Bundesliga Kirch findet Finanzier

Einen Tag vor Ablauf der Frist hat Medienunternehmer Leo Kirch eine Bankbürgschaft für seinen Milliardendeal mit der Deutschen Fußball-Liga vorgelegt. Die Wiener Raiffeisen Zentralbank wird dem Verband für eine Saison Einnahmen in Höhe von 500 Millionen Euro garantieren.

Hannover/Frankfurt am Main - Es wurde fristgerecht eine Absichtserklärung zur Übernahme einer Bürgschaft, ein sogenannter "Letter of Comfort", der Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB) mit Sitz in Wien eingereicht, teilte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) am Mittwochabend mit.

Demnach wird das Wiener Geldinstitut die erste Bankbürgschaft für Leo Kirchs Großdeal mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) übernehmen. Die DFL hatte die Firma Sirius, die offiziell Kirchs Frau Ruth sowie dessen Manager Dieter Hahn gehört, mit dem Vertrieb der Fußball-Bundesliga-Fernsehrechte von 2009 bis 2015 beauftragt. Dabei garantiert Sirius Erlöse von rund 500 Millionen Euro pro Jahr, die jeweils über eine Bankbürgschaft abgesichert werden müssen. Derzeit erlöst der Dachverband der 36 Proficlubs rund 420 Millionen Euro aus dem Verkauf der Rechte.

Die Garantien müssen jeweils zu Beginn eines Jahres für die im darauffolgenden Sommer beginnende Saison gestellt werden. Die eigentliche Bürgschaft für die Saison 2009/10 wäre somit am 1. Januar 2009 vorzulegen.

Die Ausschreibung soll nun in vier Wochen beginnen. Dann werden die möglichen Spielplan- und Verwertungsmodelle für die Zeit von 2009 bis 2012 den Interessenten zugeschickt. Die Agentur Sirius wird dies in Absprache mit der DFL tun. Rechteinhaber bleibt aber wie bisher der Ligaverband.

Wie die Spieltage von 2009 an aussehen und in welchem Fernsehsender die Spiele der Bundesliga dann zu sehen sein werden, ist noch völlig offen. Es gebe Szenarien mit und ohne der ARD-"Sportschau", hatte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, mehrfach erklärt. Die DFL werde wie bei der bisher letzten Ausschreibung mehrere Pakete anbieten. Auch bei der Rechtevergabe 2005 hatte es mehrere Modelle mit Free-TV-Zusammenfassungen um 22 Uhr gegeben, doch die Liga entschied sich für das Model mit der "Sportschau".

Premiere kämpft

Premiere kämpft

Vor allem der Pay-TV-Sender Premiere  bevorzugt direkte Verhandlungen mit der Liga und hat beim Kartellamt Beschwerde gegen die Zusammenarbeit von DFL und Sirius eingelegt. Diese wird aber noch nicht verhandelt. Premiere stört zudem, dass DFL und Sirius ein gemeinsames Unternehmens planen, das in Zukunft ein sendefertiges Produkt für die Liveübertragungen im Pay-TV erstellen soll. Die DFL will damit die Zahl der Bieter erhöhen.

Wochenlang war die Commerzbank  als Finanzier des Kirch-Projekts im Gespräch gewesen. Der ehemalige Medienmogul entschied sich jedoch vor Kurzem gegen das Kreditinstitut, da er negative Rückschlüsse befürchtete. Schließlich hatte Kirch zuvor den Bruder des angehenden Commerzbank-Chefs Martin Blessing, Ulrich Blessing, als Geschäftsführer von Sirius engagiert.

Die RZB hat bereits zahlreiche Medienbeteiligungen. So ist die Bankengruppe etwa mit 40 Prozent an der Technikfirma ORS beteiligt, die beispielsweise die digitale Verschlüsselung des Bezahl-Bundesligasenders Arena sowie anderer digitaler Kanäle betreibt. Seit zwei Jahren ist das Institut mit einer eigenen Niederlassung in Frankfurt am Main vertreten und hat mehrmals angekündigt, das Deutschland-Geschäft im großem Stil ausbauen zu wollen.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.