Qimonda "Schreckliche Zahlen"

Die Infineon-Tochter Qimonda hat im abgelaufenen Quartal mehr als eine halbe Milliarde Euro Verlust angehäuft. Damit lag das Minus sogar über dem Umsatz. Mit diesem Ergebnis scheint der Verkauf der restlichen Qimonda-Anteile für Infineon so gut wie unmöglich.

München - Der Verlust von Qimonda  lag im ersten Geschäftsquartal mit 598 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten lediglich mit der Hälfte gerechnet. "Schreckliche Zahlen", kommentierte ein Aktienhändler am Mittwoch knapp. Die Infineon-Aktie  gab in den ersten Handelsminuten deutlich nach.

Vor einem Jahr hatte der in München beheimatete Speicherchiphersteller noch einen hohen Gewinn erzielt. Seitdem sind die Preise aber eingebrochen, im jetzt berichteten Quartal um weitere 40 Prozent. Hinzu kam ein weiterhin schwacher Dollar, worunter das an der New Yorker Börse gelistete Unternehmen mit seinem Vorzeigewerk in Dresden besonders leidet.

Qimonda begegnet den deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen mit Einsparungen, Produktionsstilllegungen und dem Aufschieben von Investitionen. Die Verträge mit Fertigungspartnern sollen überprüft werden.

Die dramatische Verschlechterung der Lage bei Qimonda macht dem Mutterkonzern Infineon, der noch drei Viertel der Anteile hält, gleich doppelt zu schaffen: Zum einen reißt das Millionenminus weiterhin tiefe Löcher in die eigene Bilanz, zum anderen erschwert es die anvisierte Loslösung von der Tochter. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass die Konzernführung ihren Plan B umsetzt und die Papiere an die eigenen Aktionäre verschenkt. In spätestens einem Jahr soll der Anteil auf deutlich unter 50 Prozent gesunken sein.

Ausgaben senken, Produktivität steigern

Die Hoffnung auf eine Besserung der Lage Qimondas ist gering. Zwar haben sich in den vergangenen Tagen die Speicherpreise auf niedrigem Niveau stabilisiert oder sogar leicht erholt, doch selbst die Führungsetage traut dem nicht. "Wie nachhaltig diese Erholung ist, werden wir sehen", sagte der fürs operative Geschäft zuständige Vorstand Thomas Seifert in einer Telefonkonferenz. Hoffnungen setzt er auf einen neuen, kostengünstig zu fertigenden Chip.

Analysten lobten in der Telefonkonferenz die gute Arbeit des Managements unter den schwierigen Bedingungen. So sei die Verschuldung gering und ausreichend Geld in der Kasse. "Aber auch die Konkurrenten sind nicht tatenlos", sagte ein Bankenvertreter. Wie Qimonda leiden auch diese unter dem Preisverfall, der den Quartalsumsatz der Münchener auf nur noch 513 Millionen Euro hatte abschmelzen lassen - weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts.

Konzernchef Kin Wah Lohs Plan für die Zukunft sieht vor, die Ausgaben zu drosseln und damit auch Überkapazitäten im Markt abzubauen. So senkt er die Investitionen im laufenden Jahr um ein Drittel auf 400 bis 500 Millionen Euro. Den Bau einer neuen Produktionsstätte in Singapur hat er verschoben. Gleichzeitig will Loh die Produktivität und damit den Ausstoß von Bits steigern - um 30 bis 40 Prozent in 2008. Durch die Stilllegungen und den Ausgabenstopp wird Qimonda sein bisheriges Ziel von 50 Prozent aber nicht erreichen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx