Neue Suchmaschine Angriff des Google-Killers

In wenigen Wochen, vielleicht auch nur noch ein paar Tagen, ist es so weit: Die als potenzieller Google-Killer gefeierte Mitmach-Suchmaschine Wikia Search geht an den Start. manager-magazin.de sprach mit Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über sein neues Projekt.

Hamburg – Etwa ein Jahr ist es jetzt her, dass Wikipedia-Gründer Jimmy Wales mit einer kleinen Bemerkung in der Internetgemeinde für einen Riesenwirbel sorgte. Er dachte laut über eine wikibasierte Suchmaschine nach. Fast zwölf Monate später ist es nun so weit: Noch im Dezember soll eine englische Betaversion der Suchmaschine ins Netz gehen.

Der Clou: Anders als bei konventionellen Suchmaschinen, sollen bei Wikia Search die Nutzer eine entscheidende Rolle spielen. Ein System, das auch bei Wikipedia funktioniert. Kürzlich schnitt das Onlinelexikon sogar besser als das Urgestein Brockhaus ab.

Bei Wikia Search sollen die Ergebnisse nicht mehr nur von einem Algorithmus generiert werden, sondern auch von den Nutzern. Kurz gefasst dürfte das in etwa so aussehen: Ein Algorithmus berechnet die Suchergebnisse, die Benutzer bewerten sie, sortieren den Netzmüll aus und steigern so die Qualität der Suchergebnisse.

Außerdem werden wohl auch die Suchalgorithmen - bei Google  das wohl am besten gehütete Geheimnis - der freien Softwaregemeinde zugänglich gemacht werden, die diese dann nach und nach perfektionieren kann.

Dabei soll nachvollziehbar werden, wie die aktuelle Trefferliste zustande kommt. "Die Leute sollen verstehen können, wieso die Dinge auftauchen, wo sie auftauchen", erklärt Wales gegenüber manager-magazin.de die Grundidee.

"Das größte Problem konventioneller Suchmaschinen liegt darin, dass sie undurchsichtig und in sich geschlossen sind", so Wales. Google sei eine Black Box. "Keiner weiß, und es gibt auch keinen Weg herauszufinden, warum ein Treffer vor dem anderen auftaucht. Das wollen wir ändern", erläutert der Wikipedia-Gründer.

Eine perfekte Suchmaschine ohne Macken und Kanten könnten die Nutzer beim anstehenden Start aber nicht erwarten, betont Wales. "Zwar wird die Suche funktionieren", sagt der Internetpionier. "Aber wir können nicht versprechen, dass die Qualität sehr gut sein wird." Aber das, so Wales, sei bei Wikipedia nicht anders gewesen. "Auch hier haben wir mit drei Artikeln begonnen."

Die Gewohnheit brechen

Die Gewohnheit brechen

Wie schnell Wikia Search sich zu einer wahrhaften Konkurrenz für Google  mausern wird, dazu hat der God King – wie Wales in der Gemeinde genannt wird -, eine ziemlich genaue Vorstellung – oder besser gesagt Idealvorstellung: "Den Leuten sollte klar sein, dass wir nicht sagen: Wir sind jetzt schon so gut wie Google", sagt Wales. Aber in "ein paar Jahren" sollte es so weit sein. Beim Wikipedia-Projekt, das bei vielen zunächst nur Gelächter und milde Blicke erntete, ging es dann ja auch schneller als erwartet.

Und bislang schlägt sich Wikipedia ausgesprochen tapfer. Zwar sorgte die Online-Enzyklopädie immer wieder für Schlagzeilen – von Manipulationen über Fehler bis hin zu nachlassender Schreibfreude. Doch die Nutzer scheint das nicht zu stören. Mittlerweile gibt es die Online-Enzyklopädie in mehr als 250 Sprachen.

Auch in Deutschland hat sich die gemeinnützige Online-Enzyklopädie einen festen Platz unter den meistgenutzten Webangeboten erkämpft. Laut Webranker Alexa.com rangiert sie auf Platz fünf – allerdings hinter Google, die mit ihrer deutschen und englischsprachigen Webseite Platz eins und vier belegen. Mehr als vier Milliarden Mal am Tag wird auf die Server der Enzyklopädie zugegriffen.

Menschen, die an den Erfolg des Projektes und an die Vision des Internetvordenkers glauben, gibt es genug. Bislang, so Wales, sind 14 Millionen Dollar in das Projekt geflossen. Ein Teil davon stammt von namhaften Geldgeber wie dem Internet Buchversender Amazon  oder Ebay-Gründer Pierre Omidyar.

Sorgen, dass er mit seinem Projekt nicht durch den Lärm, der den Marktführer Google umgibt, dringen kannn, hat Wales nicht. "Suchmaschinen zu wechseln ist eines der einfachsten Dinge der Welt", ist er zuversichtlich. "Internetnutzer sind sehr mobil."

Entsprechend zuversichtlich ist er somit auch, was den Marktanteil angeht. Rund 5 Prozent sollen es in den kommenden Jahren werden. "Das halte ich angesichts eines Marktanteils von Google von mehr als 50 Prozent für durchaus realistisch", gibt sich Wales erfolgssicher. Für einen Google-Killer, wie die Suchmaschine vereinzelt schon gefeiert wurde, reicht das ganz sicher aber nicht aus.

Ein Stück vom Kuchen

Ein Stück vom Kuchen

Anders als beim gemeinnützigen Wikipedia, das mittlerweile auf einen Wert von mehreren hundert Millionen Dollar taxiert wird, will Wales diesmal auch sein Stück vom Kuchen abhaben. Das Ganze soll langfristig Geld bringen. Schließlich ist die Internetsuche – zumindest für die Großen wie Google  – äußerst lukrativ. Mit Wikipedia hat Wikia Search daher eigentlich nichts zu tun, sondern läuft über Wales profitorientiertes Unternehmen Wikia.

Wie bei anderen Suchmaschinen auch sollen die Erlöse durch die klassische Werbung erzielt werden. Sorgen, dass die Gemeinde sich ausgenützt fühlen könnte, wenn Wikia mit ihren freiwilligen Beiträgen ordentlich Kohle macht, hat Wales nach eigenen Worten nicht. Er setzt - wie auch schon bei Wikipedia – auf den Spaßfaktor.

Bis auch eine deutsche Version der Suchmaschine online geht, wird es wohl nicht mehr allzu lange dauern. Schließlich, so Wales im Gespräch mit manager-magazin.de, sollen anderssprachige Versionen der Suchmaschine zügig folgen. Und mit mehr als 674.000 Artikeln ist Wikipedia-Deutschland schon jetzt die weltweite Nummer zwei hinter der englischen. Offenbar, so Wales, sind die Deutschen "ziemlich sendungsbewusst".

Dass die Community ein Multimilliarden-Unternehmen schlagen kann, ist für Wales so gut wie klar. "Naja, zumindest hoffe ich es. Der Versuch wird sicherlich Spaß machen."

Verwandte Artikel