung zusammen.

Das Unternehmen bekräftigte noch einmal sein Interesse an einer Komplettübernahme von Arcor. "Wenn Deutsche Bank  und Deutsche Bahn verkaufsbereit sind und die Preise stimmen, haben wir Interesse", sagte ein Sprecher. "Aber wir stehen nicht unter Zeitdruck." Die Unternehmensziele seien auch mit den beiden Minderheitseignern gut zu erreichen.

Die Mutter glänzt

Die Mutter glänzt

Im Gegensatz zu seiner deutschen Tochter konnte der britische Mutterkonzern Vodafone  dank Übernahmen und eines schwungvollen Geschäfts in den Schwellenländern im dritten Quartal seinen Umsatz deutlich steigern. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kletterten die Erlöse zwischen Oktober und Ende Dezember um 15,8 Prozent auf 9,2 Milliarden Pfund. Die Kundenzahl stieg um 10,8 Millionen auf 252,3 Millionen weltweit.

Die deutlichsten Zuwächse verbuchte der weltgrößte Mobilfunkkonzern im Datengeschäft. Hier stiegen die Erlöse um mehr als 50 Prozent von 368 auf 558 Millionen Pfund. Beim Hauptumsatzbringer Sprachtelefonie zogen die Umsätze zwar um 13,9 Prozent auf 6,3 Milliarden Pfund an, das organische Wachstum lag aber nur bei 0,7 Prozent. Hier hätten sich vor allem Preissenkungen und die Auflage der EU-Kommission bei Auslandstelefonaten bemerkbar gemacht.

Positiv auf den Umsatz wirkten sich die jüngsten Übernahmen in Indien und der Türkei aus. Die Zuwächse verdankt Vodafone vor allem dem boomenden Geschäft in diesen Märkten. Neben Indien und der Türkei schafften auch Länder wie Ägypten oder Rumänien steile Zuwachsraten von zum Teil mehr als 30 Prozent.

Prognose bestätigt

In Europa entwickelte sich der Umsatz mit einem Plus von 7,3 Prozent auf 6,7 Milliarden Pfund bescheidener. Probleme machte hier vor allem die klassische Telefonie, wo die Erlöse organisch um 2,2 Prozent nachgaben. Daten- und SMS-Dienste wurden von den Kunden häufiger in Anspruch genommen

Die Briten bestätigten die zuletzt erhöhte Prognose für das Gesamtjahr. Demnach soll der Umsatz auf 34,5 bis 35,1 Milliarden britische Pfund (46,4 bis 47,2 Milliarden Euro) steigen - rund eine Milliarde Pfund mehr als zuvor angekündigt. Beim operativen Gewinn stellte Vorstandschef Arun Sarin 9,5 bis 9,9 Milliarden Pfund in Aussicht. Zuvor hatte die Prognose bei 9,3 bis 9,8 Milliarden Pfund gelegen. Profitieren dürfte Vodafone nach eigener Einschätzung vom günstigen Wechselkurs des Pfunds, da ein Großteil der Erlöse im Euro-Raum erwirtschaftet wird. Hinzu komme ein Sparprogramm. Bislang seien rund 300 Millionen Pfund eingespart worden.

Vodafone-Chef Sarin sieht im weltweiten Geschäft keine Anzeichen für eine geringere Entwicklungsdynamik. Der Konzernlenker bekräftigte, das Unternehmen könne auch eine Rezession gut verkraften. "Wir haben sehr starke Ergebnisse in den USA, und die USA werden voraussichtlich - wie üblich - den Weg für die Weltwirtschaft vorgeben", sagte Sarin.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

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