Pin/Springer Sanierer Piepenburg übernimmt

Der Springer-Verlag muss aufgrund der Probleme bei dem Postdienstleister Pin 620 Millionen Euro abschreiben. Da man "kein tragfähiges Finanzierungskonzept" finde, sind die Verhandlungen über die künftige Finanzierung von Pin vorerst gescheitert. Wie es weitergeht, bleibt offen.

Berlin - Nach den fehlgeschlagenen Verhandlungen mit dem Mehrheitseigner Axel Springer  übernimmt der Sanierungsexperte Horst Piepenburg den Chefposten bei der Pin Group. Piepenburg werde "alle Optionen einer Fortführung der Unternehmensgruppe prüfen", hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. "Derzeit laufen alle operativen Geschäfte weiter".

Neben Piepenburg wurde den Angaben zufolge Hans-Joachim Ziems in den Vorstand des Briefzustellers bestellt. Wie es weiter hieß, gehören Piepenburg und Ziems zugleich dem auf drei Personen verkleinerten Verwaltungsrat nach luxemburgischen Recht an.

Piepenburg übernehme dabei in Personalunion den Vorsitz des Verwaltungsrats. Die bisher in dem Gremium vertretenen Verlage würden ihre Sitze zur Verfügung stellen.

Zuvor waren Verhandlungen über die künftige Finanzierung des Unternehmens vorerst gescheitert. Pin-Hauptgesellschafter Axel Springer teilte mit, im Rahmen einer Pin-Verwaltungsratssitzung am Mittwoch sei deutlich geworden, "dass die Gesellschafter kein gemeinsames tragfähiges Finanzierungskonzept für die Fortführung des Geschäfts der Pin Group gefunden haben."

Springer muss aufgrund der Probleme bei Pin 620 Millionen Euro abschreiben. "Dies wird sich negativ auf den Konzernjahresüberschuss auswirken, nicht jedoch auf das operative Ergebnis, das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita)", hieß es in einer Mitteilung des Medienkonzerns. Springer ist bei Pin Mehrheitseigner und verfügt über 63,7 Prozent der Anteile an dem Unternehmen.

Noch im November hatte Springer-Chef Mathias Döpfner erklärt, er rechne nicht mit Abschreibungen wegen des geplanten Mindestlohns. In einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der vergangenen Woche räumte Döpfner jedoch ein, das Scheitern des Engagements bei Pin sei seine größte Niederlage. "Jetzt werden gerade bis zu 600 Millionen Euro vernichtet. Das ist bitter", sagte er.

Nachgebessertes Angebot

Nachgebessertes Angebot

Die Verantwortung für die Misere bei Pin wies er der Politik zu, die einen freien Markt im Briefgeschäft verhindere. Kritiker behaupten, der Konzern habe sich mit der Investition in den Postdienstleister verkalkuliert.

Der bisherige Pin-Vorstandschef und Mitgesellschafter Günter Thiel hatte dem Springer-Verlag angeboten, zumindest einen Teil der Springer-Anteile für einen symbolischen Preis zu übernehmen.Thiel strebte gemeinsam mit dem bisherigen Management eine stabile Mehrheit an dem Luxemburger Unternehmen Pin an, um es weiterführen zu können. Dazu wollte er Berichten zufolge aus eigener Tasche einen zweistelligen Millionenbetrag investieren.

Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hatte Thiel sogar sein Angebot nachgebessert - ohne Ergebnis. Die Gespräche seien am Widerstand des Springer-Verlags gescheitert, der sich aus dem Briefgeschäft komplett zurückziehen will.

Die übrigen Pin-Gesellschafter, etwa die WAZ-Gruppe, die Verlagsgruppe Rheinische Post und der Madsack-Verlag, hatten Springer aufgefordert, entweder weitere Mittel zur Verfügung zu stellen oder Anteile an Thiel zu verkaufen. Die Minderheitsaktionäre bedauerten außerordentlich, dass eine Rettung der Pin-Gruppe nicht mehr möglich war und damit zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Sie würden sich bemühen, in den Regionen die Logistikzentren zu sichern und damit möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Piepenburg hatte in den Jahren 2002/2003 als Vorstandsvorsitzender den Anlagenbauer Babcock Borsig  in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung saniert. Ziems war zum gleichen Zeitpunkt als Geschäftsführer der insolventen Kirch Media-Gruppe für die Restrukturierung und den Verkauf der Medien-Gruppe, darunter der Senderfamilie ProSiebenSat.1, verantwortlich.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp.djn

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