Samstag, 19. Oktober 2019

Nokia Vom Handyhersteller zum Internetkonzern

Die Handyherstellung wird Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo zufolge künftig nur noch ein Teilbereich von Nokias Geschäftsbereich sein. Mit mobilen Diensten wolle der Konzern zum "größten Internetunternehmen der Welt" werden. Die Strategieänderung veranlasste Kallasvuo sogar dazu, die Gewinnprognose zu erhöhen.

Helsinki/Amsterdam - Nokia Börsen-Chart zeigen wolle nun auch das größte Internetunternehmen der Welt werden, sagte Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo am Dienstag bei einem "Kapitalmarkttag" in Amsterdam. Die neuen Smartphones sollten die Angebotspalette und auch das Image von Nokia tief greifend verändern: "Wir befinden uns an der Schwelle zu einer neuen Ära der mobilen Kommunikation, die durch das schnelle Zusammenwachsen von Internet und Mobilität vorangetrieben wird."

Nokia-Chef Kallasvuo: "Wir befinden uns an der Schwelle zu einer neuen Ära der mobilen Kommunikatiion"
Nokia will deshalb auch immer stärker zum Diensteanbieter werden. Die Finnen kündigten an, dass Käufer von Nokia-Handys in Zukunft ein Jahr lang in unbegrenzter Menge Musik aus dem Angebot des US-Konzerns Universal herunterladen können. Sie hätten damit von der zweiten Jahreshälfte 2008 an "Zugriff auf Millionen von Musiktiteln". Außerdem werde man Software zum Abrufen von Internet-Radiosendern aus aller Welt auf künftigen Mobiltelefonen anbieten. Über die Preispolitik bei den geplanten Internetdiensten schwieg sich Nokia noch aus.

Angesichts des als besonders stark erwarteten Wachstums bei Smartphones hat der Konzern seine Gewinnerwartungen für die kommenden Jahre nach oben geschraubt. Er erwartet auch ein kräftigeres Branchenwachstum. 2008 wird nun mit dem Gesamtabsatz von 1,1 Milliarden Handys und damit einem Plus von 10 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr gerechnet.

"Nicht aggressiv genug"

Statt 2010 erwarte man nun bereits für 2009, dass die Zahl von weltweit vier Milliarden Handynutzern überschritten wird. Während in Asien, dem Mittleren Osten und Afrika weiter mit überdurchschnittlichen Zuwachsraten von 15 Prozent zu rechnen sei, sieht Nokia Europa, Nord- sowie Lateinamerika nur "unter 10 Prozent".

Nokia erhöhte die Prognose für die eigene Ertragsquote von 15 auf 16 bis 17 Prozent für die kommenden zwei Jahre. Trotz dieser Ankündigung sank die Nokia-Aktie in Helsinki bis zum Nachmittag um 4,5 Prozent auf 26,34 Euro. Als Grund nannten Analysten, dass die neuen Marktziele "noch nicht aggressiv genug" seien.

Nokias Weltmarktanteil bei Handys liegt knapp unter 40 Prozent. Bei den Smartphones bekommen die Finnen Konkurrenz von Apples Multimediahandy iPhone und im kommenden Jahr auch von der Google-Plattform Android, für die der Internetriese eine Allianz mit zahlreichen Geräteherstellern und Mobilfunkunternehmen gebildet hat.

Für das bisher wenig ertragreiche Joint Venture Nokia Siemens Networks peilt die Konzernführung in Helsinki ein gegenüber der Gesamtbranche schnelleres Wachstum für 2008 und im folgenden Jahr eine Gewinnmarge von 10 Prozent an.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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