Springer "600 Millionen Euro vernichtet"

Mathias Döpfner, Chef der Axel Springer AG, sieht die Probleme bei der Tochter Pin Group als seine größte Niederlage - ohne dabei eigene Fehler zu erkennen. Dem Angebot von Pin-Chef Günter Thiel, den Postzusteller zu übernehmen, versetzt er einen Dämpfer. Aktienrechtlich setzt ihn die Offerte allerdings unter Druck.

Berlin - Im Ringen um die Zukunft des angeschlagenen Postdienstleisters Pin hat Springer den Übernahmeplänen von Pin-Chef Günter Thiel einen Dämpfer erteilt. "So, wie er sich das vorstellt, geht das nicht", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL mit Blick auf das Angebot Thiels, die Springer-Anteile für einen symbolischen Betrag zu übernehmen.

Der Verlag  hatte Pin am Freitag den Geldhahn zugedreht. Zuvor hatte der Bundestag einen Mindestlohn von acht bis 9,80 Euro für Briefträger beschlossen. Laut Springer beschädigt der Mindestlohn das Geschäftsmodell von Pin. Kritiker behaupten, der Konzern habe sich unabhängig davon mit der Investition in den Postdienstleister verkalkuliert.

Thiel will die Lohnuntergrenze einem Bericht des Magazins "Focus" zufolge umgehen. Durch den flächendeckenden Einsatz tausender Zeitungsboten, die neben Tageszeitungen auch Briefe befördern, lasse sich die Pin Group Thiels Einschätzung zufolge doch noch rentabel betreiben. Nach internen Analysen des Unternehmens müssten sie nicht nach Mindestlohn bezahlt werden, weil sie nicht als hauptberufliche Zusteller gälten.

Sollte Thiel mit seinem Modell Erfolg haben, könnte sogar der Springer-Verlag davon noch profitieren. Thiel habe Döpfner eine Gewinnbeteiligung über einen so genannten Besserungsschein angeboten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Über das Kaufangebot von Thiel soll nun auch am Wochenende verhandelt werden.

Ursprünglich hatte es Döpfner laut "Focus" abgelehnt, die Pin Group an Thiel zu übergeben. Thiel habe ihn aber mit der Offerte aktienrechtlich unter Druck gesetzt, weil damit ein weniger verlustreiches Geschäft als eine Pleite möglich sei.

Keine eigenen Fehler

Das Scheitern des Engagements bei Pin sei seine größte Niederlage, räumte Döpfner ein. "Jetzt werden gerade bis zu 600 Millionen Euro vernichtet. Das ist bitter." Eigene Managementfehler sieht Döpfner nicht. Die Verantwortung für die Misere bei Pin wies er der Politik zu, die einen freien Markt im Briefgeschäft verhindere.

"Ein solch hohes Maß an Willkür hatten wir nicht erwartet", sagte er. Die Verluste der im Sommer übernommenen Pin Group hatten die Springer-Bilanz schon in den vergangenen Monaten belastet.

Noch im November erklärte Döpfner allerdings, dass er nicht mit Abschreibungen wegen des geplanten Mindestlohns rechne. Gerade auch Zeitungen aus dem Springer-Verlag hatten sich gegenüber dem Thema Mindestlohn überwiegend ablehnend gezeigt; einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Interessen des Verlages und seiner Berichterstattung wies das Unternehmen jedoch stets zurück.

Vergangene Woche hatte Pin die Entlassung von rund 1000 seiner 9000 Mitarbeiter in Deutschland angekündigt. Sollte Thiel das Unternehmen übernehmen, würden nach seinen Worten im Frühjahr weitere 1000 bis 2000 Stellen gestrichen. Springer hatte bereits Anfang November mitgeteilt, dass die Pin Group bis Jahresende bis zu 55 Millionen Euro Verlust machen werde. In den vergangenen zwei Jahren hatte der Verlag rund 620 Millionen Euro in die Pin Group investiert, die das Unternehmen bei einer Aufgabe von Pin wohl abschreiben muss.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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