Auszeit "So niedliche Viren"

Zeit, das Internet zu entdecken: Wie man sich per Internet einig wird. Warum gut informierte Apple-Jünger zum rechten Zeitpunkt einkaufen. Und wo man sich für schmales Geld eine große Syphilis holt.

In den Innenstädten ist es unübersehbar. Wenn Karstadt, Triumph und H&M gleichzeitig die Boulevards mit räkelnden Reizwäsche-Engeln tapezieren, dann steht Weihnachten vor der Tür. Advent, Advent, wer einmal mit derselben pennt …

Weihnachten entkommen Sie nicht. Es sei denn, Sie verschanzen sich in Ihrer Wohnung, lassen Radio und Fernseher ausgeschaltet und verweigern die Annahme von Post, Zeitung und Reklame. Ach ja, die Internetverbindung kappen Sie am besten auch.

Unsere Reihe "Auszeit" stellt keine Ausnahme dar, obschon wir auf rote Zipfel, Knecht Ruprecht und fliegende Rentiere verzichten. Advent mit dem Holzhammer, das wäre nicht unsere Art.

Zwischen den Zeilen aber, da weihnachtet's sehr. Nehmen Sie zum Beispiel diese Folge. Wir stellen zunächst eine Seite vor, auf der es um Krankheiten und Bazillen geht. Eine Gesundheitsseite? Weit gefehlt. Es geht um Plüschtiere für Leute, die schon alles Niedliche haben. Adieu Teddy, bienvenue Tripper. Wer da nicht auf Geschenke kommt …

Dann eine Computerseite: Wann ist der beste Zeitpunkt für den Kauf eines iPod oder eines Apple-PC? Klar, die Frage könnte man sich zu jeder Jahreszeit stellen, vorausgesetzt, man wollte es. Aber wenn es darum geht, trendbewusst zu schenken, wird der Kaufzeitpunkt von Elektronik leicht zum brisanten Familienpolitikum. Wenn Sie das für übertrieben halten, sollten Sie unbedingt weiterlesen.

Zum Schluss führen wir ein neues Internettool vor, dass Gruppen jeder Art dabei hilft, Mehrheitsentscheidungen zu treffen. Wer glaubt, so etwas könnte der Adventstümelei unverdächtig sein, hat noch nie eine Weihnachtsfeier organisiert. Schon die Terminfindung ist ein Graus. Und an der Frage, ob Kegeln eine Gelegenheit zu besinnlicher Einkehr ist, sind bereits ganze Belegschaften zerbrochen.

Ein guter Grund also, diese praktischen wie unterhaltsamen Webseiten auch während der Arbeitszeit anzusteuern. Es dient Ihrem Unternehmen.

Falls nicht: Lassen Sie sich nicht erwischen.

Salmonellen, für Liebhaber

Plüschtiere einmal anders: Wer wünscht sich nicht die Krätze an den Hals? Auf "Riesenmikroben.de" ist das weitgehend ungefährlich

Plüschtiere einmal anders: Wer wünscht sich nicht die Krätze an den Hals? Auf "Riesenmikroben.de" ist das weitgehend ungefährlich

Riesenmikroben.de

Schon die Wortschöpfung ist schier wunderbar. Man muss die Spannung zwischen den beiden Wortteilen mal auf der Zunge zergehen lassen: Riesen und Mikroben - in einem Wort. Doch Vorsicht, es droht Mundgeruch! In Form eines knuddeligen grünen Stofftierchens, das man bei einer Größe zwischen 10 und 19 Zentimetern wohl eher selten auf der eigenen Mundschleimhaut vorfindet.

Die Wortschöpfung ist passend, denn die Produkte, die unter "Riesenmikroben.de"  feilgeboten werden, haben ebenfalls ihren eigenen Charme. Das Motto des virtuellen Ladens: "Wussten Sie, dass Viren so niedlich sind?" Dazu blicken Typhus, Salmonelle und Kopflaus aus großen, treudoofen Augen. Nicht alles Viren, zugegeben, aber so genau wollen wir es mal nicht nehmen.

Warum, mögen sich die Erfinder der "Riesenmikroben" gefragt haben, werden meist Tiere als Vorbilder für Teddy und Co. herangezogen, die ohnehin süß sind? Sie bieten stattdessen allerlei abseitiges Getier, Gekeim und Gefleuch zum Kuscheln: Spezies, von denen man sich sonst lieber fern hält. Ob Hausstaubmilbe, fleischfressendes Bakterium oder BSE-Prion, alles kommt in flauschigem und knallbuntem Polyester daher.

"Diese Mikroben sind millionenfach vergrößerte Nachbildungen der Originale und eignen sich hervorragend als lehrreiche Geschenke für kleine und große Mikrobenfans", wirbt die Seite, und bietet zum Beispiel ein Grippevirus für 7,18 Euro an. Zum gleichen Preis gibt es auch ein Magengeschwür und die finster dreinblickende Krätze. Neben jedem Angebot findet sich auch ein Mikroskop-Bild, das die Ähnlichkeit etwa der Plüsch-Akne mit ihrer Namensgeberin belegen soll.

Auf "Riesenmikrobe.de" finden sich damit Geschenke, wie sie die wenigsten im Bekanntekreis schon haben dürften. Allerdings sollte man sich Tripper, Tollwut und Ebola für jene Freunde und Familienmitglieder aufsparen, auf deren humoristisches Immunsystem Verlass ist.

Gerüchte, für Mac-Käufer

Einkauf mit Timing: Der "Buyer's Guide" hilft gegen die Unwägbarkeiten der Modellpolitik von Apple

Einkauf mit Timing: Der "Buyer's Guide" hilft gegen die Unwägbarkeiten der Modellpolitik von Apple

Buyer's Guide @ MacRumors

Darf man das? Eine Internetseite empfehlen, die Kauftipps für die Computer einer einzigen Marke gibt? Oder vermischen wir damit redaktionellen Inhalt und Werbung? Immerhin, die Mehrheit der deutschen Zeitungsleser hält die wöchentlichen Aldi-Angebote in ihrem Heimatblatt für Tipps der Redaktionen. Warum so vielen die Unterscheidung schwerfällt, muss hier ungeklärt bleiben.

Vorsichtshalber erklären wir, liebe Leser, aber vorab: Sie müssen überhaupt nichts. Schon gar nicht Computer von Apple kaufen. Oder iPods. Oder iPhones. Oder irgendwas von dem Elektronikvermarkter mit der sektenhaften Jüngerschar.

Doch gesetzt den Fall, sie wollen, dann könnte der "Buyer's Guide"  von MacRumors von Interesse sein. Stellen Sie sich vor: Sie legen ihrer neunzehnjährigen Tochter ein Laptop - Typ: MacBook Pro, Kostenpunkt: schlappe 2400 Euro - unter den Tannenbaum. Bestimmt eine gute Wahl, damit das IT-seitig an sich unbedarfte Kind ab nächstem Sommer in der altehrwürdigen Bodleian Library von Oxford bei ihren neuen Kommilitonen nicht als Hungerleiderin dasteht. Knapp drei Wochen nach Weihnachten dann stellt Apple-CEO Steve Jobs, dieser arkane Hutzauberer, unerwartet ein Nachfolgenotebook vor, das den Vorgänger in punkto Leistung um den Faktor 8 und im Schlüsselpunkto Coolness um den Faktor 40 übertrifft. Wird – kann - ach was: darf ihre Tochter Sie dann noch lieben?

Der "Buyer's Guide" hilft derlei Misstritte vermeiden, die in einer Branche lauern, in der der jüngste Hype zum letzten Hype wird, noch bevor man das Geschäft mit dem Einkauf unterm Arm verlässt. Auf der Webseite fasst die Redaktion von MacRumors die statistischen Daten der Produktzyklen von Apple zusammen und wertet sie für den Kaufinteressierten aus.

Im Beispiel hätten Sie etwa über das MacBook Pro lesen können: "Nur kaufen, wenn Sie es unbedingt brauchen - erreicht das Ende eines Produktzyklus." Tatsächlich sind seit der letzten Überarbeitung der Baureihe 187 Tage vergangen, im Durchschnitt wurden aber alle 186 Tage aktualisierte MacBook Pros - oder deren Vorgänger - vorgestellt. Zu diesen Daten reicht die Redaktion die jüngsten Gerüchte und Pressemeldungen.

Was die Seite auch für Zielgruppen jenseits angehender Oxford-Studentinnen weihnachtstauglich macht, ist die Tatsache, dass hier alle iPod-Modelle und das iPhone berücksichtigt sind. Da müssen wir gleich eine Warnung weiterreichen: "Kaufen Sie kein iPhone - baldiges Update!"

Sagt zumindest der "Buyer's Guide". Und wir sind beim Thema Werbung aus dem Schneider.

Termine, für Organisationstalente

Abstimmung per Browser: Doodle erleichtert die Einigung - vorausgesetzt, alle Angesprochenen sind online

Abstimmung per Browser: Doodle erleichtert die Einigung - vorausgesetzt, alle Angesprochenen sind online

Doodle.de

Die schlimmsten Tage des Jahres liegen vor uns. Sie beginnen so um den 28. Dezember, mal früher, mal später. Sicher ist nur, dass am 31. Dezember alles entschieden sein muss. Aber was?

Richtig, Silvester. Fest steht dabei nur das Datum. Weder der Rahmen ist im Vorhinein klar, noch die Teilnehmer, teilweise nicht einmal die Stadt, in der man auf den Kalenderwechsel anstößt. Jedes Jahr aufs Neue ergeben wir uns dem konstruierten Zwang, uns mit den unterschiedlichsten Leuten auf etwas Spaßiges zu einigen. Jedes Jahr aufs Neue erwächst daraus ein ausgebufftes Spiel mit hanebüchenen Winkelzügen. Der Tarifstreit bei der Bahn ist dagegen ein Kindergeburtstag.

Doch es gibt Hilfe, so unspektakulär wie effizient. Die Seite "Doodle.de" , geschrieben wie Google mit Sprachfehler, offeriert einen bestechend einfachen Service. Haben Sie eine Frage an Ihren Bekanntenkreis, schreiben Sie sie auf. Dazu die Antwortmöglichkeiten, ihre E-Mail-Adresse und los geht's. Binnen Sekunden ist eine Web-Umfrage erstellt, die über einen per Zufallsgenerator erstellten Link im Internet aufgerufen werden kann. Sie verschicken diesen Link an alle, die es angeht. Die wiederum geben auf der erstellten Umfrageseite ihren Namen ein, klicken die Favoriten aus der Auswahl an und drücken den Button "Teilnehmen". Sie bekommen so in Windeseile ein überprüfbares wie übersichtliches Stimmungsbild.

Was jeden Erst-Doodler umhaut: Es gibt kaum Hindernisse. Keine Registrierung, kein Profil, kein sonstiger Tinnef. Als einzige Alternative zur Sachwahl gibt es die Terminumfrage, bei der ein Kalender die Arbeit erleichtert.

Demnächst finden wir uns im Kollegenkreis zum Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt zusammen. Hätten wir die Terminfrage im persönlichen Gespräch geklärt, wäre mit einer Einigung kurz vor den Kartagen zu rechnen gewesen.

Es gibt noch Hoffnung für Silvester.

Zur vorigen Auszeit: Dita von Teese guckt tief ins Glas

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