Mobilfunk Netzagentur senkt Gebühren

Die Bundesnetzagentur hat den Weg für weitere Preisreduzierungen im Mobilfunk freigemacht. Die Behörde senkte die Entgelte, die die Mobilfunkbetreiber von Konkurrenten für die Weiterleitung von Anrufen in ihre Netze verlangen dürfen.

Bonn - Die beiden größten deutschen Mobilfunkanbieter T-Mobile und Vodafone D2 dürfen laut Bundesnetzagentur für die Durchleitung der Gespräche ab dem 1.Dezember nur noch 7,92 Cent pro Minute verlangen, knapp 10 Prozent weniger als bisher. Bei den beiden kleineren Mobilfunkanbieter, E-Plus und O2, kürzte die Netzagentur die sogenannten Terminierungsentgelte sogar um 11 Prozent auf 8,8 Cent je Minute.

Der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth betonte: "Ich gehe davon aus, dass die niedrigeren Vorleistungsentgelte im Gegenzug jetzt auch an die Verbraucher weitergegeben werden und diese von sinkenden Endkundenentgelten profitieren." Die neuen Durchleitungspreise gelten bis zum 21. März 2009. Dies schaffe für alle Marktteilnehmer eine verlässliche Planungssicherheit, sagte Kurth.

Die Entscheidung der Behörde sorgte bei E-Plus für Verstimmung, da der Anbieter wie O2 stärker von der Absenkung betroffen ist als die Schwergewichte Telekom und Vodafone. E-Plus und auch O2 erhalten ein höheres Entgelt, da sie erst nach den beiden Marktführern an den Start gingen. Ein Sprecher von E-Plus kritisierte, dass der Abstand zu klein sei. "Das ist nicht akzeptabel." Er verwies darauf, dass Aufbau und Betrieb eines E-Netzes teurer seien als bei einem D-Netz. Ein E-Netz muss enger geknüpft werden, daher sind mehr Sendeanlagen als beim D-Netz nötig. Die KPN-Tochter verlangt eine höhere Spreizung der Entgelte.

Kaum noch Nachteile für E-Plus und O2

Netzagentur-Präsident Matthias Kurth wies den Vorwurf zurück: Die Nachteile für E-Plus und O2 hätten sich im Laufe der Zeit verringert, sagte er. Die neuen Preise gelten ab Samstag bis zum März 2009. Ein Vodafone-Sprecher begrüßte die Entscheidung der Behörde. "Die Entgelte sinken wie erwartet im Einklang mit den denen anderer Länder in Europa."

Die Terminierungsentgelte sind eine wichtige Einnahmequelle für die Unternehmen, die bereits mit dem harten Preiskampf auf dem Mobilfunkmarkt zu kämpfen haben. Die Absenkung im vergangenen Jahr hatte tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Die Gebühren stellen eine Mindestmarke bei den Handytarifen dar. Mit der verordneten Absenkung bereitet die Bundesnetzagentur also den Boden für weitere Preisabschläge.

Anders als im vergangenen Jahr orientierte sich die Netzagentur bei der Höhe der Gebühren an den tatsächlichen Kosten der Mobilfunkkonzerne und nicht an Schätzwerten. Behördenchef Kurth will damit den Konflikt mit den Mobilfunkkonzernen entkräften, die gegen die im vergangenen Jahr verordnete Entgeltsenkung klagen. Nachdem die Unternehmen in der ersten Instanz mit ihrer Klage Erfolg hatten, soll nun das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das letzte Wort haben.

Der Richterspruch wird für die erste Hälfte 2008 erwartet. "Ich appelliere an die Unternehmen, unsere Entscheidungen und deren Methodik zunächst gründlich zu prüfen und dann anhängige Rechtsstreitigkeiten und Klagen zurückzunehmen", sagte Kurth.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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