ProSiebenSat.1 Springer steigt aus

Einst wollte Axel Springer ProSiebenSat.1 komplett übernehmen, nun trennt sich der Verlag von seinem 12-Prozent-Anteil. Für rund eine halbe Milliarde Euro gehen die Aktien an den den Finanzinvestor KKR/Permira. Damit holt sich Springer-Chef Mathias Döpfner die Kosten für die Mehrheitsübernahme bei der Pin Group wieder zurück.

Hamburg - Die Axel Springer AG  habe mit KKR Private Equity Investors/Permira  einen Kaufvertrag abgeschlossen, hieß es in einer Pflichtmitteilung des Unternehmens an die Börse. Der Kaufpreis für die Aktien an ProSiebenSat.1  betrage über 509 Millionen Euro, dies entspreche einem Preis von 19,40 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie. Das Geschäft steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der Kommission der Konzentration im Medienbereich (KEK).

Noch vor wenigen Wochen hatte der Verlag einen weiteren Versuch für einen Einstieg in den TV-Konzern gestartet. Nach Informationen des SPIEGEL gab es Gespräche zu einem möglichen Deal mit dem Nachrichtensender N24, der ebenfalls zum TV-Konzern gehört. Im vergangenen Jahr war die angestrebte Komplett-Übernahme des TV-Konzerns durch den Axel Springer Verlag am Kartellamt gescheitert.

Dem internationalen Finanzkonsortium KKR/Permira gehören 50,67 Prozent des Grundkapitals und 88 Prozent der Stammaktien von ProSiebenSat.1. Die Axel Springer AG hält bisher jeweils 12 Prozent.

Mit dem Erlös von 509 Millionen Euro hat der Springer-Verlag so ziemlich genau die Ausgaben für die Mehrheitsübernahme an dem Postdienstleister Pin Group wieder eingenommen. Im Juni dieses Jahres erhöhte das Unternehmen seinen Anteil von 23,5 Prozent auf 71,6 Prozent und zahlte dafür rund 510 Millionen Euro. Inzwischen prüft Springer allerdings die Schließung seiner Posttochter.

An diesem Freitag will Europas größtes Zeitungshaus über die Zukunft der Pin Group entscheiden. Bei der geplanten Einführung des Postmindestlohns sei eine Fortsetzung des Geschäftsmodells sehr schwierig, hatte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner erklärt.

Einen Zusammenhang zwischen dem Aktienverkauf und der anstehenden Entscheidung zur Zukunft von Pin gebe es nicht, betonte Springer-Sprecherin Edda Fels. "Das hat nichts miteinander zu tun". Der Gewinn von rund 450 Millionen Euro aus dem Aktienverkauf werde erst 2008 zu Buche schlagen. Der Zeitpunkt für den Verkauf sei einfach günstig, der angestrebte Preis attraktiv.

Springer hatte im vergangenen Jahr versucht, ProSiebenSat.1 zu übernehmen, war aber am Verbot des Kartellamts gescheitert. Anschließend hatte der amerikanische Unternehmer Haim Saban die Sendergruppe an die Investorengruppen Permira und KKR verkauft.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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