Versatel United Internet wird Großaktionär

United Internet treibt die Konsolidierung auf dem deutschen Telekommarkt weiter voran. Nach dem Einstieg bei Drillisch sicherte sich das Unternehmen nun einen 20-Prozent-Anteil an dem Telekom-Konkurenten Versatel. Damit hat der Internetdienstleister bei allen wichtigen Anbietern einen Fuß in der Tür.

Montabaur - United Internet  habe einen Anteil von 20,05 Prozent an dem Festnetzanbieter Versatel  erworben, teilte der Internetdienstleister (1&1, GMX, Web.de) mit. Man halte sich alle Optionen offen, darunter auch, die Beteiligung an Versatel weiter zu erhöhen. Am Vortag hatte United Internet den Einstieg beim Mobilfunkprovider Drillisch  mit 9,7 Prozent gemeldet.

Zudem stärkte die Firma aus Montabaur ihren Einfluss beim Konkurrenten Freenet : Der Partner Drillisch brachte seine restlichen Anteile in die gemeinsame Holding MSP ein, die nun rund 10 Prozent an Freenet hält. MSP behalte sich eine Anteilserhöhung vor, hieß es in der Mitteilung. United Internet spielt sich damit immer mehr in eine starke Position in der laufenden Konsolidierung im deutschen Telekommunikationsmarkt.

Der Konzern, der nach der Deutschen Telekom  zweitgrößter Anbieter von DSL-Anschlüssen in Deutschland ist, bezahlte im Durchschnitt 14,46 Euro je Versatel-Aktie - insgesamt also 127 Millionen Euro. Die Versatel-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von fast 20 Prozent auf 24,61 Euro. "United Internet verfolgt mit der Beteiligung eine strategische Positionierung im Rahmen der erwarteten weiteren Konsolidierung des deutschen DSL-Marktes", erläuterte das Unternehmen.

Versatel will VDSL-Netz aufbauen

Versatel bietet Telefon- und Internetanschlüsse für Privat- wie Geschäftskunden an. Das Düsseldorfer Unternehmen, das mehrheitlich zum Finanzinvestor Apax gehört, ist in zwölf Bundesländern sowie 32 der 50 größten deutschen Städte vertreten und erreicht mit seinem eigenen Glasfasernetz etwa 25 Prozent der Bevölkerung. Erst am Freitag hatte Versatel angekündigt, ein VDSL-Netz für schnelle Datendienste aufbauen und damit der Telekom Konkurrenz machen zu wollen. United Internet hingegen besitzt kein eigenes Netz und greift bei seinen Internet- und Sprachangeboten auf die Infrastruktur von Wettbewerbern zurück.

Versatel gilt in der Branche schon länger als Übernahmekandidat. Angeheizt wurden die Spekulationen durch den Einstieg der Berenberg Bank, die am Mittwoch ihre Beteiligung an dem Unternehmen um weitere 5 Prozent auf 15,1 Prozent erhöhte und den Anteil als Handelsbestand bezeichnete. Dies deutete darauf hin, dass die Bank im Auftrag eines Dritten handelte. In der Branche wurde United Internet als wahrscheinlichster Akteur gehandelt. Die Handelsvolumina der vergangenen Tage ließen zudem vermuten, dass die Bank nicht alle Anteile im freien Handel aufkaufte, sondern sich einer der großen Aktionäre von Anteilen trennte. Neben Apax ist auch der niederländische Investor Cyrte an Versatel beteiligt.

Eine Konsolidierung der Branche streben United Internet und der Mobilfunkprovider Drillisch auch über ihr Gemeinschaftsunternehmen MSP an. Die Partner hatten sich verbündet, um sich die Möglichkeit zu eröffnen, Anteile an Freenet aufzustocken. Diese Option wollen sich United Internet und Drillisch nach eigenen Angaben offen halten. Die Option, weitere 18,5 Prozent an Freenet vom Finanzinvestor Vatas zu übernehmen, ließen sie jedoch verstreichen.

Drillisch macht sich seit längerem für eine Aufspaltung von Freenet stark, um sich das Mobilfunkgeschäft einverleiben zu können. Darüber laufen exklusive Gespräche. Ein Verkauf des Mobilfunkgeschäfts ist aber an eine Gesamtlösung für das Unternehmen geknüpft. United Internet ist jedoch aus bilateralen Gesprächen mit Freenet über das DSL-Geschäft ausgestiegen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters